Reformen lösen Rally bei Aktienkursen aus
Brasiliens Börse mag Regierung Lula

Der Höhenflug an Brasiliens Börse hält an: Alleine im August legte der Bovespa-Index rund zehn Prozent zu. Damit stieg in diesem Jahr der Index der wichtigsten südamerikanischen Börse wegen der gleichzeitigen Stärke des brasilianischen Reals um 56% in Dollar. Nach den Kursen auf den Terminmärkten dürfte der Index auch noch bis Oktober weiter steigen.

SAO PAOLO. Der Grund für den höchsten Indexstand seit zwei Jahren ist eine nicht abreißende Kette an positiven Nachrichten aus Politik und Wirtschaft. Den entscheidenden Auslöser für die Rally schuf die Regierung des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, als ihr ein überraschender Durchbruch im Kongress mit der Rentenreform gelang. Mit den Kürzungen der Beamtenprivilegien bewies die Regierung der Arbeiterpartei, dass sie sich politisch durchsetzen kann - anders als die meisten Analysten in den Investmentbanken erwartet hatten.

Bei der jetzt anstehenden Steuerreform hat die Regierung die Ziele niedriger geschraubt, um keine übertriebenen Erwartungen und entsprechende Enttäuschungen zu provozieren. Erneut gelang es der Links-Mitte-Regierung aber ihre Reformvorlage im Kongress durch zusetzen. Die anhaltend hohe Popularität des Präsidenten (fast 80 % der Bevölkerung schätzen ihn) freut die Analysten. "Das zeigt, dass Lulas Reformkurs trotz der Proteste positiv ankommt", beobachtet Michael Gavin von UBS Warburg.

Ebenfalls positiv überraschte die starke Zinssenkung der Zentralbank um 2,5 % auf nun 23 %. Vor allem die Industrieunternehmen hoffen jetzt auf eine anziehende Nachfrage zum Jahresende. So stiegen besonders die Aktien der Stahlunternehmen (CNI, Gerdau, Usiminas), der Chemiekonzerne (Braskem) und Lebensmittelverarbeiter (Sadia). Bereits vor der Zinssenkung mehrten sich die Anzeichen einer Besserung in einzelnen Branchen (Einzelhandel, Energie, Treibstoffe).

Da brasilianische Unternehmen sich billiger im Ausland finanzieren können und nach drei Jahren erstmals wieder die Lohn-und Gehaltsmasse steigen dürfte, rechnen die Investmentbanken - so etwa JP Morgan - mit einer deutlichen Erholung der industriellen Produktion zum Jahresende. Telekomkonzerne erwarten steigende Umsätze bei einer anziehenden Konjunktur - entsprechend haben die Aktien der brasilianischen Telcos (etwa Telesp Cel oder Tele Centro Oeste Cel) diesen Monat gewonnen.

Schwächer als der Index entwickelt haben sich die brasilianischen Blue-Chips wie der Bierkonzern Ambev, der Erzexporteur Comp. Vale do Rio Doce (CVRD) oder der Ölkonzern Petrobrás . Lokale Fondsmanager halten rund die Hälfte ihrer Portfolios in diesen Standardwerten, weil sie glauben, das diese Werte noch Entwicklungspotenzial haben und gleichzeitig stabil sind.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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