Marktschlussbericht: Börse Frankfurt
Finanzwerte schicken Dax erneut ins Minus

Die Talfahrt der Finanzwerte hat den Dax am Dienstag erneut ins Minus gedrückt.

HB FRANKFURT. Er beendete den Xetra-Handel 1,1 Prozent tiefer bei 5 326 Zählern. Mit 301,6 Millionen Aktien übertraf der Aktienumsatz den Durchschnitt der vergangenen 90 Handelstage (189,5 Millionen Aktien).

Für Aufsehen sorgte unterdessen der Kursanstieg bei Volkswagen von zeitweise mehr als 50 Prozent. Die Papiere des Autobauers gaben diese Gewinne aber wieder komplett ab und schlossen 1,8 Prozent im Minus bei 287 Euro.

Die Papiere des Autoherstellers VW waren ohne erkennbaren Grund zeitweilig um über 50 Prozent gestiegen auf ein Allzeithoch von 440 Euro. "Viele Stücke sind sicherlich nicht mehr im Markt, Porsche hält Stücke und das Land Niedersachsen auch. Aber irgendjemand muss unglaublich short sein und sich blind eindecken", mutmaßte ein Händler. Ein weiterer Händler zeigte sich völlig ratlos: "VW ist ein Mysterium." Ein weiterer Börsianer verwies zudem darauf, dass sich Anleger derzeit mit VW-Aktien gegen den schwachen Markt absicherten.

Der MDax fiel am Dienstag um 2,3 Prozent auf 5990,63 Punkte. Der TecDax gab 5,2 Prozent auf 573,04 Zähler nach.

Die Kursverluste bei den Finanztiteln wurden von Meldungen ausgelöst, wonach britische Banken mit der Regierung in London über staatliche Finanzhilfen für die Institute des Landes gesprochen haben. "Die großen Banken und der Schatzkanzler haben sich gestern Nacht getroffen. Dabei wurde als eine Option auch eine Rekapitalisierung in Betracht gezogen", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Dienstag. Während Barclays erklärte, die Regierung nicht um Finanzhilfen gebeten zu haben, wollte der Konkurrent Royal Bank of Scotland (RBS) sich nicht äußern. "Diese Meldungen schüren auf dem ganzen Kontinent Angst", kommentierte ein Börsianer. RBS-Aktien stürzten mehr als 20 Prozent ab.

Auf dem Markt lasteten Börsianern zufolge zudem Gerüchte um eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank, deren Aktien um acht Prozent absackten. Das Institut erklärte allerdings, dass es keine Kapitalerhöhung plane. Die Papiere des Konkurrenten Commerzbank gaben rund sieben Prozent nach. Die Aktien der Hypo Real Estate, die noch mit einem Plus von gut 20 Prozent in den Handel gegangen waren, verloren ein Prozent und die Papiere des Versicherers Allianz gaben sechs Prozent nach. "Man konnte kaum denken, dass alles vorbei ist. Nichts ist gelöst", klagte ein Börsianer.

Ihre Talfahrt setzten die Aktien des größten europäischen Softwarekonzerns SAP fort, die weitere acht Prozent nachgaben. Bereits am Vortag waren SAP gut 16 Prozent abgerutscht, nachdem das Unternehmen erklärt hatte, sich wegen der weltweiten Finanzkrise einen deutlichen Nachfragerückgang gegenüberzusehen. Zahlreiche Analysten äußerten sich daraufhin skeptisch. Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Thomas Hofmann dürfte sich die Schwäche im für das Unternehmen wichtigen vierten Quartal fortsetzen. "Die enttäuschenden Softwareumsätze sollten mit einer Zeitverzögerung auch schwächere Wartungs- und Serviceerlöse nach sich ziehen", erklärte Hofmann.

Bei den Nebenwerten gerieten die Aktien des Bezahlfernsehsenders Premiere erneut unter die Räder. Die Titel gaben 15 Prozent auf 2,76 Euro nach und waren damit schwächster Wert im MDax. Die Analysten von Unicredit senkten ihr Kursziel auf 3,50 von 15,50 Euro und empfahlen die Titel nur noch zu halten statt wie bislang zu kaufen.

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