Schluss an der Börse Frankfurt
Das ruhige Ende eines turbulenten Jahres

Am letzten Handelstag reicht dem Dax ein leichtes Plus um sich mit einem erneuten Jahreshoch zu verabschieden. Nur dank eines bärenstarken Dezembers gilt das Jahr 2016 nicht als verlorenes Jahr.
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FrankfurtLeise haben sich die Anleger aus diesem so turbulenten Börsenjahr 2016 verabschiedet. Wie so oft in den in den vergangenen zwei Wochen kam der Handel nicht in die Gänge. Fast scheint es so, als ob sich die Anleger nach den Feiertagen bereits in den Urlaub verabschiedet haben. Es herrschte Flaute auf dem Parkett, Umsätze und Kursbewegungen verharrten auf mickrigem Niveau. Der Dax ging letztlich mit 11.481 Punkten doch noch 0,3 Prozent fester aus dem Handel. Heute durften die Händler schon um 14 Uhr Schluss machen. Und so verabschiedete sich der Dax genau zum Ende des Jahres mit einem Jahreshoch.

Man könnte sagen, der Dax hätte sich diese Ruhephase verdient. Erst mit dem letzten Monat des Jahres drehte der deutsche Leitindex auf Jahressicht ins Plus. Nach einer Dezemberperformance von 7,9 Prozent kommt der Dax damit auf ein endgültiges Jahresplus von 6,9 Prozent. Bis dahin hatte der Dax zwar politische Zäsuren wie Brexit-Entscheid und Trump-Wahlsieg überraschend gut weggesteckt, war aber nach einem Absturz in der ersten Jahreshälfte – erst hatten chinesische Konjunkturdaten einen globalen Konjunkturpessimismus losgetreten, dann verunsicherte ein abgestürzter Ölpreis die globalen Märkte – für Monate nicht vom Fleck gekommen.

2016 galt als verlorenes Börsenjahr. Doch am Ende waren es die Währungshüter, die einmal mehr für eine Fortsetzung der Aktienrally sorgten. Zum fünften Mal in Folge verbesserte sich der Dax auf Jahressicht. In Europa verkündete EZB-Chef Mario Draghi zum Monatsanfang eine Verlängerung des billionenschweren Anleihekaufprogramms. Bis mindestens Dezember 2017 kauft die Zentralbank Staats- und Unternehmensanleihen, um die Kreditvergabe im Euro-Raum anzukurbeln. Durch die lockere Geldpolitik soll die Realwirtschaft unterstützt werden, erklärte Ziele sind es Konjunktur und Inflation anzuheizen.

Doch landet die Geldschwemme vor allem auf dem Aktienmarkt, wo sie die Kurse in die Höhe treibt. Laut den Auswertungen der EZB tragen die aggressiven Maßnahmen bereits Früchte, die Daten zeigen die gewünschten Tendenzen. Ein Ausstieg aus dem expansiven Kurs, wie er von Anlegern zeitweise befürchtet wurde, ist noch lange nicht in Sicht. Das gab EZB-Chef Mario Draghi deutlich zu verstehen. Und so nahmen die Börsianer das billige Notenbankgeld der Währungshüter dankend an.

Und auch die Signale der Fed, der weltmächtigsten Notenbank, hellten die Stimmung auf dem Parkett auf. Zwar versiegt mit der ersten Dollar-Leitzinserhöhung seit einem Jahr und der zweiten seit der Finanzkrise überhaupt die wichtigste Quelle für die Aktien-Hausse. Doch zeigen sich Anleger überraschend optimistisch, dass die US-Konjunktur auch ohne das billige Notenbank auskommt und Unternehmensgewinne allein die Kurse treiben können. Ohnehin hatten Konjunkturdaten schon länger für eine Straffung der Geldpolitik in den Staaten gesprochen, doch der Wankelmut an den Finanzmärkten und seine Strahlkraft auf die Realwirtschaft hatten ein schnelles Handeln der so vorsichtigen Notenbanker verhindert.

