Schlussbericht Börse Frankfurt
Verheerende Monatsbilanz beim Dax

Weltweit befinden sich die Börsen weiter im Abwärtstrend. Die Furcht vor einer Eskalation der Euro-Schuldenkrise hält die Märkte weiter fest im Griff. Auf Monatssicht steht ein Minus von knapp acht Prozent zu Buche.
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FrankfurtNach dem Kursrutsch vom Vortag hat der deutsche Leitindex am Donnerstag seinen Abwärtstrend weiter fortgesetzt. Der Dax gab nach enttäuschenden US-Konjunkturdaten seine zwischenzeitlichen Gewinne ab und ging mit einem Minus von 0,26 Prozent auf 6264 Punkte aus dem Handel. Die zweite Reihe verzeichnete ebenfalls größere Kursverluste: Der MDax gab um 1,06 Prozent auf 10 099 Punkte nach, der TecDax verlor 0,45 Prozent auf 747 Punkte.

Fondsmanager Thilo Müller von MB Fund Advisory sieht die günstigen Notierungen als Kursstütze. „Die Krisenindikatoren bleiben der Euro-Dollar-Kurs, der Bund-Future und die Renditeentwicklung der spanischen Staatsanleihen“, sagte der Experte. Diese Faktoren dürften die Marktentwicklung auch weiter bestimmen. Nach dem tiefsten Stand seit Juli 2010 am Vortag zeugt der leicht stabilisierte Eurokurs von etwas Entspannung. Laut Händler Markus Huber von ETX Capital richtete sich der Blick der Anleger bei den Konjunkturdaten vor allem auf den Arbeitsmarkt, wo die aktuellen Daten aus Deutschland und den USA enttäuschten. Dies könnte Huber zufolge „Ängste schüren, dass die europäische Schuldenkrise die dortige Wirtschaft doch stärker als erwartet beeinträchtigt“.

Die Unsicherheit der Anleger über die weitere Entwicklung in der Schuldenkrise in Europa hat die Börsen auch im Monat Mai stark belastet. "Sell in May - and go away" - die Börsenweisheit, die den Monat Mai an der Börse als einen besonders schlechten Anlage-Monat beschreibt, ist in diesem Jahr voll aufgegangen. Denn der Dax hat in den vergangenen vier Wochen rund acht Prozent verloren, so viel wie noch nie in einem Mai seit seiner Einführung 1988.

Die Sorgen um die Finanzstabilität Europas haben den Euro weiter fest im Griff. Seit Monatsanfang hat die Gemeinschaftswährung mehr als acht US-Cent verloren, am Abend notierte sie bei 1,2351 Dollar. Solange die Risikoaufschläge für spanische Anleihen weiter explosionsartig anstiegen, ohne dass den Marktteilnehmern klar werde, wie die Antwort der Politik auf diese Entwicklung aussehen werde, dürfte der Euro unter Druck bleiben, urteilte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Erholungsphasen dürften daher beschränkt bleiben.

Die Renditen für zehnjährige spanische Anleihen zogen am Donnerstag erneut an und lagen in der Spitze bei 6,779 Prozent. Ihre italienischen Pendants rentierten bei bis zu 6,219 Prozent. Dagegen fiel die Verzinsung der gern als sicherer Hafen angesteuerten deutschen Papiere auf ein neues Rekordtief von 1,242 Prozent.

Im Blick haben die Investoren neben den Entwicklungen im hoch verschuldeten Spanien auch Irland. Dort stimmten die Bürger im Tagesverlauf über den EU-Fiskalpakt ab. In Umfragen deutet sich eine breite Zustimmung für den Pakt ab, den vor allem Deutschland als Voraussetzung für ein Ja zum Euro-Rettungsfonds ESM ansieht. Die Ergebnisse werden erst am Freitagmittag erwartet.

Ökonomen haben wenig Hoffnung auf eine baldige konjunkturelle Besserung in Europa: "Der Abschwung im Euro-Raum hat im Mai weiter an Fahrt aufgenommen", sagt Chris Williamson vom Datenspezialisten Markit. Die Analysten der internationalen Finanzhäuser haben deshalb ihre Gewinnschätzungen für Europas Unternehmen um rund zehn Prozent nach unten korrigiert, für die Industrie gar um 15 Prozent. Auch deutsche Konzerne wie BASF, Siemens und VW müssen demnach 2012 mit Gewinnrückgängen von mehr als zehn Prozent rechnen.

Ganz anders sieht es dagegen in Amerika aus: Die Finanzexperten prognostizieren den 500 größten Konzernen ein Ergebnisplus von 23 Prozent. Die USA werden also auf absehbare Zeit die Gewinnmaschine bleiben.

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  • Zukünftig dürfte der Shareholder Value in einer auf niedrigstem Niveau stagnierenden Wirtschaft im Euro-Raum eine ganz andere Bedeutung bekommen. Die Kurse werden nach der Stabiliserung weiterhin um +/- 30 % sehe ich für schwanken, aber ein langfristiger Aufwärtstrend, wie ihn manche Börsengurus in diversen Börsenzeitschriften propagieren, wird es nicht geben. Da braucht man sich heute nur einmal Nikkei und den Neuen Markt heute (Tec-DAX) ansehen und diese Illusion wird jedem vergehen.

