Schlussbericht Börse Frankfurt
Dax mit größtem Tagesgewinn seit einem Monat

Eine mögliche Einigung im US-Etatstreit sorgte an den Börsen für Jubel. Weltweit griffen die Anleger bei Aktien zu. Experten warnen aber vor zu viel Euphorie. Die Kreditausfallversicherungen sorgten für Skepsis.
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FrankfurtIn der Hoffnung auf einen Durchbruch im Streit um den US-Haushalt haben Anleger am Donnerstag bei europäischen Aktien zugegriffen. „Es herrscht vorsichtiger Optimismus, dass es in den kommenden Tagen oder Wochen tatsächlich zu einer Einigung kommt und die drohende Zahlungsunfähigkeit abgewendet wird", sagte Marktstratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Der Dax ging am Ende mit einem kräftigen Kursplus von 1,99 Prozent auf 8685 Punkte aus dem Handel. Der Euro Stoxx 50 legte sogar um 2,14 Prozent auf 2966 Zähler zu.

In die festgefahrene Debatte in Washington war am Vorabend etwas Bewegung gekommen. Offenbar überlegen die Republikaner, sich auf eine kurzfristige Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar einzulassen. Damit solle Spielraum für weitere Verhandlungen gewonnen werden, sagte ein Mitarbeiter eines republikanischen Abgeordneten. Präsident Barack Obama hatte gesagt, dass er sich auf ein solches Vorgehen einlassen würde, sofern damit keine Bedingungen verknüpft würden.

Daraufhin zogen sich einige Investoren aus „sicheren Häfen" wie Anleihen oder Edelmetallen zurück. Gold verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 1299 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, gab 46 Ticks auf 139,78 Zähler nach. Sein US-Pendant, der T-Bond-Future büßte sogar 22/32 auf 132-14/32 Stellen ein.

Die US-Währung bewegte sich dagegen kaum. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, lag wie am Vortag bei 80,41 Punkten. Der Euro notierte nach deutlichen Verlusten am Morgen fast unverändert bei 1,3535 Dollar.

Ein Börsianer warnte vor überzogenen Erwartungen an die Anhebung der US-Schuldenobergrenze. Eine Einigung zur umfassenden Sanierung des US-Haushalts liege weiterhin in weiter Ferne. „Bestenfalls erkauft sich die Politik etwas mehr Zeit."

Die Skepsis vieler Investoren ließ sich an den Kursen für Credit Default Swaps (CDS) ablesen. So kostete die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets von US-Anleihen gegen Zahlungsausfall für ein Jahr mit 68.000 Dollar ungefähr so viel wie am Vortag. Der fünf Jahre laufende Kontrakt verbilligte leicht auf 4000 auf 40.000 Dollar pro Jahr.

Damit blieb die „Inversion" bestehen, die eine aktuelle oder drohende Krise signalisiert. Mit diesem Begriff bezeichnen Börsianer den Umstand, dass Kreditausfall-Versicherungen mit kürzeren Laufzeiten mehr kosten als solche mit längeren. Üblicherweise ist es umgekehrt, weil bei längeren Laufzeiten das Risiko unvorhergesehener Ereignisse größer ist.

Die größten Profiteure der Entwicklung in den USA waren die Finanzwerte. Der Index für die Banken der Euro-Zone stieg um bis zu 3,4 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 137,82 Zählern. Spitzenreiter war hier die Commerzbank-Aktien mit einem Plus von 5,92 Prozent, die seit Jahresbeginn rund 15 Prozent an Wert eingebüßt haben. Zu den Favoriten gehörten außerdem die französische Societe Generale (SocGen), die italienische Intesa Sanpaolo und die spanische Banco Santander. Deren Aktien gewannen zwischen 3,71 und 3,34 Prozent. Deutsche Bank notierten 3,02 Prozent fester.

Gefragt waren auch die Stahlwerte. Sie profitierten Börsianern zufolge von einer anziehenden Nachfrage nach Stahl. Thyssen-Krupp gewannen 1,29 Prozent, Salzgitter 2,13 Prozent.

Serkan Dizbay
Serkan Dizbay
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ach ja, hätte ich jetzt fast vergessen, als Tipp für den programmierer: Wenn du schon mal was von Zinseszins gehört haben solltest - könnte ja sein - dann such doch mal nach einer Formel im Internet und rechne aus, welches Vermögen du in, sagen wir, 1 Jahr hast, wenn du weiterhin die von dir behaupteten Returns einfährst. (PS: Return hat nichts mit Tennis zu tun ;)

  • @Programmierer und Neu_147 (wenn ihr beiden Spaßvögel nicht ohnehin die gleiche Person seid): also erstmal vielen Dank für das Entertainment den ganzen heutigen Tag über. Ich arbeite am Handelsdesk und mein gesamtes Team hat sich heute nur noch weggeschmissen vor Lachen wegen eurer Posts. Echt vielen Dank. So einen genialen Schwachsinn haben wir vermutlich noch nie gelesen. Wir sind gespannt auf die nächsten Kapitel - und hoffen natürlich, dass gerade der 'Programmierer' trotz seiner tagtäglich um 400% wachsenden Assets weiterhin dabei bleibt und den ganzen Tag wie ein Eichhörnchen auf Speed vor dem Rechner hängt und bangt ob seine ´risikolosen Gewinne´weiter reinpurzeln. Köstlich, vielen Dank und weiter so!

  • 21:30h und Dax bei 8736 - Tageshoch. Nix mit "billig Calls vor 22h kaufen".

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