Marktschlussbericht Börse Frankfurt
Dax verteidigt ein kleines Plus

Bis auf 73 Punkte hatte sich der Dax heute schon seinem Jahreshoch genähert, MDax und TecDax haben sogar neue Jahresbestmarken erreicht. Doch die US-Börsen, die gestern noch wegen eines Feiertags geschlossen blieben, lieferten keine starken Impulse. So kam dem deutschen Leitindex zum Schluss der Schwung abhanden.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Gestützt auf überwiegend positive Unternehmensnachrichten haben die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Dienstag zum dritten Mal in Folge in der Gewinnzone geschlossen. Gedämpft wurden die Aufschläge jedoch durch die Börsen in den USA, die nicht so stark zugelegten wie zuvor erwartet. Der Leitindex Dax verbuchte am Ende nur noch ein Plus von 0,33 Prozent auf 5 481 Punkte, nachdem er im Handelsverlauf noch auf bin zu 5 502 Zähler geklettert war. Derweil hatten die deutschen Nebenwerte ihren Aufschwung fortgesetzt und waren am Morgen auf neue Jahreshochs geklettert. Für den MDax ging es um 1,02 Prozent auf 7 002 Zähler nach oben, der TecDax rückte um 1,09 Prozent auf 722 Zähler vor. Damit lagen sie auf dem Niveau vom vergangenen Herbst. Der SDax kam bis auf sechs Zähler an seine Jahresbestmarke von 3 370 Stellen heran.

„Die Wall Street hat nach dem langem Wochenende nicht so deutlich im Plus eröffnet wie gedacht“, sagte Marktstratege Heino Ruland von Ruland Research. Am Montag waren die Märkte wegen des Feiertages „Labor Day“ geschlossen geblieben. Derzeit fürchteten die Anleger nach zuletzt nicht so schlecht ausgefallen Arbeitsmarktdaten eine restriktivere Geldpolitik, erklärte der Experte die nur geringen Aufschlägen an den US-Börsen. Die damit einhergehende Verteuerung des Geldes könnte dem Aktienmarkt Liquidität entziehen. „Nachdem die US-Börsen anfängliche Kurssteigerungen zum Teil abgaben, setzten am deutschen Markt leichte Gewinnmitnahmen ein“, sagte ein Händler.

Größte Gewinner waren die Aktien der Commerzbank, die sich gegen den Branchentrend um 5,3 Prozent auf 7,59 Euro verteuerten. Händlern zufolge haben die Titel im Vergleich zu anderen Finanzwerten noch Nachholpotenzial. Schlusslicht im Leitindex waren die Titel von Fresenius mit einem Minus von 2,6 Prozent auf 37 Euro.

Trotz der Rückkehr der US-Anleger aus einem langen Wochenende belebte sich das Geschäft nicht. Im Dax wurden 96,5 (Montag: 97) Millionen Aktien im Wert von 2,4 (2,3) Milliarden Euro umgesetzt.

Bankenwerte entwickelten sich uneinheitlich: Commerzbank-Titel etwa gewannen an der Dax-Spitze 5,27 Prozent auf 7,59 Euro. „Gerade nach der Kampfansage aus der letzten Woche sehen Investoren eine vermeintlich gute Einstiegsgelegenheit“, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade. Der Chef der Investmentbanking-Sparte und Commerzbank-Vorstandsmitglied Michael Reuther hatte am Dienstag vergangener Woche dem Handelsblatt gesagt, dass die Bank die Nummer eins unter den Investmentbanken in Deutschland werden wolle. Die Verluste von 1,29 Prozent auf 48,37 Euro bei der Deutschen Bank begründeten Börsianer mit eher negativ aufgenommenen Äußerungen von Bankchef Josef Ackermann auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“. „Wir müssen im Heimatmarkt alles tun, um den Marktanteil zu erhöhen“, sagte Ackermann.

Aktien der Deutschen Telekom gewannen 1,90 Prozent auf 9,63 Euro. Der Telekomkonzern will seine angeschlagene britische Mobilfunktochter T-Mobile in ein Joint Venture mit France Telecom einbringen. Als besonders positiv bewertete Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim, die vereinbarte Ausschüttung von 90 Prozent des frei verfügbaren Cash Flows an die Anteilseigner.

Im MDax schnellten Tui-Titel nach einem Pressebericht um 6,66 Prozent auf 6,65 Euro in die Höhe. Betriebsrat und Management der angeschlagenen Reederei Hapag-Lloyd, an der der Touristikkonzern über 43 Prozent hält, haben sich nach einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ auf einen umfangreichen Sparplan geeinigt.

Auch Studien hielten die Kauflaune der Anleger hoch. So ging es für Papiere von Pro Sieben Sat. 1 um 5,29 Prozent auf 7,96 Euro nach oben. Die Umsätze erschienen recht stabil, während Kosteneinsparungen die Profitabilität schützten, schrieben die Experten der Citigroup. Douglas-Papiere verteuerten sich um 4,33 Prozent auf 29,90 Euro. Goldman Sachs hatte die Einschätzung der Papiere von „Sell“ auf „Conviction Buy“ hochgestuft. Die Bewertung der Aktie sei attraktiv und die Positionierung des Unternehmens mit einer Marktführerschaft bei Parfümerien könnte ein besser als erwartetes Weihnachtsgeschäft bringen, hieß es.

Aktien von Klöckner & Co (KlöCo) notierten derweil nur optisch sehr schwach am Indexende bei 16,70 Euro. Die Titel des Stahlhändlers wurden ex Bezugsrecht gehandelt.

Anteilsscheine von Morphosys zählten wiederum mit einem Plus von 7,16 Prozent auf 16,61 Euro zu den Favoriten im TecDax. Das Biotechnologieunternehmen erreichte eine Meilenstein-Zahlung im Krebs-Programm mit Bayer Schering .

Im SDax ging es für Air-Berlin-Titel um 1,37 Prozent auf 3,70 Euro hoch. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft übernimmt das City Carrier Geschäft der Tuifly zur Wintersaison 2009/10.

Die US-Börsen verbuchten bei Handelsschluss in Europa auch Kursgewinne. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,5 Prozent auf 9 492 Stellen und der S&P500 um 0,9 Prozent auf 1 025 Punkte. Der Nasdaq-Composite verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 2 032 Zähler.

Auch die wichtigsten europäischen Aktienindizes haben gestützt auf steigende Rohstoffpreise mit leichten Kursgewinnen geschlossen. „Mit Übernahmen auf der Tagesordnung haben die Märkte einen neuen Impuls gefunden“, sagte John Murphy, Analyst bei ODL Securities. Das beste Zeichen, dass die Kreditmärkte sich aus der Verspannung lösten, werde das Wiederaufkommen von Zukäufen sein.

Der EuroStoxx 50 kletterte um 0,09 Prozent auf 2 786 Punkte. Der CAC-40-Index legte in Paris 0,22 Prozent auf 3 660 Zähler zu. Der Londoner FTSE 100 stieg um 0,29 Prozent auf 4 947 Punkte.

Auch der Euro ist weiter im Vormarsch. Der Referenzkurs der Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,4473 Dollar festgestellt, nach 1,4330 Dollar am Vortag. Die Dollarschwäche ist nach Einschätzung von Analysten für den neuerlichen Höhenflug des Goldpreises verantwortlich. In New York kostete die Feinunze Gold am Dienstag zeitweise 1.009,70 Dollar, der höchste Stand seit dem Rekord von 1.033,90 Dollar am 17. März 2008.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%