Rezessionsangst
Börsenpanik setzt sich in Asien fort

Auch nach dem „Schwarzen Montag“ ist ein Ende der weltweiten Kurstalfahrt nicht in Sicht: In Asien und Australien stürzten die Kurse am Dienstag aus Angst vor einer von den USA ausgehenden Rezession im Vormittagshandel bis zu 10 Prozent ab, in Indien wurde der Handel deswegen nur wenige Minuten nach der Eröffnung für eine Stunde ausgesetzt.

HB TOKIO/BOMBAY. Neben Bombay waren Hongkong mit 8 und Australien mit 7,1 Prozent die großen Verlierer. In Tokio ging der Nikkei-Index im Nachmittagshandel um 5,1 Prozent zurück. Am Vortag war das japanische Börsenbarometer um 3,9 Prozent gefallen. Seit Jahresbeginn hat der Nikkei 17 Prozent verloren. Wirtschaftsministerin Hiroko Ota warnte vor einem globalen Domino-Effekt: „Wir müssen in dieser Sache mit anderen zusammenarbeiten“, sagte sie. Die Zentralbank ließ unterdessen einen zentralen Tagesgeldsatz unverändert bei 0,5 Prozent.

„Das ist wie ein Begräbnis hier“, sagte Ken Masuda von Shinko Securities in Tokio. Niemand wisse, was im US-Handel passieren werde. „Bis wir New York sehen, können wir nur verkaufen.“ Die Kursverluste zeigten, dass die Hypothekenkrise absolut nicht unter Kontrolle sei, sagte Andrew Clarke von Societe General Securities in Hongkong. „Die Leute haben ihren Kopf in den Sand gesteckt und erst jetzt dringt die Wirklichkeit zu ihnen durch.“ Export-, Banken- und Technologiewerte mussten die schlimmste Prügel einstecken. Sony-Aktien schlossen um 6,9 Prozent im Minus, Canon-Titel um knapp fünf Prozent und Toyota-Titel 7,2 Prozent. Die Großbank HSBC fiel um 6,3 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Der Kursverlust bei China Mobile betrug 6,5 Prozent. Samsung-Aktien lagen knapp fünf Prozent im Minus.

Der Börsenhandel in Indien wurde nach einem Kurssturz von 9,75 Prozent in den ersten Minuten nach Eröffnung gestoppt. Das Kursbarometer Sensex stürzte in Bombay um 1 716 Punkte auf 15 888, an der rivalisierenden National Stock Exchange erreichte der Sturz sogar 12 Prozent: Hier fiel der S&P Nifty 630 Punkte auf 4 578. Als die Märkte die Zehn-Prozent-Marke erreichten, wurde der Handel für eine Stunde ausgesetzt. Nach der Pause erholten sich die Kurse zunächst etwas, fielen dann aber wieder um 7,7 Prozent gegenüber dem Vortag zurück. Finanzminister P. Chidambaram rief die Investoren auf, Ruhe zu bewahren. „Es gibt keinen Grund, sich von den Sorgen der westlichen Welt überwältigen zu lassen“, sagte er.

In Australien stürzte das Kursbarometer auf ein 15-Monats-Tief: Erneut 7,1 Prozent Verlust bedeuteten bei einem Stand von 5.186,85 Punkte eine Wertminderung des S&P/ASX200 von 23 Prozent gegenüber dem Rekordstand von 6.851 Punkten am 1. November. Es war zudem der zwölfte Tag mit Kursverlusten in Folge und der tiefste Kurssturz an einem Tag seit Oktober 1997. Ein Kursrückgang von 20 Prozent definiert eine Börsenbaisse.

Auch in Hongkong hat der Hang Seng seit Jahresbeginn 22 Prozent verloren. Im Vormittagshandel fiel der Index um 8 Prozent, in Shanghai fiel das Kursbarometer in den ersten Minuten um fast 7 Prozent, erholte sich bis zum Mittag aber auf minus 4,1 Prozent. Auch in Südkorea, Singapur, Taiwan, Indonesien, den Philippinen sowie Neuseeland gab es kräftige Abschläge. „Solange wir nicht einige positive „Schock-Effekte' wie etwa drastische Maßnahmen der US-Regierung bekommen, gibt es keine Hoffnung auf eine Kurserholung“, sagte der leitende Analyst des Mizuhu-Forschungsinstituts in Tokio, Koji Takeuchi.

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