Nischenplayer und gute Stories im MDax
Experten sehen Nebenwerte-Boom durchaus kritisch

Der MDax hat die Marke von 8 000 Punkten geknackt. Oft in den Hintergrund gedrängt vom großen Bruder Dax , kletterte der Index der mittleren Werte schon seit langem von Rekordstand zu Rekordstand. Marktbeobachter sehen den Aufwärtstrend beim MDax zwar noch nicht am Ende, doch die Skepsis wächst.

HB FRANKFURT. "Die momentane Bewertung von Nebenwerten ist hoch, besonders im Vergleich zu Blue Chips", fasst der Nebenwertekenner und Fondsmanager Anko Beldsnijder von der Bank Mainfirst Asset Management das Votum vieler zusammen.

Allein fast 700 Punkte kletterte der MDax in den ersten Wochen dieses Jahres, im Vorjahr gewann der Index knapp 2 000 Einheiten. Der deutsche Leitindex - ebenfalls auf Wachstumskurs - hat die 8 000er Marke lediglich zu seinen bisher besten Zeiten im März 2000 erreicht. Beldsnijder zufolge profitierten die Nebenwerte in den vergangenen Jahren unter anderem von einer schwindenden Risikobereitschaft der Anleger und steigenden Unternehmensgewinnen. Zudem hätten vielen Investoren von den Dax-Werten in Nebenwerte umgeschichtet.

Aktienstratege Uwe Steich von der Landesbank Baden-Württemberg sieht für die gute Entwicklung der MDax-Werte ebenfalls mehrere Gründe. "Es gibt in diesem Index viele Nischenplayer", sagt der Experte für Nebenwerte. So seien etwa der Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer und der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf weniger starker Konkurrenz als viele Bluechip-Unternehmen ausgesetzt.

Der MDax ist nach Worten Streichs in der jüngsten Vergangenheit zudem ein "Sammelbecken guter Stories von Neueinsteigern" gewesen. So seien Werte wie die Hypo Real Estate (HRE) , Pfleiderer und MTU Aero Engines kraftvoll eingestiegen. Für eine Trendwende sieht Streich kurzfristig noch keine Anzeichen: "Es gibt eine Art Trägheit des Marktes. Es braucht eine deutliche Gegenkraft für die Umkehrung eines Trends, und den gibt es noch nicht."

Mittel- bis langfristig wird die gute Stimmung im Index nach Ansicht der Experten aber kippen. Beldsnijder verweist auf die seit einiger Zeit anhaltende Umkehrung der traditionellen Bewertungsverhältnisse. Danach sind Nebenwerte niedriger bewertet als Dax-Titel. Sie sind weniger liquide und schwankungsanfälliger und werden daher mit einem Abschlag gehandelt. "Dieses Verhältnis ist nun schon seit mehr als einem Jahr umgekehrt, das ist untypisch", sagt auch Streich. So liegt die mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beschriebene Bewertung nach Berechnungen des Experten beim MDax derzeit bei 16, im Vergleich zu 13 für den Dax.

Zudem sieht Streich ein weiteres Warnsignal: Nur knapp die Hälfte der Unternehmen trägt zu den Kurszuwächsen im MDax bei. 55 Prozent der Indexmitglieder hätten bis vor einigen Wochen Zugewinne verzeichnet, zuletzt seien es nach Berechnungen des Marktstrategen weniger als die Hälfte gewesen. "Es ist keine gesunde Entwicklung, wenn der Index steigt, obwohl die Mehrheit der Werte fällt." Der Anstieg des MDax wird demnach korrigiert, die Frage ist nur wann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%