Schlussbericht Börse Frankfurt
Dax schließt knapp über 8400 Punkten

Die Angst vor einem baldigen Ende der US-Geldpolitik schwindet - auch weil die neuesten US-Konjunkturdaten etwas schlechter ausgefallen sind als erwartet. Doch die Anleger bleiben vorsichtig.
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FrankfurtDie Hoffnung auf eine breit angelegte Rückkehr institutioneller Anleger an den Aktienmarkt hat den europäischen Börsen am Donnerstag Auftrieb gegeben. Als Auslöser nannten Börsianer die Überlegungen des weltgrößten Pensionsfonds GPIF aus Japan, sich stärker in heimischen Dividendenpapieren zu engagieren. Darüber hinaus dämpften enttäuschende Konjunkturdaten die Spekulationen um eine baldige Straffung der US-Geldpolitik.

Der Dax verabschiedete sich 0,8 Prozent fester bei 8400,20 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent auf 2799,19 Zähler. An der Wall Street legten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 bis zum Ende des Xetra-Handels in Deutschland zwischen 0,4 und 0,7 Prozent zu.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv von Insidern erfuhr, will GPIF mit flexibleren Investitionsrichtlinien vom Boom am japanischen Aktienmarkt profitieren, der in den vergangenen sechs Monaten rund 60 Prozent zugelegt hat. Japanische Staatsanleihen haben im gleichen Zeitraum verloren. GPIF verwaltet ein Vermögen von 847 Milliarden Euro, was etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung Mexikos entspricht.

"Diese Geschichte ist bemerkenswert", sagte Andy Ash, Chef-Händler von Monument Securities. Schließlich habe GPIF wegen der geringen Bond-Renditen zuletzt Anleihen verkaufen müssen, um Pensionen auszahlen zu können. Außerdem könnten die neuen Richtlinien darauf hindeuten, dass GPIF selbst bei steigenden Anleihe-Renditen nicht zwangsläufig sein Engagement am Rentenmarkt ausweitet. Vor diesem Hintergrund legte der Terminkontrakt auf den Nikkei nachbörslich zeitweise knapp drei Prozent zu. Der japanische Leitindex selbst war zuvor um gut fünf Prozent eingebrochen.

"Vielleicht ist dies der Auftakt zu einem Trend, dass Pensionsfonds und Versicherer die Aktienquoten in ihren Depots wieder erhöhen", sagte ein anderer Börsianer. Er warnte aber gleichzeitig vor überzogenem Optimismus. Die Kursgewinne der vergangenen Monate stünden angesichts der noch ungelösten europäischen Schuldenkrise, der unklaren Konjunkturaussichten und der starken Abhängigkeit der Börsen von den Geldspritzen der Notenbank auf einem wackligen Fundament.

Die US-Wirtschaft wuchs im ersten Quartal mit einem Plus von 2,4 Prozent etwas langsamer als erwartet. Gleichzeitig lagen die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe über den Analystenprognosen. "Die Zahlen sind nicht stark genug, damit die Fed über eine Drosselung ihrer Anleihekäufe nachdenkt", sagte Ryan Larson, Chef-Aktienhändler von RBC Global Asset Management.

Die Aussicht auf eine Fortsetzung der ultra-lockeren US-Geldpolitik setzte den Dollar unter Druck. Der Euro verteuerte sich um gut einen US-Cent auf 1,3041 Dollar. Er profitierte dabei zudem von der verbesserten Stimmung der Unternehmen aus der Euro-Zone. Der Bund-Future legte ebenfalls zu und gewann 20 Ticks auf 143,61 Punkte.

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  • Für den Gleichlauf von DAX und DOW Jones gibt es eine einfache Erklärung: die verlängerten Börsenöffnungszeiten.

    Früher war um 14:30 Schluss, Daten aus den USA hatten keinen Einfluss mehr auf den jeweiligen Tag und wirkten nur noch teilweise am nächsten Tag.

    Meines Erachtens ist diese Situation schädlich für die europäischen Börsen. Für ein Plus von 1 und mehr Prozent der europäischen Aktienindizes nachdem in den USA ein paar tausend Häuser mehr verkauft würden gibt es auf keinen Fall eine Rechtfertigung.

  • Vielleicht sollte man die europäischen Börsen oder gleich ganz Europa abschaffen...

    Selten, ganz selten, habe ich solche einen Mist hier gelesen. Hansi

  • Der DAX läuft dem DOW spätestens seit 08 nur noch hinterher. Wenn man x-fach auszoomt sind die Muster kongruent. Wer da noch von einem eigenständigen Index träumt lügt sich in die Tasche. Der europäische Markt wäre vielleicht besser dran, wenn man die europaischen Indizes abschaffen würde. Eine gewisse Verunsicherung der kleineren Marktteilnehmer würde die Marktdynamik beleben. Indexbasierte Bündelprodukte würden wegfallen, das würde den free float erhöhen. Dann wäre wieder Spannung im Markt. Im Moment ist der DAX was für "Hobbyanleger" und Versicherer. Die Musik wird in Übersee gemacht und hier tanzen die Leute zum Echo.

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