Schlussbericht Börse Frankfurt
Dax nimmt die 8000 Punkte ins Visier

Der Dax schließt nach einer regelrechten Achterbahnfahrt deutlich im Plus. Für Auftrieb sorgten am Ende vor allem positive Quartalsergebnisse. Die jüngste Zinsentscheidung der EZB ließ die Anleger dagegen völlig kalt.
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FrankfurtDie historische Leitzinssenkung durch die EZB hat die Finanzmärkte am Donnerstag kaum bewegt. Allerdings irritierten Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi über mögliche weitere geldpolitischen Schritte der Notenbank. Der Dax zuckte nach der Zinssenkung auf das Rekordtief von 0,5 Prozent nur kurz hoch. Der Kurs des Euro kletterte zwar über die Marke von 1,32 US-Dollar, nachdem er am Morgen noch bei 1,3168 Dollar gelegen hatte.

Die Gemeinschaftswährung hatte jedoch schon am Vortag die Marke von 1,32 Dollar gerissen - so hoch hatte der Euro zuletzt Ende Februar notiert. Der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) sei von vielen erwartet worden, kommentierten Händler die zunächst verhaltenen Kursreaktionen.

Der Dax eroberte am heutigen Handelstag zunächst die Marke von 8000 Punkten zurück, die Gewinne bröckelten aber schnell wieder ab. Am Ende reichte es aber noch zu einem Kursplus von 0,61 Prozent auf 7961 Punkte.

Draghi schürte nach Bekanntgabe der Leitzinssenkung Nervosität mit seinen Worten zum möglichen weiteren Vorgehen der Notenbank. Um das Problem der stockenden Kreditvergabe der Geschäftsbanken trotz niedriger Zinsen zu lösen, könnte die EZB künftig zu noch drastischeren Maßnahmen greifen, sagte er. Die Notenbank sei „unvoreingenommen“, den Einlagenzins auch unter die derzeitige Marke von null Prozent zu senken. Ein negativer Einlagenzins wäre praktisch eine Parkgebühr auf Liquidität, die Banken bei der EZB horten, und käme einem Strafzins gleich.

Draghi hält sich damit nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) alle Optionen offen. „Die EZB scheint bereit, falls nötig nochmals zu handeln“, kommentierte Analyst Ralf Umlauf. Nach den Worten Draghis fiel der Euro von seinem Tageshoch über der Marke von 1,32 US-Dollar wieder deutlich zurück. Zuletzt stand er mehr als einen Cent tiefer bei 1,3061 Dollar.

Bereits vor der Zinsentscheidung hielt die laufende Berichtssaison die Investoren mit Quartalszahlen in Atem. Die Titel von Infineon stachen dabei mit einem Kurssprung von fast zehn Prozent positiv hervor. Der Halbleiterhersteller blickt nach einem guten Ergebnis im zweiten Geschäftsquartal etwas optimistischer auf das bis Ende September laufende Unternehmensjahr. Die Anteilsscheine der Lufthansa verteuerten sich nach Zahlen sowie der Tarifeinigung mit dem Bodenpersonal um 3,56 Prozent. Die Titel von Beiersdorf profitierten mit plus 4,23 Prozent von ihrer Quartalsbilanz.

Der Elektrokonzern Siemens meldete überraschend hohe Auftragseingänge. Dies bescherte den Aktien ein Plus von 0,64 Prozent. Abseits der Berichtssaison büßten die Titel von Thyssen-Krupp am Dax-Ende mehr als 2,55 Prozent ein. Der Industriekonzern prüft einem Bericht zufolge einen späteren Verkauf seiner amerikanischen Stahlwerke.

Der teure Kampf gegen Europas Auto-Flaute und das langsamere Wachstum in China haben den Münchener Oberklasse-Hersteller BMW derweil zum Jahresstart weitgehend kalt gelassen, wie die Quartalszahlen zeigten. Die Titel rückten um einen Prozent vor. Aus dem MDax veröffentlichte unter anderem die Metro ihr Zahlenwerk, woraufhin die Aktie um knapp vier Prozent stieg.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Serkan Dizbay
Serkan Dizbay
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Schlussbericht Börse Frankfurt: Dax nimmt die 8000 Punkte ins Visier"

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  • Ich finde es unverschämt, dass das moderne Raubrittertum die Sparer so leimt, dass von dem Erparten aufgrund der Inflationsrate eines Tages nur noch Zahlen ohne Wert übrig bleiben. Sparen bleibt für mich aufgrund dieser Zinssenkung ein Tabuthema, da ich der EZB nicht mehr vertraue mit all dem Geschwafel.

  • Hamburg-Mannheimer, Soderner, Paderborner, Frankfurter Parkettwürstchen... alles Anlage-Nieten vor dem Herrn. Geplärre, Gejammer, selten Gejohle.

    Begreift ihr euren Irrtum immer noch nicht? Nicht die Börse irrt, ihr selbst liegt falsch. Wer früher begreift, macht weniger Miese.

    Eure Begriffstutzigkeit ist euer Verderben.

  • Wenn die Shorts nicht passen...

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