Schlussbericht Frankfurt: Anleger schickten Dax auf Talfahrt

Schlussbericht Frankfurt
Anleger schickten Dax auf Talfahrt

Investoren haben Gewinne mitgenommen und den Dax ins Minus geschickt. Die größten Verlierer waren die Banken. Für Bewegung sorgte auch die Solarbranche. Hier standen Q-Cells und Phoenix Solar im Mittelpunkt.
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DüsseldorfDer deutsche Leitindex hat den Handel am Dienstag 1,05 Prozent schwächer beendet und schloss bei 6.982 Zählern. „Wir befinden uns in vorösterlicher Ruhe, die viele Anleger davon abhält, jetzt noch kaufen zu müssen“, kommentierte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Zudem sei das zweite Quartal noch jung und jemand, der in den ersten drei Monaten des Jahres mit dabei gewesen sei, verspüre keinen unmittelbaren Druck zum Handeln.

Auch die US-Industrie sorgte am Dienstagnachmittag nicht für Vortrieb. Die Aufträge stiegen nach dem Rückschlag zu Jahresbeginn wieder. Die Bestellungen erhöhten sich im Februar um 1,3 Prozent, teilte das Handelsministerium am Dienstag in Washington mit. Damit wurde der Rückgang im Januar von 1,1 Prozent mehr als wettgemacht. Analysten hatten jedoch ein Plus von 1,5 Prozent vorausgesagt. Des Weiteren rechneten viele Experten mit einem schwachen Jahresauftakt aufgrund der Ende 2011 ausgelaufenen Steuervergünstigungen für Investitionen. Besonders stark zogen die Aufträge für Investitionsgüter außerhalb der Rüstungs- und Flugzeugindustrie an: Hier gab es ein Plus von 1,7 Prozent. Das gilt als Signal dafür, dass die Unternehmen wegen der besseren Konjunkturaussichten wieder mehr Geld in neue Maschinen, Geräte und andere Ausrüstungen investieren.

Die Reiselust ist laut dem Weltluftverband IATA gestiegen - das freute auch die Anleger der Lufthansa. Die Aktien schlossen mit 0,76 Prozent fester. Die Zahl der Passagiere hat den IATA-Daten zufolge im Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,3 Prozent zugelegt. Das Frachtgeschäft kletterte um 5,1 Prozent. Das sei für die Fluggesellschaften erfreulich, sagte ein Händler.
Als Verlierer beendeten die Papiere von K+S sowie die der Deutschen Post den Handel, die nach einem negativen Analystenkommentar jeweils 1,4 Prozent und 1,6 Prozent nachgeben. Finanzwerte waren Dax-Schlusslicht: Aktien der Deutschen Bank notierten zum Handelsschluss knapp drei Prozent niedriger, die Commerzbank verlor sogar 3,4 Prozent.

Niedersachsens Zustimmung zur Elbvertiefung hat die Aktien des Hafen- und Logistikkonzerns HHLA angeschoben. Die Titel gehörten mit einem Plus von fast fünf Prozent zu den größten Gewinnern im MDax. Die niedersächsische Regierung hatte beschlossen, dem vom Bund und von Hamburg betriebenen Projekt zuzustimmen. „Diese Zustimmung hat HHLA noch gefehlt, deshalb reagiert die Aktie positiv darauf“, sagte ein Händler.
Die Aktien von Phoenix Solar fielen aufgrund von Finanzierungsproblemen um 30,5 Prozent. Das Unternehmen hatte am Montag mitgeteilt, es habe den im Dezember 2011 den Gläubigern vorgelegte Restrukturierungsplan aufgrund der massiven Einschnitte bei der Solarförderung überarbeiten müssen. Die Finanzierungsverhandlungen verzögerten sich somit, hieß es. "Das reiht sich perfekt ein in die Negativnachrichten und Probleme der Branche", sagte ein Händler.

Auch der einst größte deutsche Solarkonzern Q-Cells ist pleite. Das Unternehmen stellte am Dienstagmittag beim Amtsgericht Dessau den Insolvenzantrag, wie ein Sprecher des Gerichts bestätigte. Bei Q-Cells fehlte lange eine schlüssige Strategie, viel Geld versandete in Tochtergesellschaften. Zudem vernachlässigte das Unternehmen lange Zeit den Vertrieb. Diese Missstände beseitigte Vorstandschef Nedim Cen weitgehend, finanziell konnte er Q-Cells aber nicht auf solide Beine stellen.

Zocker griffen bei den Papieren am Dienstag zu: Der Kurs stieg um knapp acht Prozent auf 0,136 Euro, nachdem die Aktie am Montag um 30 Prozent eingebrochen war. Die Aktie des Bonner Solarkonzerns Solarworld rutschte um mehr als acht Prozent ab. Auch der einstige Star am Solar-Himmel ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen geraten. Konzernchef Frank Asbeck ist sich aber sicher, mit seinem Unternehmen zu denen zu gehören, die die Krise und Konsolidierung der Branche überleben werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ist doch eh bald alles zu Nebenwerten verkommen. Ich leg mir mal ein paar Philips, HP, BKN und sonstwas auf Halde zum Sehen in 1, 2 Jahren. Volkswagen, Bmw, Daimler gehen wohl auch eher auf Short demnächst.

  • Katschingggg!!!!

  • Auf den DAX bezogen ja... aber schaumal genau hin welche Werte heute stark Federn lassen!

    Nahezu alle uninteressanten "mist" Aktien. Ausser der Heidel (-1%). Mein Depot wird immer besser steht wesentlich höher als bei DAX 7200 überrascht mich selbst liegt wohl an den vielen Nebenwerten mittlerweile.

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