So entschied sich die Fed erst im Dezember zu dem Schritt. Der Wall Street tat es kein Abbruch, sie feierte immer noch den Wahlsieg Donald Trumps und hofft auf dessen wirtschaftsfreundliche Agenda. Die US-Börsen erlebten eine wahre Trump-Rally, die erst zum Jahresausklang endete. Die 20.000-Punkte-Marke wird der Dow-Jones-Index am letzten Handelstag des Jahres wohl nicht mehr knacken. Damit vertagt der Weltleitindex das Ergebnis seines wochenlangen Flirts mit der runden Marke ins neues Jahr, am Ende fehlte die Kraft für den erstmaligen Sprung über den Meilenstein.

Zwischen Hoch und Tief liegen über 2700 Punkte

Die zweite Frankfurter Reihe hat einen ähnlich schwunglosen letzten Handelstag hinter sich. Der MDax schloss 0,2 Prozent fester bei 22.188 Punkten. Die Nebenwerte hatten die 22.000-Zähler-Marke im Dezember das erste Mal gerissen. Der TecDax ging mit mit 1811 Stellen 0,1 Prozent leichter aus dem Handel. Der Leitindex der Euro-Zone, der Euro-Stoxx-50, schloss mit 3283 Punkten 0,4 Prozent fester. Für die Auswahl der Top-Aktien der Währungsunion ging das Jahr wenig erfreulich zu Ende. Am Ende rückten die Titel mit dem letzten Handelstag immerhin ins minimale Jahresplus von 0,4 Prozent. Sie erlebten eine ähnliche klassische Jahresendrally wie der Dax, waren aber vorher deutlich stärker in Mitleidenschaft geraten.

Zu Ende geht ein Jahr mit einer großen Schwankungsbreite. Zwischen dem Jahreshoch beim Dax von 11.481 Punkten und dem Jahrestief von 8699 Punkten liegen ganze 2782 Zähler. Auf den Tiefstwert abgestürzt war der Frankfurter Platzhirsch nicht etwa nach dem Brexit-Entscheid, sondern schon im Februar. Miserable chinesische Konjunkturdaten hatten Panikverkäufe ausgelöst. Das Reich der Mitte ist inzwischen aus dem Fokus der Anleger verschwunden, zuletzt deuteten Zahlen ein Stabilisierung der Konjunktur an, wenngleich auch nicht mehr auf dem früheren Traumniveau. Der Blick gen Osten war es, der den Dax zum Jahresanfang so hart abstürzen lassen hat wie noch nie zuvor in seiner Geschichte.

Unter den Einzelwerten im Dax waren Absoluter waren erneut Adidas absolute Spitzenreiter mit einem Plus von 66 Prozent. Auch am Freitag waren sie mit Plus 1,5 Prozent Top-Gewinner. Große Sportspektakel wie die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele ließen bei den Herzogenaurachern die Kassen klingen. Bereits 2015 führte der Konzern, der seit Herbst von Ex-Henkel -Chef Kasper Rorsted geführt wird, die Gewinnerliste im Dax an. 2014 hatte er noch die rote Laterne getragen.

Schlusslichter in diesem Jahr waren Deutsche Bank und Commerzbank, die jeweils knapp ein Viertel ihres Börsenwerts einbüßten. Den letzten Handelstag beendeten sie je 0,8 Prozent im Plus. Die gesamte europäische Bankenbranche litt vor allem in den vergangenen Monaten unter der Unsicherheit über die Zukunft des italienischen Bankensystems. So muss die älteste Bank der Welt, Monte dei Paschi di Siena, mit mehreren Milliarden vom italienischen Staat gestützt werden. Und auch andere Institute Italiens kämpfen mit einem horrenden Berg ausfallgefährdeter Kredite. Der europäische Bankenindex verlor 2016 gut sieben Prozent.

Kommentare zu " Schluss an der Börse Frankfurt: Das ruhige Ende eines turbulenten Jahres"

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  • Ha Ha Ha nix haben die Dax Investoren verdient. 305 minus aud Dollar Basis.
    Streuen sie Asche in ihr Haar, viel Asche und lesen sie Finken-Kommentare.
    Reich werden mit den Finken oder daxen gehen mit Experten. Ha Ha Ha

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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