Motorola gegen den Trend im Plus
Wall Street leidet unter Dollar-Schwäche

Nicht Unternehmensnachrichten oder Konjunturdaten, sondern der Dollar-Kurs und die Devisenpolitik stehen zum Start der Börsenwoche im Mittelpunkt des Geschehens.

HB NEW YORK. Die Kursverluste des Dollar in Reaktion auf die währungspolitische Erklärung der G-7-Staaten am Wochenende haben die US-Aktienmärkte am Montag deutlich ins Minus gedrückt. Gegen den Trend legte jedoch der Aktienkurs des weltweit zweitgrößten Handy-Herstellers Motorola wegen des anstehenden Wechsels an der Firmenspitze 8,75 % auf 12,06 Dollar zu.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss in New York gut 1,1 % tiefer auf rund 9535 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 1,3 % auf rund 1023 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq-Index fiel um 1,6 % auf rund 1874 Punkte.

Der Dollar war auf Talfahrt gegangen, nachdem die sieben führenden Industrienationen (G-7) am Wochenende bei ihrem Treffen in Dubai in einer gemeinsamen Erklärung stärker an den Märkten orientierte Wechselkurse gefordert hatten. An den Devisenmärkten nährte dies Spekulationen, das G-7-Mitglied Japan könne von seiner Politik des schwachen Yen abrücken. Japan hatte wiederholt massiv Yen gegen Dollar verkauft, um den Kurs der heimischen Währung niedrig zu halten und damit der eigenen Wirtschaft Preisvorteile bei den Exporten zu verschaffen.

Nach den Worten von Hugh Johnson von First Albany deutet die Erklärung darauf hin, dass Japan wahrscheinlich nicht mehr so aggressiv wie bislang zu Gunsten des Dollar intervenieren wird. Damit werde der Kurs des Dollar weiter sinken. „Das sind schlechte Nachrichten für die US-Märkte“, sagte Johnson. Denn mit dem sinkenden Außenwert der US-Währung nehme für ausländische Investoren auch die Attraktivität von Anlagen im Dollar-Raum ab.

US-Finanzminister John Snow betonte unterdessen in Dubai, dass er an der Politik des starken Dollar festhalten werde. Der schwächere Dollar hatte auch die Börsen in Europa und Fernost belastet. Ein fallender Dollar-Kurs verteuert Ausfuhren in den wichtigen Exportmarkt USA und schmälert damit die Wettbewerbsfähigkeit nicht-amerikanischer Firmen.

Der Motorola-Kurs profitierte von der Rücktrittsankündigung des Konzernchefs Christopher Galvin. Diese am Freitag nach Börsenschluss bekannt gewordene Entscheidung hatte unter Händlern Hoffnungen genährt, dass Galvins Nachfolger sich von Konzernteilen trennen könnte. Außerdem hatte unabhängig davon die Investmentbank Merrill Lynch ihre Bewertung der Motorola-Titel angehoben. Eine Konzernsprecherin sagte allerdings, eine Zerschlagung des Konzern sei keine Option, die erwogen werde. Auch ein Verkauf der Chip- oder Handyausrüstungssparte kommen nicht in Frage.

Zu den Kursverlierern in New York zählte hingegen der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner Inc, der 0,9 % auf 16,13 Dollar nachgab. Die britische EMI Group hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie Gespräche mit AOL Time Warner aufgenommen habe, um dessen Musiksparte zu übernehmen. EMI bietet nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen zufolge rund 1,5 Mrd. Dollar. Der Warner-Music-Mutterkonzern AOL Time Warner führt bereits seit Monaten Fusionsverhandlungen mit der Bertelsmann-Musiktochter BMG.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,2 Mrd. Aktien den Besitzer. 892 Werte legten zu, 2359 gaben nach und 169 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,7 Mrd. Aktien 1090 im Plus, 2102 im Minus und 21 unverändert. An den US-Kreditmärkten verloren die zehnjährigen Staatsanleihen im späten Handel 20/32 auf 100-2/32 Punkte, womit sich eine Rendite von 4,241 % ergab. Die 30-jährigen Bonds verloren dagegen 30/32 auf 103-14/32 Zähler. Die Rendite stellte sich auf 5,136 %.

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