Schlussbericht Frankfurt
Dax kann 6 400 Punkte nicht halten

Der jüngste Rückgang der US-Erzeugerpreise hat dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag vorübergehend Auftrieb gegeben. Gewinnmitnahmen drückten bis Handelsschluss den Dax um 0,1 Prozent ins Minus auf 6387,38 Punkte. Zuvor hatten Spekulationen auf vorläufig unveränderte Zinsen den Leitindex noch um 0,3 Prozent auf 6411 Punkte - das höchste Niveau seit Februar 2001 - gehievt.

HB FRANKFURT. „Der Dax macht derzeit zwei Schritte nach vorne und einen Schritt zur Seite“, kommentierte ein Börsianer den Trend des Leitindex, der seit seinem Jahrestief im Sommer rund 20 Prozent zugelegt hat. Der unerwartet starke Rückgang der US-Erzeugerpreise im Oktober hatte zunächst die Inflationsängste der Anleger weiter gedämpft. „Bei diesem Umfeld besteht für die US-Notenbank keine Notwendigkeit, die Zinsen zu erhöhen“, sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zugleich gingen die Umsätze der Einzelhändler in den USA zurück, wobei nur ein Zuwachs bei den Auto-Verkäufen einen stärkeren Rückgang der Gesamterlöse verhinderte. Ohne Berücksichtigung dieser Branche war das Minus doppelt so hoch wie erwartet ausgefallen. Die Wall Street reagierte erst mit Kursgewinnen. Im Verlauf bröckelten die Kurse an der Weltleitbörse aber ebenfalls.

Nach dem Wechsel an der Konzernspitze am Vortag blieben die Aktien der Deutschen Telekom gesucht. Gegen den Trend verteuerten sich T-Aktien um 0,7 Prozent auf 13.57 Euro. Händler begründeten den Kursanstieg mit Spekulationen auf einen weitreichenderen Umbau des Vorstands. „Das spricht für den Versuch eines Neuanfangs. Das wäre sicher gut“, sagte ein Händler. Laut Medienberichten sollen auch Personalvorstand Heinz Klinkhammer und der Chef der Festnetz- und Breitbandsparte T-Com, Walter Raizner, die Telekom verlassen. Der Bonner Konzern wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Die Aktien von Infineon führten mit einem Plus von zwei Prozent die Gewinnerliste im Dax an. „Da scheinen einige auf gute Zahlen am Donnerstag zu setzten“, sagte ein Händler. Schon am Mittwoch legt die Speicherchiptochter Quimonda ihre Zahlen vor, deren Aktien an der New Yorker Börse notiert sind, wo sie bis zum frühen Abend 1,4 Prozent zulegten. Nach Einschätzung von Infineon-Chef Wolfgang Ziebart entwickelt sich das Geschäft mit den Speicherchips besser denn je.

Die Aktien der Deutschen Börse verloren 1,7 Prozent und reagierten damit auf einen Reuters-Bericht, wonach die Börse im Fusionspoker um den Konkurrenten Euronext nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens kurz vor dem Rückzug ihrer Offerte steht. Damit könnte die Börse bei der Konsolidierung der Börsenlandschaft Europas keine führende Rolle mehr spielen.

Im TecDax setzten die Aktien von Conergy ihren am Vortag nach dem Quartalsbericht begonnenen Höhenflug fort und stiegen um weitere neun Prozent. Die Rally sei übertrieben, warnte Analyst Stephan Wulf vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Obwohl Solarworld nach der Vorlage seines Quartalsbericht die Gewinnziele für das laufende Jahr anhob, verloren die Aktien 5,8 Prozent.

Die Aktien des Triebwerkshersteller MTU Aero Engines profitierten im MDax von charttechnischen Kaufsignalen und legten 5,5 Prozent zu. Eine Verkaufsempfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs drückte die Aktien von Salzgitter um 2,5 Prozent ins Minus, obwohl der Stahl- und Röhrenkonzern nach deutlichem Zuwächsen in den ersten neun Monaten seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr erhöht hatte. Die Renditen rechtfertigten den Aktienkurs nicht, begründete Goldman Sachs seine Empfehlung. Der Kurs der Salzgitter-Aktien hat sich im bisherigen Jahresverlauf fast verdoppelt.

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