Schlussbericht Frankfurt
Dax im freien Fall

Noch vor knapp zwei Wochen feierte der Dax ein neues Rekordhoch. Doch schnell kehrte Ernüchterung ein am deutschen Aktienmarkt. Der Index ging wieder auf Talfahrt. Auch am Donnerstag rutschten die Kurse kräftig. Der Dax fiel um 2,39 Prozent auf fast 7 500 Punkte zurück. Händler sprechen von einem „Ausverkauf“ – und warnen vor weiteren Verlusten.

HB FRANKFURT. Schwache US-Börsen und weitere Verluste der schwer gewichteten Siemens-Aktie haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag zugesetzt. Die Verluste gingen quer durch alle Branchen. „Heute wird alles rausgeschmissen, was zuletzt Gewinne abgeworfen hat. Es riecht nach Ausverkauf“, sagte ein Händler in Frankfurt.

„Die Institutionellen haben endgültig die Nase voll von diesem Markt“, so ein anderer Händler. Nachdem man sich mit dem jüngsten Allzeithoch im Dax doch zur leichten Erhöhung der Investitionsquote entschlossen habe, sei dies sogleich mit Underperformance im Vergleich zu den US-Börsen und nun auch konkreten Verlusten bestraft worden. „Jetzt werden diese Investments wieder zurückgedreht“, sagte der Händler weiter.

Der Dax fiel um 2,39 Prozent oder 183 Punkte auf 7508,96 Zähler. Der MDax rauschte sogar fast drei Prozent in die Tiefe, der TecDax verlor 2,6 Prozent.

Nachbörslich ist der deutsche Leitindex um 18.37 Uhr bereits unter die 7 500er-Marke auf 7 465 Punkte gerutscht.

Die Unsicherheit über das Ausmaß der Krise am US-Hypothekenmarkt hatte den deutschen Leitindex bereits in den vergangenen beiden Handelstagen um rund drei Prozent gedrückt. „Der Markt ist angeschossen“ sagte ein Händler. Dabei sind Börsianern zufolge die Unternehmen im Großen und Ganzen recht erfreulich in die Bilanzberichtssaison gestartet.

Wie stark die Verunsicherung dennoch sei, zeige zum Beispiel die Verschiebung eines milliardenschweren Kreditgeschäfts im Zusammenhang mit der Finanzierung der Übernahme von Chrysler durch Cerberus. „Die Bereitschaft der Anleger ist nicht mehr groß, Übernahmen von Finanzinvestoren mitzufinanzieren“, sagte ein Börsianer.

Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba kann sich in den kommenden Tagen weitere Verluste beim Dax vorstellen. „Viel hängt zurzeit an der Charttechnik“, sagte er. „Sollten Marken bei 7 530, 7 452 oder gar 7 335 Punkten nach unten durchbrochen werden, dann sieht es ziemlich böse aus.“

Die rote Laterne bei den Standardwerten übernahmen den zweiten Tag in Folge Siemens mit einem Abschlag von 5,6 Prozent. Händler machten dafür wie bereits am Vortag den unter den Markterwartungen liegenden Verkaufspreis für die an Continental gehende Automobilzuliefertochter VDO sowie die jüngsten Geschäftszahlen verantwortlich. Conti fielen um 3,4 Prozent. Die Rating-Agentur Moodys will das Kreditrating des hannoverschen Autozulieferers im Zusammenhang mit der Finanzierung des Deals auf eine Herabstufung prüfen. Fitch setzte Conti auf Credit Watch Negative.

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