Marktschlussbericht Frankfurt
Dax schließt leicht im Minus

Der von Börsianern lange ersehnte Verkauf der Daimler-Chrysler-Tochter Chrysler hat am Montag für Bewegung am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Der Dax konnte seine Auftaktgewinne aber nicht halten und schloss 0,26 Prozent im Minus bei 7 459 Punkten.

HB FRANKFURT. Nach Aussagen von Börsianern agierten viele Anleger nach zwei Handelstagen mit ungewöhnlich starken Kursschwankungen vorsichtig. „Der Markt muss sich erst einmal beruhigen“, sagte ein Händler. Haupt-Gesprächsthema auf dem Börsenparkett war Daimler-Chrysler. Der Autokonzern verkauft 80 Prozent seiner US-Tochter Chrysler für 5,5 Mrd. Euro an den Finanzinvestor Cerberus. Damit lässt sich der Stuttgarter Traditionskonzern neun Jahre nach der „Hochzeit im Himmel“ wieder scheiden. Allerdings fließt der Löwenanteil des Verkaufserlöses auf das Konto von Chrysler. „Der Verkauf von Chrysler ist zu jedem Preis eine gute Sache“, sagte ein Analyst.

Die Titel von Daimler-Chrysler schossen zeitweise um bis zu acht Prozent auf 65,34 Euro nach oben und notierten so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Gewinnmitnahmen ließen das Plus nach Aussage von Händlern bis Handelsschluss auf 1,8 Prozent zusammenschmelzen. Seit Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche Mitte Februar einen Verkauf der defizitären US-Tochter nicht mehr ausgeschlossen hat, kletterte die Aktie um mehr als 20 Prozent.

Die Titel von Siemens konnten ihre Gewinne ebenfalls nicht halten und schlossen 0,3 Prozent tiefer. Im ersten deutschen Prozess zu den Korruptionsaffären bei dem Technologiekonzern verurteilte das Landgericht Darmstadt zwei frühere Manager zu Bewährungsstrafen. Siemens selbst soll als Ausgleich für die durch Bestechung erlangten Vorteile 38 Mill. Euro an die Staatskasse zahlen. Die Wirtschaftskammer blieb damit deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Mit Aktienverkäufen quittierten die Anleger die schwächer als gedacht ausgefallenen Quartalszahlen der Postbank. Die Papiere von Deutschlands größter Filialbank verloren 1,7 Prozent an Wert. „Das ist nach wie vor ein sehr kompetitives Umfeld, und das schlägt sich in den Margen nieder“, kommentierte HVB-Analyst Andreas Weese. Die WestLB nannte die Geschäftsentwicklung „enttäuschend“ und stufte die Postbank-Aktie auf „Reduce“ von „Hold“ zurück.

Zu den Verlierern zählten auch die Titel von RWE mit einem Abschlag von 0,85 Prozent. „Bei RWE entweicht die heiße Luft von Freitag“, sagte ein Händler. Spekulationen auf eine Übernahme durch den französischen Energieriesen EdF hatten die Aktie des Essener Versorgers zum Wochenschluss um gut sechs Prozent steigen lassen. Die Finanzaufsicht BaFin will den Fall nun überprüfen.

Eine Ausweitung des Streiks bei der Deutsche Telekom verunsicherte die T-Aktionäre. Die Papiere des Telekomkonzerns fielen um 0,6 Prozent.

Von den Nebenwerten im MDax zogen Hugo Boss um 1,8 Prozent an. Zwei Großaktionäre des Hugo-Boss-Mutterkonzerns Valentino verhandeln Kreisen zufolge über einen milliardenschweren Verkauf ihrer Beteiligungen an einen Fonds. Die beiden Anleger International Capital Growth und Canova wollten etwa 50 Prozent des italienischen Unternehmens veräußern, hieß es. „Wenn jemand an Valentino interessiert ist, ist das auch gut für den Kurs von Boss“, sagte ein Börsianer.

Ein überraschend deutlicher Gewinnanstieg im ersten Quartal verhalf den Aktien des Baukonzerns Bilfinger Berger zu einem Kursplus von 1,5 Prozent. „Die Zahlen waren insgesamt wirklich gut“, sagte ein Händler. Die Papiere des Konkurrenten Hochtief kletterten um 2,3 Prozent. Die australische Tochter Leighton hob ihre Gewinnprognose an.

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