Marktschlussbericht: Börse Frankfurt
Dax testet 5 000-Punkte-Marke

Der deutsche Leitindex legt zum Wochenausklang einen Endspurt hin und gewinnt mehr als zwei Prozent. Anders als während der vergangenen VW-Chaos-Tage ignorierten die Anleger schlechte Nachrichten, zum Beispiel von der US-Konjunkturfront. Im Vergleich zur Vorwoche hat der Dax rund 16 Prozent gutgemacht.

HB FRANKFURT. Fallende Aktienkurse haben am Freitag offenbar Anleger eher angelockt als abgeschreckt und dem Dax in den letzten Handelsstunden ein deutliches Plus beschert. Der deutsche Leitindex schloss 2,4 Prozent höher bei 4 988 Punkten, nachdem er die 5 000-Punkte-Marke im späten Handel bereits getestet hatte. Dabei war der deutsche Leitindex am Morgen noch gesunken. "Die Aktien waren überverkauft und erholen sich jetzt. Einige Anleger hoffen offenbar, zu einem günstigen Zeitpunkt einsteigen zu können", kommentierte Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg das Geschehen.

Der MDax kam 1,6 Prozent voran auf 5 496 Zähler, der TecDax legte 4,6 Prozent auf 534 Punkte hinzu. Zu den Tagessiegern unter den 30 Dax-Werten zählten Conti (plus 8,6 Prozent) und BASF (plus 8,4 Prozent). Auf der Verliererseite standen Allianz mit einem Rückgang um 6,4 Prozent ganz oben.

Händler begründeten die Kursgewinne vieler deutscher Titel auch mit der bevorstehenden Veränderungen der Dax-Gewichtung. "Am Montag wird das Gewicht der VW-Aktie auf zehn Prozent begrenzt, das bedeutet im Gegenzug, dass die Gewichtung anderer Titel steigen wird - dementsprechend decken sich manche Fonds nun mit diesen Aktien ein", sagte ein Händler. Das Papier von Volkswagen schloss 0,1 Prozent im Minus bei 499,50 Euro.

Börse verschärft Index-Regeln

Die Deutsche Börse hat mittlerweile auf die allgemeine Kritik nach dem heftigen Kursturbulenzen der VW-Aktie reagiert und die Regeln für ihre Aktienindizes angepasst. Demnach könnte die VW-Stammaktie am kommenden Donnerstag aus dem Leitindex Dax geworfen und möglicherweise durch die stimmrechtslose Vorzugsaktie ersetzt werden. Ein Verbleib einer Aktie im Dax, MDax oder SDax hängt künftig auch von deren Gewichtung im jeweiligen Index und den Kursschwankungen ab, wie der Frankfurter Börsenbetreiber am Freitag mitteilte. Maßgebliche Kriterien waren bisher der Börsenwert eines Unternehmens und der Börsenumsatz der Aktie. Eine Voraussetzung für einen Rauswurf außerhalb der vierteljährlichen Anpassungstermine ist, dass der Kurs einer Aktie so stark steigt, dass deren Gewicht im jeweiligen Index mehr als zehn Prozent beträgt. Grundlage ist der Börsenwert der im Streubesitz befindlichen Anteilsscheine zum Handelsschluss eines Tages. Die Volkswagen-Stammaktie hatte infolge fehlgeschlagener Spekulationen von Finanzinvestoren einen Anteil von 27 Prozent am Dax erreicht - niemals zuvor hatte ein Dax-Wert ein so hohes Gewicht.

Das zweite neue Kriterium für die Herausnahme einer Aktie aus einem Index ist, dass die annualisierte Volatilität des Kursverlaufs über 30 Handelstage 250 Prozent überschreitet. Auch diesen Grenzwert überschreite die VW-Aktie momentan deutlich - nach Börsen-Daten beträgt der Wert 387 Prozent.

Commerzbank und Allianz schwächer

Die schlechten US-Konjunkturdaten würden vom Markt weiter ignoriert, kommentiert ein Händler. Der Index zur Verbraucherstimmung der Uni Michigan sei zwar wie erwartet hereingekommen, der Einkaufsmanager-Index der Region Chicago jedoch deutlich eingebrochen. Am deutschen Markt erwiesen sich vor allem Finanzwerte als Belastung. Zu den größten Verlierern zählte die Commerzbank-Aktie. Wie Reuters von mit den Überlegungen vertrauten Personen erfuhr, ist die Commerzbank an staatlichen Kapitalhilfen interessiert. "Hier in Deutschland wird das als Eingeständnis von Schwäche gewertet", erklärte ein Händler. "Und die Allianz wird dann wegen des Deals mit der Dresdner Bank gleich in Sippenhaft genommen."

Zudem wirke sich der Rekordverlust des US-Versicherers Hartford, an dem die Allianz beteiligt ist, negativ auf den Aktienkurs des deutschen Versicherungskonzerns aus, hieß es. Die Aktienkurs der Allianz, die einen Verkauf ihrer Bank-Tochter an die Commerzbank vereinbart hat, fiel um 8,9 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen standen Finanzwerte nicht sehr hoch in der Gunst der Anleger. In London etwa zählten Barclays zu den größten Verlierern - die Ankündigung einer Kapitalerhöhung drückte die Aktie der britischen Bank um 17 Prozent ins Minus.

Seite 1:

Dax testet 5 000-Punkte-Marke

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%