Schlussbericht Börse Frankfurt

Dax rauscht in die Tiefe

Enttäuschende Konjunkturzahlen aus Europa und Übersee vermengten sich mit Sorgen zum die Euro-Zone: Ein Gemisch, das den Dax in Richtung 6.000 Punkte-Marke schickte - ein Minus von mehr als 200 Punkten.
Update: 01.06.2012 - 17:44 Uhr 128 Kommentare

Börse Frankfurt am Abend

FrankfurtDie negativen Konjunkturdaten häuften sich und haben den Dax im Handelsverlauf immer tiefer ins Minus gedrückt. Die Sorgen um eine Eskalation der Schuldenkrise gaben ihr Übriges dazu. Der Dax schloss 3,4 Prozent tiefer bei 6.050 Punkten. Damit zählte er zu den schwächsten Indizes in Europa, was Händler unter anderem mit dem Unterschreiten charttechnisch wichtiger Marken erklärten. Auf Monatssicht hat der Dax im Mai mehr als sieben Prozent verloren - der schlechteste Mai seit der Einführung des Leitindizes. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,6 Prozent zu Buche.

Nach den Arbeitsmarktzahlen aus den USA baute der Leitindex seine Verluste vom Vormittag aus. Die Zahlen fielen deutlich schlechter aus als erwartet. Die Zahl der Beschäftigten stieg nur um 69.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Es war das schwächste Plus seit rund einem Jahr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit 150.000 gerechnet. Zudem waren im März und April rund 50.000 Jobs weniger dazugekommen als zunächst ermittelt. Die Arbeitslosenquote stieg im Mai auf 8,2 von 8,1 Prozent.

"Da kommt keine Ruhe auf", brachte ein Händler die Stimmung an den Börsen auf den Punkt. Ein anderer Börsianer sagte: "Der Markt reagiert sehr sensibel auf alles, was mit der Schuldenproblematik zu tun hat. Auf Unternehmensnachrichten achtet er kaum."

Ins Kreuzfeuer geriet vor allem Spanien. Die Zinsen für spanische Staatsanleihen stiegen deutlich an. Für zehnjährige Papiere lagen sie bei 6,57 Prozent, zwölf Basispunkte über dem Schlusswert vom Donnerstag. Das Misstrauen der Anleger schlug sich auch in einem zunehmenden Kapitalabfluss nieder. Im ersten Quartal flossen netto 97 Milliarden Euro aus dem Land, wie die spanische Notenbank gestern bekanntgab. Anleger lösten ihre Bestände an spanischen Aktien, Anleihen oder Einlagen auf.

Für Kurseinbrüche sorgten vor allem am Vormittag Konjunkturdaten aus Europa. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone fiel auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren. Besonders schlecht ist die Lage in Spanien, das Griechenland als Schlusslicht abgelöst hat. Aber auch in Deutschland, Frankreich und Italien liefen die Geschäfte deutlich schlechter.


Außerdem kamen negative Nachrichten vom europäischen Arbeitsmarkt. Niemals zuvor waren so viele Menschen in den Euro-Staaten arbeitslos: Insgesamt 17,4 Millionen Menschen hatten in den 17 Ländern mit der gemeinsamen Währung im April keinen Job. Das teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. Elf Prozent sind ohne Job. Die EU-Kommission bezeichnete das Niveau der Arbeitslosigkeit als „inakzeptabel hoch“ in einigen Ländern.

Für Rezessionsängste sorgte auch China. Ein überraschend kräftiger Rückgang des Einkaufsmanager-Indexes für die chinesische Industrie im Mai schürte Sorgen vor einer Abkühlung der zweitgrößten Volkswirtschaft.

Die Unsicherheit an den Märkten nahm messbar zu. Der Volatilitätsindex VDax, der die Nervosität der Anleger misst, stieg um 5,3 Prozent auf 31,96 Punkte und lag damit auf dem Niveau von Mitte Dezember. Seinem pan-europäisches Pendant, dem VStoxx, fehlte bei einem Stand von 36,07 Zählern nur etwa ein halber Punkt zu einem neuen Sechs-Monats-Hoch.


VW-Personalumbau lässt MAN-Aktie abheben
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Schlussbericht Börse Frankfurt - Dax verliert mehr als drei Prozent

128 Kommentare zu "Schlussbericht Börse Frankfurt: Dax verliert mehr als drei Prozent"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nicht besonders geistreich.
    Ich würde es dann zweckmäßigerweise zur rechten Zeit in andere Assets umtauschen.

  • Die Börse ist momentan ein Gehopse von einer Assetklasse zur nächsten.

    Alles rennt in vermeintlich sichere Anlagen: Immobilien, Staatsanleihen (USA, D). Wenn Inflation droht oder wenn die Angst überhand nimmt in Gold. Aktien könnten noch ordentlich fallen; da kann man irgendwann billigst reingehen.

    Aber solange Krise Hauptthema ist, wird auch Gold ein Thema sein; egal ob inflationäres oder deflationäres Umfeld. Wenn die Krisenstimmung vorbei ist, kann man das Gold wegwerfen.

  • Wo ist eigentlich, nach dem Gold-Bashing der letzten Wochen, die Meldung, dass die Unze heute um über 50.- Euro gestiegen ist ?

  • Holzauge sei wachsam

    Finde nicht _ disziplinlos und verantwortungslos_ daß deltaone und daytrader-wave sich einfach vom Acker gemacht haben; dann sollten sie da bleiben wo sie sind, oder keine Kenntnis haben. So geht das nicht!!
    Die DWS verwaltet circa 150 Milliarden. Habe heute ein Papier gelesen von jemand der Eurobonds fordert.

  • Hamburger, habe noch zwei Fragen hoffentlich liest du sie.

    Wie viel Abwärtspotenzial ist noch da oder wird Short auch langsam zum Risiko?

    Besteht die Möglichkeit, wenn die Märkte ausgebombt sind (Sommer 2011) mit Long Positionen viel Gewinn zu machen.

    Nice Job ;-)

  • Wer jetzt noch an 8000 glaubt, der leiht auch einem Griechen/Spanier/Italiener Geld.

  • Mein Reiter der Apokalypse,
    haben Sie schon Ihren Dosenvorrat an Erbseneintopf
    von Lidl, 'Mary's Bester' für den Krisenfall aufgefüllt ?

  • stockpicker1 versus Hamburger. Feines Gefecht habt ihr euch da geliefert. Wer hat jetzt gewonnen?

  • Sie meinen, Stahl bietet neue Chancen?
    Thyssen, Salzgitter oder Rheinmetall?

  • Wer meinte, die USA ließen einen starken Euro neben ihrer Weltleitwährung zu,
    der ist nun eines besseren belehrt.

    Schließlich kommt noch hinzu, dass wir vor einen neuerlichen Waffengang stehen,
    und dies macht keine guten Kurse, vor allem wenn man nicht weiß,
    wie es danach weiter gehen soll.

    Diesmal scheint die Lage wesentlich düsterer aus zu sehen wie als man gegen den Irak
    diesen Angriffskrieg ein leitete.

    Schlechte wirtschaftliche Situationen, sind immer schon der beste Nährboden für verheerende Kriege gewesen.

    Dieses mal sieht es so aus als würde Europa nicht völlig ungeschoren davon kommen.

    Aber wen scheren schon ein paar Millionen Tote ?

    Die Rüstungsindustrie und alle die an diesem neuerlichen Waffengang verdienen können, lachen schon und sind bester Dinge.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%