Marktschlussbericht Frankfurt
Dax verteidigt 7 000-Punkte-Marke nur knapp

Die Schwierigkeiten der britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley haben den Anlegern in Europa am Montag wieder die Finanzkrise ins Bewusstsein gerufen. Der Stoxx50 verlor ein Prozent, der Dax fiel um 1,2 Prozent auf 7 008 Punkte. Hauptgesprächsthema in den Frankfurter Handelsräumen war aber der überraschende Einstieg von Bosch in die Solarbranche.

HB FRANKFURT. Der weltgrößte Autozulieferer will den Solarzellenhersteller Ersol für rund 1,1 Mrd. Euro kaufen. Die Ersol-Aktien stiegen um 63 Prozent auf 100,90 Euro und schlossen damit nur knapp unter dem anvisierten Kaufpreis von 101 Euro. „Dass ein Konzern wie Bosch in diese Branche einsteigt, ist ein starkes Signal“, erklärte ein Händler. Im Schlepptau von Ersol stiegen Solon um 14,6 Prozent auf 53,19 Euro und Conergy um 8,6 Prozent auf 13,86 Euro.

„Vor allem kleinere Solarunternehmen sind jetzt Übernahmekandidaten“, sagte ein Händler. Übernahmegelüste werden Mischkonzernen wie Siemens und General Electric nachgesagt.

Ansonsten überwog die Skepsis. Daran konnte auch der unerwartete Anstieg des US-Einkaufsmanagerindex nichts ändern. Im Gegenteil: Da die Preiskomponente des Index stark stieg, machten Inflationsängste wieder die Runde. In New York, London, Paris und Frankfurt gaben die Kurse der Standardwerte weiter nach. Bradford & Bingley hatten nur nach einer drastischen Preissenkung eine Kapitalerhöhung durchsetzen können. Die Titel brachen um 24 Prozent ein.

In London nahmen die Anleger die Aktien des Rivalen HBOS in Sippenhaft, die zehn Prozent einbüßten. Bradford & Bingley hatte angesichts sinkender Margen vor der Lage am britischen Hypothekenmarkt gewarnt. In Zürich hatten die Anleger keinen Appetit auf die Kapitalerhöhung bei UBS, deren Aktien um über 3,3 Prozent absackten. „Die Anleger haben genug von UBS“, sagte ein Händler.

Wenig Lust verspürten die Anleger auch auf Autoaktien. Der deutsche Branchenverband VDA betonte, dass die Autobauer die Verteuerung der Rohstoffe nicht auf die Kunden abwälzen können. Besonders BMW gerieten unter Druck und verloren vier Prozent. Die Titel hatten in den vergangenen Wochen allerdings auch deutlich stärker als die von Konkurrenten zugelegt.

Continental-Aktien verloren 4,6 Prozent, nachdem die Analysten von Credit Suisse sich in einer Studie kritisch über die Aussichten der Autozulieferer geäußert und Conti von ihrer „Focus-Liste“ gestrichen hatten. Auch Michelin bekamen die Unlust der Anleger zu spüren. Die Aktien des französischen Continental-Rivalen verloren fast fünf Prozent.

Zu den Schlusslichtern im Dax zählten die Merck-Aktien. Die am Wochenende auf dem Krebsforscherkongress ASCO veröffentlichten Studienergebnisse zum Merck-Krebsmittel Erbitux seien zwar „gut, aber nicht gut genug“, sagte ein Händler. Das Konkurrenzprodukt Avastin von Roche und Genentech müsse keine großen Marktanteilsverluste bei der Behandlung von Darm- und Lungenkrebs befürchten, erklärten Analysten. Merck büßten 2,8 Prozent ein, während Roche in Zürich 4,6 Prozent zulegten und damit im Stoxx50 die Gewinnerliste anführten. Dies und positive Studienergebnisse zu einem Brustkrebsmedikament hievten Novartis-Aktien um gut zwei Prozent in die Höhe. Somit zog der Schweizer Standardwerte-Index SMI gegen den Trend um 0,6 Prozent an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%