Marktschlussbericht Frankfurt
Dax: EZB-Rhetorik drückt die Stimmung

Die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung in Europa hat am Donnerstag den deutschen Aktienmarkt ins Minus gedrückt. Der Dax schloss 0,3 Prozent niedriger bei 6 942 Zählern.

HB FRANKFURT. Am Mittag noch hatte der Index leicht zugelegt und angesichts erwarteter Kursgewinne an der Wall Street sogar den Sprung über 7 000 Punkte geschafft. Doch mit der Aussage, dass für Juli eine Zinserhöhung nicht ausgeschlossen werde, machte EZB-Präsident Jean Trichet-Claude den Optimisten einen Strich durch die Rechnung. "Diese Ankündigung ist zwar angesichts des starken Inflationsdrucks keine Überraschung, aber wenn Trichet so etwas sagt, drücken viele Händler doch schnell mal auf die Verkaufstaste", sagte ein Börsianer.

Das Handelsvolumen im Dax betrug 129 (Mittwoch: 123) Millionen Aktien, der Umsatz belief sich auf 5,2 (5,1) Milliarden Euro.

An der Wall Street lagen Dow-Jones und S&P-500 zu Handelsschluss in Europa ein Prozent im Plus. Der Nasdaq-Composite stieg um 1,2 Prozent.

Der MDax der mittelgroßen Werte zeigte sich indes weniger beeindruckt und schloss mit Aufschlägen von 0,71 Prozent bei 9 820,54 Zählern. Der Technologiewerte-Index TecDax büßte 0,55 Prozent auf 866,02 Zähler ein.

Für Gesprächsstoff am deutschen Aktienmarkt sorgte auch der geplante Verkauf der Postbank. Wie aus Finanzkreisen verlautete, wird Interessenten "relativ kurzfristig" Einblick in die Bücher der Postbank gewährt. Damit läuft offenbar der Countdown für die größte Übernahme eines Geldhauses in Deutschland seit Jahren. Der Postbank-Aktie verhalf das zu Kursgewinnen von zeitweise über zwei Prozent, und bis zum Abend verteidigte der Titel ein Plus von 1,1 Prozent.

Größter Gewinner im Dax war jedoch die Aktie der Hypo Real Estate mit einem Aufschlag von 2,7 Prozent. Das Unternehmen hatte am Morgen bekräftigt, "trotz der schwierigen Märkte profitabel zu bleiben", wie Börsianer sagten. Auch die UBS-Aktie schloss im Plus, sie stieg kurz vor dem Ende des Bezugsrechthandels um 4,2 Prozent. Viele andere Finanztitel waren aber nicht gefragt: Deutsche Bank fielen um 0,7 Prozent, Societe Generale um 1,5 Prozent, BBVA um 1,1 Prozent. Credit Agricole waren mit einem Abschlag von acht Prozent sogar größter Verlierer im französischen Leitindex Cac40. Das Institut musste bei seiner Kapitalerhöhung unerwartet hohe Zugeständnisse machen.

Unter Druck geriet die Aktie der Deutschen Telekom. Konkurrent France Telecom will TeliaSonera kaufen - wenn das TeliaSonera-Management zustimmt. Sollte die Transaktion zustande kommen, werde die Position der Deutschen Telekom im europäischen Konsolidierungsprozess schwächer, sagten Händler. Zugleich befindet sich Verizon Wireless in Gesprächen über eine Übernahme des US-Telekomunternehmens Alltel, wie die an Verizon Wireless beteiligte Vodafone mitteilte. Während die Vodafone-Aktie in Reaktion auf diese Nachricht um 3,8 Prozent anzog, verlor die T-Aktie 0,7 Prozent.

Dem Papier der France Telecom erging es noch schlechter: Die Aktie fiel in Paris um 5,1 Prozent. Die Aktie der zu 55 Prozent an Verizon Wireless beteiligten Verizon Communications zog im US-Handel zunächst um über sechs Prozent an und war damit einer der stärksten Titel im Dow-Jones.

Dieser lag zu Handelsschluss in Europa ein Prozent im Plus, wozu neben unerwartet gut ausgefallenen Daten vom US-Arbeitsmarkt auch erfreulich hohe Umsätze der US-Einzelhändler beitrugen. Wal-Mart sowie die Kette Costco hatten für Mai einen Umsatzanstieg vermeldet. Wal-Mart-Aktien kletterten daraufhin um vier Prozent, Costco um drei Prozent.

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