Referendum in Italien: Stimmt Italien mit „Ja“, könnten Kurse stark steigen

Referendum in Italien
Kaufen, wenn Rom untergeht?

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Stimmt Italien mit „Ja“, könnten Kurse stark steigen

Fondsmanager Roberto Lottici von der Banca Ifigest, kauft nach eigenen Angaben sogar Aktien italienischer Firmen mit einer soliden Bilanz und positiven Geschäftsaussichten nach. Zu seinen Favoriten gehöre die Großbank Intesa Sanpaolo.

Italienische Banken sitzen auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite. Aus diesem Grund benötigen sie dringend frisches Kapital. Bei der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), dem ältesten Geldhaus der Welt, sind es rund fünf Milliarden Euro und bei der HVB-Mutter Unicredit sogar bis zu 13 Milliarden Euro. Eine Regierungskrise könnte ihre geplanten Kapitalerhöhungen durchkreuzen, befürchten Börsianer.

Der italienische Bankenindex ist daher seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent gefallen, rund vier Mal so stark wie der europäische Finanz-Sektor insgesamt. Aus diesem Grund rechnet Fondsmanager Andreas Thomae von der DekaBank selbst bei einem „No“ nicht mit weiteren großen Kursstürzen. „Wenn Matteo Renzi nicht zurücktritt, könnte es sogar eine Erleichterungsrally geben.“ Bei einem „Si“ seien sogar Kursgewinne von bis zu zehn Prozent drin. „Banken sind der Seismograph für die Entwicklung des Landes.“

Der italienische Ministerpräsident hatte ursprünglich seine politische Zukunft an den Erfolg des Referendums geknüpft, diese Aussagen zuletzt aber nicht mehr wiederholt. Führende italienische Politiker sprechen sich für einen Verbleib Renzis im Amt aus. Die Verfassungsreform soll die Zentralregierung stärken und das politische System stabilisieren.

Für Michael Herzum, leitender Anlagestratege des Vermögensverwalters Union Investment, drohen Kursrisiken aus einer anderen Richtung: „Die anstehende Entscheidung des Verfassungsgerichts über die Rechtmäßigkeit des italienischen Wahlsystems ist von Bedeutung für die Märkte. Sollte das Referendum scheitern, das neue Wahlsystem aber bestätigt werden, steigt die Chance, dass europakritische Kräfte im Parlament eine dominierende Position gewinnen.“

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Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung

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  • Italien hat in den 70-iger Jahre ihre Lira 1 oder 2 Mal pro Jahr abgewertet und ist damit sehr gut gefahren. Ich frage mich sowieso, was Italien deshalb in der EU zu suchen hat, da es offensichtlich keine Reformen hinbekommt.

  • Diese Art der Berichterstattung von Reuters möchte ich kritisieren und verurteilen. Wie aus dem Artikel hervorgeht, kann das Referendum an den Märkten zu unterschiedlichsten Reaktionen führen, was für Märkte eben auch normal ist!

    Aber bevor jetzt wieder alle losheulen, dass da Populisten eine Wahl gewinnen, sollte man doch mal das Hauptproblem des Referendums benennen: Die Italiener sollen mit der Verfassung über ein Wahlsystem abstimmen, dass sie noch nicht kennen, und das dann in einem Gesetz noch definiert werden soll. Dass das in einem Land mit starker organisierter Kriminalität auf Misstrauen stösst ist, rational!!!

    Der Senat soll in Italien zwar geschwächt werden, woher die Senatoren aber komme werden ist unklar! So etwas der Bevölkerung vorzulegen ist unter aller S...

    Und Brüssel versagt wiederum und sagt nichts! Hautpsache Junkers kippt sich etwas runter!!! Aktuell ist das aber eine Einladung die Posten nach "Familienzugehörigkeit" zu vergeben!!!

    So etwas müsste eine seriöse Nachrichtenagentur thematisieren!!!

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