Marktschlussbericht New York
US-Börsen: Spekulation um überraschende Fed-Maßnahme

Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat erstmals seit knapp sechs Jahren einen Verlust im Quartal erlitten und damit die US-Aktienmärkte zeitweise auf Talfahrt geschickt. Alle drei wichtigen US-Indizes brachen am Mittwoch vorübergehend um mehr als ein Prozent ein.

HB NEW YORK. Mit Enttäuschung aufgenommene Zahlen des Online-Buchladens Amazon drückten zusätzlich auf die Stimmung. Gegen Ende des Handels machten die Börsen aber wieder etwas Boden gut. Grund waren Gerüchte, die US-Notenbank könnte ihren Diskontsatz rasch senken. Die Fed lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss nach einem turbulenten Handel nahezu unverändert bei 13 675 Punkten. Im Verlauf hatte er sich zwischen 13 470 und 13 690 Stellen bewegt. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 0,24 Prozent auf 1515 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,88 Prozent auf 2774 Punkte.

„Es gehen Gerüchte herum, dass möglicherweise eine Senkung des Diskontsatzes durch die Fed unmittelbar bevorstehe“, erklärte Analyst Bobby Harrington von UBS die plötzliche Erholung der zuvor stark angeschlagenen Aktienmärkte. „Das ist nun der Moment der Spekulationen.“

Die meiste Zeit dominierte aber Merrill Lynch das Geschehen an der Wall Street: Die Bank hatte 7,9 Mrd. Dollar an faulen Krediten für Firmenübernahmen oder Spekulationen mit Hypothekenderivaten abgeschrieben. Unter dem Strich belief sich das Minus damit auf 2,3 Mrd. Dollar nach einem Gewinn von drei Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte daraufhin eine der wichtigsten Bonitätsnoten für Merrill Lynch um eine Stufe nach unten. Die Aktie brach 5,8 Prozent auf rund 63,22 Dollar ein.

Auch andere Finanztitel gerieten in den Abwärtssog. Bear Stearns rutschte 2,3 Prozent auf 113,54 Dollar ab. Citigroup gab rund 1,5 Prozent auf 41,82 Dollar nach.

Amazon profitierte zwar im abgelaufenen Quartal vom reißenden Absatz der letzten Harry-Potter-Folge „Harry Potter and the Deathly Hallows“ und verdiente mit 80 Mill. Dollar ungefähr vier Mal so viel wie vor einem Jahr. Auch der Umsatz legte kräftig zu. Die Börsianer hatten jedoch mehr erhofft: Die Aktie gab zwölf Prozent nach auf 88,73 Dollar. Allerdings war sie am Dienstag vor der Vorlage der Zahlen um zehn Prozent in die Höhe geschnellt.

Der Flugzeughersteller Boeing räumte bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen ein, durch die Verzögerungen bei seinem Hoffnungsträger 787 Dreamliner im kommenden Jahr weniger Umsatz zu erwirtschaften als zuletzt vorhergesagt. Gleichzeitig hob das Unternehmen seine Prognose für das laufende Jahr an. Die Aktien notierten rund 0,7 Prozent im Minus bei 94,26 Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,59 Mrd. Aktien den Besitzer. 1.227 Werte legten zu, 2.038 gaben nach und 107 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,78 Mrd. Aktien 956 im Plus, 1.978 im Minus und 132 unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen im späten Handel um 19/32 auf 103-08/32. Sie rentierten mit 4,339 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 29/32 auf 105-23/32 und hatten eine Rendite von 4,641 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%