Schlussbericht: Börse Frankfurt
Finanzkrise drückt Dax wieder tief ins Minus

Mit der Rettung des US-Versicherungsgiganten AIG scheint der ganz große Börsencrash vorerst abgewendet. Doch die Anleger bleiben nervös. In Deutschland zeigten die Börsenbarometer nur vorübergehend zaghafte Erholungstendenzen. Nachdenklich stimmte vor allem der vorbörsliche Rückgang von Morgan Stanley.

HB FRANKFURT. Die Finanzkrise sorgt weiterhin für Nervosität am deutschen Aktienmarkt. Selbst die Rettung des US-Versicherungsriesen AIG hellte die Stimmung nicht lange auf.

Der deutsche Leitindex schloss am Mittwoch mit 5861 Zählern 1,8 Prozent schwächer. Der MDax verlor 2,62 Prozent auf 7497,52 Punkte, während der technologielastige TecDax 1,89 Prozent auf 712,42 Punkten abgab. Das Handelsvolumen belief sich auf rund 271 (Dienstag: 358) Millionen Aktien. Der Umsatz betrug 10,6 (12,6) Milliarden Euro.

Morgan Stanley nächster Risikokandidat?

Händler sprachen von erhöhter Nervosität. Nachdenklich stimme der vorbörsliche Rückgang von Morgan Stanley. Die Zahlen seien nur vordergründig gut. So dürfte das Handelsergebnis, ebenso wie bei Goldman Sachs, durch die Ausweitung der Credit Spreads auf eigene Anleihen stark beeinflusst worden sein. "Möglicherweise schießt sich der Markt auf Morgan Stanley als nächsten Risikokandidaten ein", hieß es. Zudem verdränge der Markt im Moment wieder etwas das Risiko eines Konjunkturabschwungs, doch dürfte dieses Thema demnächst wieder auf die Tagesordnung rücken.

Die heftigsten Kursverluste am deutschen Markt verbuchten Papiere von Tui, die um 7,8 Prozent sanken. Dagegen erwiesen sich die Aktien von Volkswagen als Stütze: Der Titel zog mit einem Plus von sechs Prozent an die Spitze des Dax.

Bankenwerte gingen mit den wechselnden Nachrichten aus dem Sektor auf Berg- und Talfahrt. Aktien der Commerzbank, die in den vergangenen beiden Handelstagen zeitweise mehr als 22 Prozent verloren hatten, kletterten zeitweise bis auf 14,97 Euro, um dann mit minus 3,54 Prozent auf 13,48 Euro zu schließen. Postbank-Papiere gaben 1,70 Prozent auf 35,93 Euro ab und Deutsche Bank verloren 2,74 Prozent auf 50,32 Euro. Neue Sorgen über einen Kollaps von HBOS dämpften die Stimmung im Handelsverlauf.

In der Versicherungsbranche schienen die größten Sorgen aber erst vom Tisch. Münchener Rück legten um 1,13 Prozent auf 96,85 Euro zu, anfänglich ebenfalls klar erholte Allianz-Papiere sanken schließlich wieder um 3,50 Prozent auf 94,63 Euro. Während die Münchener Rück bereits offen Interesse an Teilen von AIG geäußert hatte, hielt sich die AIG noch etwas zurück. "Trotzdem atmen die Anleger nach der Rettung von AIG zunächst einmal kräftig durch", sagte ein Börsianer. Bei einem Crash des Versicherers hätte abgesehen von individuellen Ausfallrisiken eine massive Verschlimmerung der über alle Anlageklassen hinweg zu beobachtenden Verwerfungen gedroht, sagte ein Analyst.

Favorit im Dax waren aber Volkswagen, die in der Spitze um bis auf 254,86 Euro zulegten und schließlich belastet von der Schwäche am Gesamtmarkt mit 6,04 Prozent im Plus bei 240,18 Euro schlossen. Marktteilnehmer spekulierten über eine Reihe von möglichen Gründen, die Investoren zu Käufen zwingen. Genannt wurden dabei insbesondere Eindeckungen von Leerverkäufen, nachdem die inzwischen insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers wohl Vertragspartner von Aktienleihe-Geschäften gewesen sei. Die Kursbewegung ist einem Analysten zufolge jedenfalls "fernab jeglicher fundamentalen Begründung".

US-Aufsicht verschärft Vorschriften für Wetten auf fallende Kurse

Angesichts der Diskussion schränken die US-Behörden die Spekulation auf fallende Kurse ein. Die US-Finanzaufsicht SEC erließ hierzu neue Regelungen gegen den Missbrauch mit ungedeckten Leerverkäufen. Verkäufer und ihre Broker müssen ab Donnerstag am Abwicklungstermin die verkauften Aktien tatsächlich vorlegen, ansonsten drohen ihnen Strafen.

Die SEC werde Missbrauch mit ungedeckten Leerverkäufen in keinerlei Weise tolerieren, erklärte der SEC-Vorsitzende Christopher Cox am Mittwoch mit. Die neuen Regeln gelten nicht wie zuvor nur für Finanztitel, sondern für alle Aktien. Bei einem ungedeckten Leerverkauf verkaufen Investoren Aktien, die sie nicht besitzen und noch nicht einmal ausgeliehen haben. Sie spekulieren damit auf fallende Kurse und können so den Abwärtstrend einer Aktie dramatisch beschleunigen.

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