    Man möge vielleicht nach der Stabiliserung Dividendenrenditen von rund 10 % bekommen, aber Gewinne wird man nur machen können beim Shorten bis zum Absturz, bei Hebeln des kaum erkennbaren Dead-Cat-Rebounds, nachdem die Eurobonds eingeführt werden und dann später mit den weiterhin hochvolatilen Kursen auf niedrigsten Niveau.

    Und dass deutsche Unternehmen solide Bilanzen haben, ist auch eine Illusion. Denn überteuerte Akquisitionen im Ausland haben noch massig Goodwill, der abgeschrieben wird. Und selbst das konsolidierte Eigenkapital der Beteiligungen dürfte oftmals 2013, wenn die große Abrechnung nach den Impairment-Tests kommt bei den meisten DAX-Konzernen noch mächtig Spielraum fürMilliardenabschreibungen liefern.

    Mein Fazit für den DAX ist daher insbesondere durch den Bruch der 6200 Punkte vernichtend. Ich gehe sogar von einerUnderperformance ggü. dem IBEX aus, da es beim DAX deutlich weniger Restriktionen für das naked short selling gibt.

  • Fakt ist, dass für die Aktionäre (fast) nichts mehr übrig bleiben wird, ehe sich die Kurse wieder stabilieren werden. Ein Verlust von bis zu 90 % wie in Japan erscheint mir durchaus realistisch an, eher sogar wie gesagt durch die extrem gehebelten Shortkontrakte undnaked shortselling sogar 95 %, um wieder ein faires Bewertungsniveau zu erreichen, denn die Gewinnprognosen ab 2013 der DAX-Unternehmen sind immer noch um 200-300 % zu hoch, da man der irrigen Annahme unterliegt, die Unternehmen können ihr Wachstum fortsetzen.

    Beim japanischen Nikkei gab es dieses Phänomen auch schon und trotz eines Kursverlustes von rund 3/4 ist das KGV immer noch deutlich über 10, trotz fehlenden Wachstumsperspektiven, schwachem Export und Milliardenverlusten bei den einstigen Marktführeren wie Panasonic, Sony, Nintendo und Co. Wenn man das KGV des Nikkeis mit dem aktuellen DAX-KGV mit den wie gesagt im Gegensatz zu japanischen Unternehmen komplett falschen Gewinnschätzungen, müsste dieser ja weitere 50 % abgeben, wobei wir damit den 90 % schon sehr viel näher kommen, denn ohne Wachstum sind bei einem KBV von 1 KGVs zwischen 4 und 7 eine faire Bewertung.

    Und die Charttechnik alleine wird den DAX auf das 2003er Tief fallen lassen, da keine signifikante Haltelinie vorhanden ist, die nicht schon 2mal getestet wurde, und daher bei einem dritten Test nicht halten würde.

  • Dies ist erst der Anfang vom Ende. Man soll sich von einstelligen KGVs und Wirtschaftswachstum in Deutschland nicht blenden lassen.

    Griechenland wird den Euro nicht verlassen, Spanien auch nicht, denn das ist nicht möglich. Möglich ist nur, dass der DAX bis zu den neuen Wahlen am 17. Juni auf 3000 Punkte fällt, da er leicht durch ungedeckte Leerverkäufe geshortet werden kann.Das ist ja wie gesagt die kurzfristige Perspektive.

    Langfristig aber wird unser Finanzsystem japanisch lernen müssen, denn der Euroraum wird ebenso wie Japan eine Zombie-Volkswirtschaft. Anfangen wird es, dass die Zinsen für Spanien und Italien über 20 % steigen und Banken und Versicherer massenweise ins Wanken geraten, auch die solidesten Institute. Dabei werden die DAX-Werte zusammenschrumpfen wie der Neue Markt, also um über 90 %. Erst durch Eurobonds wird man die Eurozone, die von Bürgerkrieg und Elend geprägt sein wird, wieder retten können. Es wird ohne Ende Geld gedruckt werden, wobei völlig kontraintuitiv Wirtschaftswachstum und Inflation ausbleiben werden und der Euro ggü. anderen Währungen erstarken wird, was besonders exportstarke Unternehmen wie unsere Automobil- und Maschinenbauer stark belasten wird und zu einer Konsolidierung dieser Branche, ähnlich wie nach dem Neuen Markt führen wird.

    Vor allem die schon jetzt unter einer enormen Schuldenlast leidenden französischen Automobilhersteller dürften dieses Szenario nicht überleben und unter der Regierung von Hollande verstaatlicht werden. Wobei ich vermute dass es Peugeot und Renault schon vor den Eurobonds nicht mehr als privates und börsennotiertes Unternehmen mehr geben wird, da diese bei einer noch boomenden Wirtschaft nicht die Nettoverschuldung senken können und die Endfälligkeitsverzinsung der Anleihen doppelt so hoch liegt wie bei den deutschen Automobilherstellern.

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