Schlussbericht Frankfurt
Dax schließt Hexensabbat bei genau 9400

Die Klarheit über den Kurs der US-Notenbank und ein gutes Verbraucherklima trieben den Dax an diesem Hexensabbat langsam aber sicher über die runde Marke von 9400. Nun ist er wieder in Schlagdistanz zum Allzeithoch.
  • 34

FrankfurtAuch die Hexen konnten den Dax nicht aus der Fassung bringen. Stetig kletterte der deutsche Leitindex heute immer höher, die runde Marke von 9400 fest im Blick. Nach den verlustreichen Wochen im Dezember wollten die Anleger die letzte volle Handelswoche des Jahres oberhalb dieser Marke beenden. Drei Mal hatte der Dax im Freitagshandel Anlauf genommen und es drei Mal nicht geschafft, doch dann klappte der Sprung kurz vor Schluss.

Damit ist der deutsche Leitindex wieder auf Schlagdistanz zu seinem Allzeithoch vom 9424 Punkten, das er am 1. Dezember erreicht hatte. Große Kursverwerfungen blieben den Indizes an diesem Hexensabbat, der mit seinem dreifachem Verfall von Optionen und Futures regelmäßig für Bewegungen und Turbulenzen am Terminmarkt sorgt, erspart. Dafür zeigten die Kurse der Einzelwerte eine hohe Volatilität.

Der Dax schloss letztlich bei genau 9400 Punkten, was einen Anstieg von 0,7 Prozent bedeutet. Die Nebenwerte des MDax notierten 0,6 Prozent fester auf 16.391 Punkte, der TecDax beendete den nahezu unverändert bei 1156 Zählern.

Am gestrigen Donnerstag hatte die Erleichterung über eine nur moderate Straffung der US-Geldpolitik den Leitindex um 1,7 Prozent in die Höhe schießen lassen. Auch die Blue Chips an der Wall Street hatten ihren Rekordkurs fortgesetzt. Die meisten Händler hakten die Fed-Entscheidung jedoch ab und wendeten sich wieder anderen Themen zu.

Dazu zählt das Weihnachtsgeschäft, aber auch Firmenbilanzen für das vierte Quartal und die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Der Dax erhielt am Morgen Unterstützung von einer aufgehellten Verbraucherstimmung in der Bundesrepublik. So legte der von dem Marktforschungsunternehmen GfK für Januar vorausberechnete Konsumklimaindex um 0,2 Punkte auf 7,6 Punkte zu.

Wie von Ökonomen erwartet konnte also das bereits seit Monaten außerordentlich gute Konsumklima noch einen weiteren Schub bekommen. Schließlich seien die Bürger nach Expertenmeinung zunehmend zuversichtlich, dass die Wirtschaftsentwicklung an Dynamik gewinne. Außerdem motivieren die niedrigen Zinsen derzeit nicht zum Sparen - in der Folge geben viele Menschen ihr Geld lieber aus, als es auf die Bank zu tragen.

Aus den USA kamen ebenfalls erfreuliche Konjunkturdaten - das BIP wuchs im dritten Quartal um 4,1 Prozent und damit stärker als prognostiziert, gab das zuständige Ministerium am frühen Vormittag bekannt.

Zweimal stand der Dax heute knapp vor den 9400 Punkten: Am Vormittag überschritt er die Grenze nur kurzzeitig. Mit guten US-Konjunkturdaten im Rücken setzte er am Nachmittag noch einmal an, konnte die Marke aber nicht packen.

Dass sich am heutigen Handelstag, dem sogenannten Hexensabbat, ein solches Plus auch mal auf dem ersten Blick grundlos schnell ins Minus dreht, davon wurden die Börsianer heute nicht Zeuge. Zumindest aber die Einzelwerte zeigten heute schwankende Kurse. Am Hexensabbat werden die Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Diesen dreifachen Verfallstermin haben Börsianer zum „Hexensabbat“ erklärt, häufig kommt es an diesem Tag zu Kursverwerfungen. Schon im Vorfeld versuchen Profi-Anleger die Kurse in eine für sie angenehme Richtung zu schieben.

Am „Hexensabbat“ verfallen drei Arten von Anlagen: die Optionen auf Einzelaktien, die Optionen auf Indizes und die Terminkontrakte auf Indizes. Daher spricht man von einem „Großen Verfalltermin“. Die Terminkontrakte auf Börsenindizes - also der Dax-Future, MDax-Future oder EuroStoxx50 - verfallen nur alle drei Monate, immer am Ende eines Quartals.

Die Optionen auf Einzelaktien und Indizes verfallen dagegen alle vier Wochen. Das nennen Börsianer dann den „Kleinen Verfall“. Verfallstermin ist jeweils am dritten Freitag eines jeden Monats. Die Preise für Aktien-Optionen werden zum Xetra-Handelsschluss festgestellt, die für die Index-Optionen und -Futures schon am Mittag ab 13.00 Uhr. Ab 13.00 Uhr zeigte sich der Kurs des Dax dann auch weniger volatil.

Die Umsätze sind an Verfallstagen meist relativ hoch. Beim letzten Großen Verfall im September hatten allein im Dax fast 250 Millionen Aktien für 8,6 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt.

Seite 1:

Dax schließt Hexensabbat bei genau 9400

Seite 2:

Insider sprechen von Spanien-Rückzug bei E.On

Kommentare zu " Schlussbericht Frankfurt: Dax schließt Hexensabbat bei genau 9400"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • 9'400 Punkte! Es geht doch nichts über freie Märkte. :-)

  • [...]

    Auch heute war mal wieder kein guter Börsentag für mich und ich bin im Schnitt 3,00 Euro pro Anteil weg von meinem Durchschnittskurs. Diejenigen von Euch mit mehr als Hauptschulabschluss werden das nachrechnen können.

    Ich wünsche allen unregistrierten Nutzern ein frohes Weihnachtsfest und uns allen einen kräftigen Rutsch im Jahr 2014!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die Baisse nährt die Baisse.
    Im Schnitt verlieren wir jetzt 100 - 150 Punkte pro Tag.
    Die 8000 ist also durchaus realistisch bis Weihnachten.
    Es gibt keine (Stützungs) Käufe mehr, und jeder weiss, dass die FED morgen das Tapering verkünden muss.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%