Schlussbericht Börse Frankfurt
Anleger bauen auf Zins-Luftschloss

Es bleibt dabei: Die EZB soll´s richten! Nichts beeinflusst die deutschen Märkte momentan so sehr, wie die Hoffnung auf eine weitere Zinssenkung. Doch erste Warnungen vor der übertriebenen Zuversicht werden lauter.
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FrankfurtSpekulationen auf eine baldige Zinssenkung der Europäischen Zentralbank haben den Aktienmärkten am Donnerstag erneut Auftrieb gegeben. Durchwachsene Geschäftszahlen einiger Großkonzerne dämpften die Kauflaune der Investoren dagegen kaum. "Da die Geldschleusen demnächst voraussichtlich noch weiter geöffnet werden, bleibt vielen Anleger gar nichts anderes übrig, als in den Aktienmarkt zu gehen", sagte ein Börsianer. "Denn andere Anlageklassen werfen wegen der niedrigen Zinsen kaum etwas ab."

Darüber hinaus müssten derzeit die Investoren, die auf eine Fortsetzung des Kursrutsches der vergangenen Woche gewettet hatten, wieder in den Aktienmarkt einsteigen, um ihre Verluste zu minimieren. "In der Frage, ob die jüngsten Kursgewinne auch nachhaltig sind, ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen", betonte Tracy Knudsen, Aktienmarkt-Expertin des auf Charttechnik spezialisierten Analyse-Hauses Lowry Research.

Nach einer Reihe enttäuschender europäischer Konjunkturdaten spekulieren immer mehr Anleger darauf, dass die EZB bei ihrer kommenden Ratssitzung Anfang Mai den Leitzins, der aktuell bei 0,75 Prozent liegt, weiter senkt. Experten sehen darin aber eher eine symbolische Geste, da die Auswirkungen auf die Realwirtschaft begrenzt wären. Politische Reformen seien entscheidend.

Der Dax ging am Donnerstag mit einem Plus von 0,95 Prozent auf 7832 Punkte aus dem Handel. Damit beendete der Leitindex bereits den dritten Tag in Folge im Plus.

Zu den Verlierern im Dax zählten Bayer, deren Aktien sich um 0,2 Prozent auf 80,46 Euro verbilligten. Wegen eines schwächelnden Kunststoff-Geschäfts war der operative Gewinn des Pharma- und Chemiekonzerns hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Unter Druck standen auch Unilever, die an der Londoner Börse 1,75 Prozent nachgaben. Der Hersteller von Knorr-Suppen und Domestos-Reiniger hatte einen Quartalsumsatz unter den Analystenprognosen bekanntgegeben. "Unilever hat zum ersten Mal seit vielen Jahren die Erwartungen verfehlt", sagte Analyst Darren Shirley von Shore Capital. An seiner positiven Einschätzung des Konsumgüter-Konzerns ändere dies aber nichts. Daher halte er an seiner Kaufempfehlung fest.

Schlusslicht im EuroStoxx50 war die spanische Bank Santander mit einem Kursminus von 2,8 Prozent. Der Gewinn des größten Geldhauses der Euro-Zone war zu Jahresbeginn überraschend stark um 26 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro eingebrochen.

Für Gesprächsstoff sorgte außerdem Evonik. Der Spezialchemiekonzern schaffte nach mehreren Anläufen den Sprung auf das Börsenparkett. Die Aktie kostete am Nachmittag 33 Euro. Dieser Wert liegt 2,5 Prozent über dem Preis von 32,20 Euro, zu dem die Papiere zuvor an institutionelle Anleger verkauft worden waren. Das Unternehmen gilt mittelfristig als Dax-Kandidat.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Serkan Dizbay
Serkan Dizbay
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Schlussbericht Börse Frankfurt: Anleger bauen auf Zins-Luftschloss"

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  • Ein CNBC-Bericht von heute:

    "Pro: Why I’ve Turned Bullish on Stocks"

    Sein Ziel für den S&P ist 1.610 Punkte.
    Na, ist ja Klasse, da sieht er noch ein Gewinnpotential von 1,2%. Der Hammer.

    Ja dann ... dann gehe ich morgen All-In.

  • Wenn sie den Zins senken, werden die Sparer noch mehr enteignet!!! Man sollte den Verbrecher das Handwerk legen. Die Sparzinsen sind im Keller die ich habe schon das dritte Jahr eine Nulllohnrunde!!! Jetzt reichts.

  • Wer auf solche Luftschlösser baut hat schon verloren.Senkt die EZB den Zins nämlich nicht,geht´s umso schneller in Richtung eines neuen Jahrestiefs.

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