Notenbank-Hilfe
Geldmarktsätze sinken kräftig

Die konzertierte Aktion führender Notenbanken hat an den Geldmärkten der Eurozone für eine deutliche Entspannung gesorgt. Weil die Banken sich aus Furcht vor neuen Zusammenbrüchen untereinander kaum noch Geld leihen, pumpten die Notenbanken erneut frische Milliardenbeträge in das System.

FRANKFURT/LONDON. Die weltweit größten Zentralbanken stemmten sich am Donnerstag mit Dollar-Liquiditätsspritzen gemeinsam gegen ein Austrocknen der Geldmärkte im Zuge der anhaltenden Krise an den internationalen Finanzmärkten. Weil die Banken sich aus Furcht vor neuen Zusammenbrüchen untereinander kaum noch Geld leihen, pumpten die Notenbanken erneut frische Milliardenbeträge in das System. Hauptziel der gemeinsamen Aktion der US-Notenbank und mehrerer Zentralbanken war der Dollar-Geldmarkt.

Die am Donnerstag von der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Verfügung gestellten Dollar stießen auf eine rege Nachfrage. 61 Banken boten insgesamt über 100 Milliarden für die zur Verteilung anstehenden 40 Milliarden Dollar. Mit 4,0 Prozent war die Liquidität für die Banken dabei vergleichsweise teuer. In London und Zürich konnten sich die Banken deutlich günstiger mit Dollar-Liquidität eindecken. „In der Eurozone ist der Bedarf auch wegen der erhöhten Präsenz am höchsten“, sagte ein Geldhändler aus Frankfurt.

Nach der gemeinsamen Aktion der Notenbanken gingen die Geldmarktsätze deutlich zurück. Am Mittag kostete Dollar-Liquidität noch zwischen 2,5 und 3 Prozent. Damit sind die Zinssätze schon fast wieder auf Normalniveau. „Die Maßnahmen haben zu einer deutlichen Beruhigung geführt“, sagte der Geldhändler in Frankfurt. Mit der anhaltenden Bereitschaft der Notenbanken, die Liquiditätsversorgung zu stützen, dürften auch die panikartigen Reaktionen einiger Marktteilnehmer nachlassen. Auch die neuerliche Euro-Liquiditätsspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) über 25 Milliarden Euro habe den Euro-Geldmarktsatz auf 4,15 bis 4,30 Prozent gedrückt.

Die abgestimmte Aktion weltweit führender Notenbanken ist nach Einschätzung der DekaBank ein „absolut notwendiger Schritt“. „Nach dem drastischen Anstieg der Zinssätze für kurzfristige Dollar-Liquidität auf zeitweise zehn Prozent war die Aktion absolut notwendig“, sagte DekaBank-Experte Karsten Junius der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Ein Vergleich mit dem Leitzins der US-Notenbank, der als Richtmaß für den Preis kurzfristiger Dollar-Mittel derzeit bei zwei Prozent liegt, verdeutliche die angespannte Lage auf den Interbankenmärkten. „Diese Zinsdifferenz drückt die aktuellen Verspannungen an den Geldmärkten aus.“

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