Nach Schwarzem Montag
Verluste an den Asien-Börsen eingedämmt

Der Negativtrend der Börsen weltweit setzt sich auch am zweiten Handelstag nach der Herabstufung der US-Bonität weiter fort. In Tokio verlor der Nikkei im frühen Handel mehr als vier Prozent.
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New YorkAllen Bemühungen der Politik zum Trotz hat sich die Talfahrt der Börsen rund um den Globus in Folge der Schuldenkrise in den USA und Europa fortgesetzt. Nach den Kursstürzen der Wall Street am Montag erlebten die Börsen im Asien-Pazifik-Raum gleich nach Handelsbeginn erneut deutlich Verluste, konnten sich aber im Handelsverlauf zumindest etwas erholen. Dabei lag das Minus an einigen Handelsplätzen wie zum Beispiel in Seoul zwischenzeitlich bei knapp zehn Prozent. Der alle asiatischen Märkte umfassende MSCI Asia Apex büßte zuletzt nur noch knapp drei Prozent ein, nachdem er im frühen Handel mehr als sieben Prozent gefallen war. Den Verlusten konnte sich nur wenige Börsen entziehen.

So verlor der Leitindex Nikkei 225 bis Handelsende 1,68 Prozent auf 8.944,48 Punkte und fiel damit erstmals seit Mitte März wieder unter die 9000-Punkte-Marke. Der Nikkei konnte sich zum Ende aber immerhin deutlich erholen, nachdem er in den ersten Handelsstunden noch bis auf 8.656,79 Punkte gefallen war. Der breiter gefasste Topix sank 1,59 Prozent auf 770,39 Punkte. Auch die chinesischen Aktienmärkte gaben im frühen Handel nach - teils um mehr als sieben Prozent. Auch hier erholten sich die Kurse zuletzt allerdings etwas und einige Indizes drehten dabei ins Plus.

In Europa werden weitere Verluste erwartet

Die Börsen in Neuseeland und Australien erlebten eine weitere Aktien-Talfahrt. In Wellington sank der Index NZX 50 zuletzt um 2,75 Prozent auf 3.097,78 Punkte. Der NZX ist damit seit vergangenem Freitag bereits rund acht Prozent gesunken. An der Börse in Sydney drehte der ASX 200 im späten Handel in die Gewinnzone. Er stand zuletzt mit 1,22 Prozent bei 4.034,80 Zählern im Plus, nachdem er zuvor bis auf 3.765,90 Punkte und damit erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 4.000 Punkte gefallen war.

In Europa deutet dagegen alles auf einen erneuten Verlust zum Handelsstart hin. So deutet der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den Dax um 8.15 Uhr einen Verlust von 2,20 Prozent auf 5.793 Punkte an. Dem deutschen Leitindex droht damit der zehnte Verlusttag einer Serie, die ihn bereits knapp 20 Prozent an Wert gekostet hat. Auch an den anderen europäischen Märkten stehen die Zeichen auf rot - hier werden weitere Verluste erwartet.

G7-Eklärung und EZB-Maßnahmen helfen nicht

Der Dow Jones Industrial hatte am Montagabend mit minus 5,55 Prozent auf 10.809,85 Punkten geschlossen - dem tiefsten Stand seit Oktober 2010. Der breit gefasste S&P 500 brach um 6,66 Prozent auf 1119,46 Punkte ein und auch die Nasdaq-Indizes zeigten sich nach ihren insgesamt sieben- und achtprozentigen Verlusten in der Vorwoche erneut extrem schwach: Der Nasdaq 100 verlor 6,11 Prozent auf 2060,29 Punkte und der Composite-Index noch deutlichere 6,90 Prozent auf 2357,69 Punkte.

„Eine Abstufung durch S&P ist zwar erwartet worden, aber dass es so schnell kommt, hat geschockt“, sagte ein Aktienexperte in London. Keith Wirt, Chef-Investmentstratege von Fifth Third Asset Management in Cincinnati erläuterte: „Zwar gibt es derzeit billige Aktien am Markt, aber die Emotionen kochen augenblicklich hoch. Es gibt genug Unsicherheiten und die Anleger wollen daher so wenig Risiken wie möglich.“

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte mit ihrer Abstufung der US-Bonität am Freitagabend nach Börsenschluss die ohnehin hohe Nervosität an den Finanzmärkten noch einmal erhöht. Bereits zuvor waren die Aktienmärkte wegen der Schuldenkrisen in Europa und den Vereinigten Staaten in die Knie gegangen. So befindet sich zum Beispiel der Dax seit einigen Tagen im freien Fall und sackte zuletzt um rund ein Fünftel ab. Die Abstufung von S&P am Wochenende hatte die Sorge vor einem Börsen-Crash am Montag genährt. Die G7-Staaten und die EZB stemmten sich mit Erklärungen und Hilfsaktionen verzweifelt dagegen - bisher ohne Wirkung.

Obama wehrt sich - "Probleme der USA sind lösbar"

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Sonntagabend signalisiert, dass sie nun auch Staatsanleihen der großen Euroländer Italien und Spanien kaufen wolle. Daraufhin purzelten am Montag die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen kräftig: Die Refinanzierung wird somit für Rom und Madrid wieder günstiger.

Dem US-Markt half Obamas Rede nicht zur Trendwende. Der US-Präsident sagte am Montagabend mitteleuropäischer Zeit, die Probleme der USA seien „lösbar“. „Egal, was eine Ratingagentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein“, betonte er. Es gebe eine ganze Reihe von Ideen, wie die Krise gelöst werden könne.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bislang hatten die Amerikaner gedacht, sie kommen um die Entscheidung herum: Entweder weiter Weltpolizei spielen oder einen Wohlfahrtsstaat nach europäischem Muster aufbauen. Beides gleichzeitig kann nicht mal die reichste Nation der Welt stemmen. Die europäischen Wohlfahrts-staaten haben jahrzehntelang das Füllhorn sozialer Wohltaten auf Pump ausgeschüttet; auch sie werden sich entscheiden müssen, ob sie auf "Sozialstaat" zurückschal-ten oder der Staatspleite ins Auge sehen wollen. Aus Sicht des individuellen Politikers ist die Staatspleite die bessere Option, da scheint er persönlich nicht schuld zu sein. Will er dagegen (gemeinsam mit anderen Vernünftigen) etwas Fundamentales ändern, wird er nicht mehr gewählt.

  • Ein Unternehmen das 100 Spielzeuge produziert ist an der Börse 1.000 Eurosionen wert. Morgen sind es vielleicht 1.300 Eurosionen. Und es produziert immer noch 100 Spielzeuge. Was sagt uns das? Das Börsen sinnlos sind wenn es um die Befriedigung von Bedürfnissen geht. Es geht nur darum mit Spekulationen leistungsloses Geld von denjenigen zu stehlen die dafür wirklich hart arbeiten müssen.
    Schafft die Börsen und sämtliche Spekulationen ab. nicht umsonst hat Jesus die Geldwechsler aus dem Tempel geworfen. Mit Gewalt versteht sich.

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