Marktschlussbericht Börse Frankfurt
Dax verbucht wieder Gewinne

Wer hätte das gedacht? Nur noch etwas mehr als hundert Punkte trennen den Dax von einem neuen Jahreshoch. Nach einem starken Start in die Handelswoche rückt die Marke immer näher. Angeschoben wurde der deutsche Leintindex zum Wochenauftakt vor allem von positiven Analystenkommentaren.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Gestützt auf kräftige Kursgewinne des Index-Schwergewichts Bayer hat der Dax am Montag erneut zugelegt. Zudem hellte die milliardenschwere Übernahmeofferte von Kraft für den britischen Süßwaren-Hersteller Cadbury die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten auf. In einem ruhigen Marktumfeld verbuchten die wichtigsten deutschen Aktienindizes erneut Kursgerwinne und schlossen freundlich. Bis Handelsende rückte der Leitindex um 1,47 Prozent auf 5 463 Punkte vor, für den MDax ging es um 2,39 Prozent auf 6 931 Punkte nach oben, der TecDax stieg um 1,94 Prozent auf 714 Zähler.

Wie lange hält der Trend?

„Wir sind kurzfristig betrachtet sehr optimistisch“, sagte Aktienmarktexperte Romain Boscher vom Vermögensverwalter Groupama. Es gebe genügend Nachrichten, die den Optimismus der Anleger untermauerten. Börsianer warnten angesichts der dünnen Umsätze aber davor, die Kursbewegungen überzubewerten. Ob der Trend nachhaltig sei, lasse sich aber erst nach der Rückkehr der US-Anleger aus dem verlängerten Wochenende abschätzen. Die Wall Street blieb heute wegen des „Labor Day“ geschlossen.

Kraft knabbert an Cadbury

Gesprächsthema auf dem Börsenparkett war die 16,7 Mrd. Dollar schwere Offerte des US-Lebensmittelkonzerns Kraft für Cadbury. Der US-Konzern will den britischen Schokoladenhersteller Cadbury für 16,7 Mrd. Dollar kaufen. Dieser zeigte Kraft jedoch die kalte Schulter und wies das Angebot als zu niedrig zurück. An der Londoner Börse schossen die Cadbury-Aktien daraufhin um 38 Prozent in die Höhe auf 772 Pence.

Spekulationen auf ein höheres oder ein weiteres Gebot von dritter Seite machten daraufhin die Runde, „am ehesten von einem Konsortium unter Nestle-Führung“, wie ein Analyst sagte. Der Schweizer Konzern winkte aber ab. „Wir sind immer offen für gute Gelegenheiten, haben aber 2009 und 2010 keine Pläne für größere Übernahmen“, erklärte Nestle-Chef Paul Bulcke. Die Möglichkeit einer Übernahmeschlacht verhalf jedoch den meisten Titeln der europäischen Lebensmittelbranche zu Kursgewinnen: Nestle verteuerten sich um 0,5 Prozent, Unilever kletterten um 2,2 Prozent, Danone um 3,9 Prozent und Lindt legten 2,5 Prozent zu. Die in Frankfurt gelisteten Aktien von Kraft verbuchten ein Plus von 0,4 Prozent.

Die Börsen in London und Paris tendierten ebenfalls aufwärts. Der britische FTSE 100 gewann bis zum Nachmittag rund 1,6 Prozent, der CAC-40 in Frankreich legte gut 1,4 Prozent zu.

Zu den Favoriten im Dax zählten Bayer. Die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns verteuerten sich um 3,9 Prozent auf 44,14 Euro, nachdem die Analysten von Bank of America/Merrill Lynch die Titel auf ihre Empfehlungsliste setzten. Sie begründeten dies unter anderem mit einer attraktiven Bewertung der Titel, starken Nachrichten zur Produkt-Pipeline und weiteren Verbesserungen bei der Rentabilität der Sparte Material Science.

Bei Beiersdorf sorgten charttechnische Kaufsignale Börsianern zufolge für einen Kurssprung. „Nachdem die Aktie den Widerstand bei etwa 36,50 Euro durchbrochen hat, hat sie zunächst Luft bis 40 Euro“, sagte ein Händler. Die Papiere des Konsumgüter-Herstellers notierten 5,2 Prozent höher bei 37,61 Euro.

Lufthansa-Aktien schlossen 2,5 Prozent höher bei elf Euro. Berichten zufolge erwägt British Airways, der deutschen Fluggesellschaft den Verlustbringer British Midland (bmi) abzukaufen. Lufthansa prüft derzeit sämtliche Optionen für die Tochter, von einem Verkauf bis hin zu einer Integration in den Konzern. British Airways zogen an der Londoner Börse 1,8 Prozent auf 192 Pence an.

Rückversicherer heute nicht gefragt

Zu den wenigen Verlierern am deutschen Markt zählten Hannover Rück mit einem Abschlag von 0,1 Prozent auf 30,14 Euro. Einige Börsianer sagten, dass die Aussicht auf unveränderte Prämien auf die Stimmung drücke. Die großen Rückversicherungskonzerne hatten auf einem Kongress in Monte Carlo erklärt, für das kommende Jahr keine Preiserhöhungen zu erwarten. Zudem könnte der bevorstehende Dax-Abstieg Hannover Rück drücken, sagten Händler. Die Aktien der Münchener Rück gaben ebenfalls 0,1 Prozent nach auf 104,35 Euro.

Im Technologie-Index TecDax waren Singulus mit einem Plus von bis zu 14,3 Prozent auf 2,55 Euro Spitzenreiter. Damit lagen die Papiere des Spezialmaschinenbauers auf dem Niveau von Mitte Juni. Der an die Firmenspitze zurückgekehrte Singulus-Gründer Roland Lacher hatte in einem Interview mit „Euro am Sonntag“ gesagt, er rechne schon für 2010 wieder mit einem Nettogewinn. Von Reuters befragte Analysten sagen im Schnitt einen Verlust von 0,30 Euro je Aktie voraus.

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