Nach Höhenflug
Wall Street fürchtet sinkende Kurse zum Jahresende

Mit einer Weihnachtsrally haben die US-Börsen den Anlegern das Fest versüßt. Doch die Feierstimmung könnte schnell in Katerstimmung umschlagen. Nach dem steilen Anstieg zum Jahresende fürchten viele Analysten einen tiefen Fall der US-Aktienkurse.
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HB NEW YORK. Die Anleger in New York dürften auch in der letzten Handelswoche des Jahres in Feierlaune bleiben. Viele Experten gehen davon aus, dass sich die Weihnachtsrally fortsetzen und den Investoren vor Silvester einen weiteren Grund zum Anstoßen liefern wird. Schließlich hatte ein ordentlicher Schuss Konjunkturoptimismus der Wall Street zuletzt die vierte Gewinnwoche in Folge beschert. Doch die anhaltende Zuversicht auf dem Parkett macht auch einige Analysten misstrauisch: Sie fürchten, dass auf den Höhenflug unweigerlich der Fall folgen muss - zwar nicht unbedingt sofort, doch in absehbarer Zeit.

„Zur zweiten Januar-Hälfte hin könnte es eine Korrektur von fünf bis sieben Prozent geben“, sagte Ryan Detrick, Aktienstratege bei Schaeffer's Investment Research. Auch Analyst Larry McMillan schätzt die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, dass es in naher Zukunft zu einer deutlichen Korrektur kommt. Bruce Bittles, leitender Investmentstratege bei Robert W. Baird, warnt ebenfalls vor einem Rückschlag: Mit Blick auf die meisten Zeitrahmen dürfte das Gewinnpotenzial längst überreizt sein.

Am Donnerstag beendeten die drei großen New Yorker Aktienindizes die wegen Weihnachten verkürzte Handelswoche jeweils rund ein Prozent höher. Im Dezember beläuft sich das Plus beim Dow-Jones-Index der Standardwerte damit auf 5,2, beim breiter gefassten S&P auf 6,5 und bei der Technologiebörse Nasdaq auf 6,7 Prozent. Auf Jahressicht hat der Dow elf Prozent zugelegt, der S&P stieg um 12,7 und die Nasdaq um 17,5 Prozent. Die Folgen der Finanzkrise scheinen die US-Börsen abgehakt zu haben. Schließlich haben sie mittlerweile das Niveau übertroffen, das sie am 12. September 2008 erreicht hatten - dem letzten Handelstag vor dem folgenreichen Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers.

Doch nach Einschätzung von Investmentstratege Bittles sind die Tage inzwischen gezählt, an denen die Bullen auf dem Parkett das Sagen haben. Der Konjunkturoptimismus als treibende Kraft sei schließlich nur hauchdünn, sagte Bittles. Bei dem geringsten Abwärtstrend dürfte den Anlegern deshalb die Kauflust vergehen.

Aufschluss über den Zustand der US-Wirtschaft erhoffen sich die Börsianer am Dienstag vom Case-Shiller-Index für Immobilienpreise und dem Verbrauchervertrauen sowie am Donnerstag von den Anträgen auf Arbeitslosenhilfe und den anstehenden Hausverkäufen. In New York können auch am Freitag, also Silvester, noch Aktien den Besitzer wechseln.

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