Schanghai-Index gibt deutlich nach
Chinas Börsen spüren Beben mit Verzögerung

Eine Woche nach dem schweren Erdbeben in Westchina haben die Erschütterung auch die Börse in Schanghai erreicht. Der Index am größten Handelsplatz auf dem Festland fiel um 4,5 Prozent, was dem höchsten Tagesverlust seit sechs Wochen entsprach. Langsam würde deutlich, dass einige gelistete Firmen von den Folgen der Katastrophen betroffen seien, erklärten Analysten den Trend.

PEKING. Nach der Katastrophe vor einer Woche hatte der Index zunächst kaum nachgegeben. Am Dienstag zogen vor allem Unternehmen aus der Krisenregion die Kurse insgesamt ins Minus. Der Turbinenbauer Dongfang Electric und der Chemiekonzern Sichuan Hongda erlebten einen Absturz. Der Kursrückgang der beiden Werte wurde nur durch spezielle Börsenregeln in Schanghai aufgefangen. Danach dürfen die Kurse der so genannten A-Aktien nicht mehr als zehn Prozent an einem Tag sinken.

Das schlimmste Erdbeben in der Geschichte der Volksrepublik hat nach ersten Schätzungen Schäden von über 20 Mrd. Dollar (13 Mrd. Euro) verursacht. Einige Werte wie etwa Dongfang waren danach zunächst vom Handel ausgesetzt worden. Dongfang hatte erklärt, einige Produktionen im Bebengebeit seien schwer beschädigt.

Chinas Börsenaufsicht hatte nach der Katastrophe, bei der inzwischen mehr als 72 000 Tote befürchtet werden, umgehend versucht, ein Börsen-Beben zu vermeiden. In Schanghai wurden Händler aufgefordert, nicht in Panikreaktion große Mengen an Aktien zu verkaufen. Es habe die Bitte gegeben, „in diesem kritischen Moment nicht die Aktien auf den Markt zu werfen“, sagt ein Händler in Schanghai.

Insgesamt fiel dadurch der Börsenumsatz in Schanghai in der vergangenen Woche deutlich geringer aus als an normalen Börsentagen. Viele Börsianer waren aber auch einfach vom Ausmaß der Katastrophe geschockt. „Der schwache Handel zeigt, dass auch der Markt sentimental reagiert und die Trauer Händler zurückgehalten hat“, meint Analyst Qiang Xiangjing von Citic-Kington Securities.

Chinas Anleger wüssten schlichtweg nicht, wohin mit ihrem Geld, so Christian Hofmann, Fondsmanager der Münchner Vermögensverwaltung FIVV in Peking. „Nach dem Beben war die Börsenreaktion zunächst recht gering, da die meisten Investoren wohl erst einmal abwarten.“ Nach Ablauf der in China üblichen Trauerwoche setzten die Aktienhändler wieder mehr auf Verkauf.

Chinas Leitindex hat nach mehreren Boom-Jahren in den vergangenen Monaten schwere Zeiten erlebt. Nach dem Rückgang auf die 3000-Punkte-Marke hatte sich der Index vor dem Erdbeben jedoch wieder deutlich erholt. Gründe waren, dass Chinas Börsenaufischt die beim Aktienhandel fällige Stempelsteuer auf einen sehr geringen Satz gesenkt und eine neue Regelung bekanntgegeben hatte, nach der der Zufluss von neuen Aktien in den Aktienmarkt künftig reduziert werden soll.

Trotz der Bebenfolgen sei die Perspektive an Chinas Börsen eher positiv, meinen darum etliche Analysten. In den kommenden Wochen sei weder mit einem Absturz noch mit heftigen Kurssprüngen zu rechnen, sagt Allen Gui, Analayst von Morgan Stanley in Hongkong. Für die Anleger „reflektiere der Level von 3500 Punkten einen fairen Wert der Aktien“ an der Börse Schanghai, seine Einschätzung.

Für Experte Hofmann sind China-Werte dagegen noch immer zu teuer. Das gelte auch für die Papiere, die an der Börse Hongkong gehandelt werden (H-Aktien). „Ich sehe dort erst einen Index von 10 000 Punkten als Kauflevel.“ Der Hang Seng China Enterprises Index, der die H-Aktien umfasst, fiel nur unter 14 000 Punkte.

Der Versicherer Hannover Rück teilte mit, der Konzern rechne mit einer Nettobelastung durch das Erdbeben in China von mindestens zehn Millionen Euro. Das ist für das Ausmaß nach Ansicht von Experten relativ gering. Doch die Katastrophe in Sichuan führe auch vor Augen, dass Chinas Versicherungsgewerbe einen enormen Aufholbedarf hat.

Nach Angaben der zuständigen Aaufsicht sind nur fünf Prozent der Schadenssumme durch Versicherungen gedeckt. „In Asien sind die Deckungsquoten sehr niedrig, im einstelligen Bereich", sagte Michael Spranger von der Münchener Rück in Hongkong. Bei Naturkatastrophen in anderen Ländern sind meist mehr als die Hälfte der Schäden durch Versicherungen gedeckt.

China werde bald ein landesweites Versicherungssystem zur Absicherung gegen Naturkatastrophen etablieren, teilte die Versicherungsaufsicht inzwischen mit. Dieses staatlich finanzierte System solle unter Beteiligung privater Versicherer entstehen.

China habe großes Potenzial für die Versichererungsbranche , meint so Fondsmanager Zhang Ling von ICBC Credit Suisse Asset Management in Peking. Nach eine Studie der Beratungsgesellschaft KPMG sind im Reich der Mitte nur vier Prozent der 1,3 Milliarden Bewohner versichert.

Aktuelle Beispiele für Kurs-Verlierer:

Sichuan Expressway: Der Autobahnbetreiber dürfte auf längere zeit durch die Zerstörungen von Brücken und Straßen erhebliche Umsatzverluste erleiden.

Dongfang Electric: Der Konzern gehört zu den größten Zulieferern für Kraftwerke in China und hat große Produktionen im Krisengebiet. Eine Turbinenfertigung wurde schwer beschädigt, viele Mitarbeiter durch das beben getötet

China Telecom: Der Anbieter hat rund zehn Prozent seines Festnetzes im Bebengebiet. Dort wurde die Telekom-Infrastruktur weitgehend zerstört.

Ping An und China Life: Dies Versicherungen haben bereits zahlreiche Schäden aus Sichuan gemeldet bekommen.

Beispiele für Kurs-Gewinner:

Shui On Cement: Hertsteller von Baumaterial warden nach ansicht der Analysten vom Aufbau profitieren.

China Comservice: Auch Telekom-Provider dürften in Sichuan zur Wiederherstelung der Infrastruktur gefragt sein.

Mitsubishi Heavy oder Siemens: Durch die Aufälle bei Dongfang könnten nach Ansicht von Analysten einige Aufträge zum Wiederauf – und Weiterbau von Kraftwerekn an ausländische Firmen gehen.

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