Schlussbericht Frankfurt
Fusionsfantasien locken Anleger in Aktien

Ein sich anbahnender milliardenschwerer Übernahmepoker im Pharmasektor hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn in Kauflaune versetzt. Aber auch Spekulationen um Börsenfusionen und die Zukunft des Handelskonzerns Karstadt trieben die Aktien Richtung Norden.

HB FRANKFURT. Die Aktien von Schering schnellten am Montag nach der Vorlage einer Kaufofferte von Merck über 26 Prozent nach oben.

„Merck greift nach Schering, die Nasdaq versucht mit der Übernahme der LSE in Europa Fuß zu fassen. Das sorgt für Fantasie und lockt die Anleger in Aktien“, sagte Händler Jörg Treptow von MM Warburg. Der Dax legte 0,87 Prozent auf 5855,16 Punkte zu.

Gesprächsthema Nummer eins auf dem Frankfurter Parkett war die Übernahmeofferte des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck für den Konkurrenten Schering für knapp 15 Milliarden Euro. „Die Börse spielt die feindliche Übernahme. Entweder legt Merck noch drauf, oder ein weiterer Interessent meldet sich“, sagte ein Händler. Die Aktien von Schering, die in der vergangenen Woche schon deutlich an Wert gewonnen hatten, setzten sich mit weitem Abstand an die Spitze der Dax-Gewinner und legten 26,52 Prozent auf 84,59 Euro zu.

Die im Nebenwerteindex MDax notierten Anteilsscheine von Merck gaben 4,49 Prozent auf 79,95 Euro nach. Branchenexperten konnten einer Fusion kaum Positives abgewinnen. Von den Übernahmefantasien profitierte der ganze Sektor. Im Dax stiegen Altana um 1,2 Prozent, im MDAX legten Stada 3,96 Prozent zu. „In der Branche geht jetzt die Fantasie um, egal ob das Sinn macht oder nicht“, sagte Pharmaexperte Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz. So müssten Altana-Aktien eigentlich fallen, da dem Unternehmen zwei potenzielle Übernahmekandidaten für seine Pharmasparte abhanden kämen.

Übernahmespekulationen trieben auch die Aktien der Deutschen Börse in der Spitze auf ein Rekordhoch von 115,81 Euro. „Das Übernahmegesuch der Nasdaq für die London Stock Exchange (LSE) bringt neue Fantasie in die gesamte Börsenlandschaft“, sagte ein Händler. „Die Börsenplätze müssen konsolidieren. Jetzt kommt eine neue Komponente hinzu, und Investoren setzen darauf, dass der nun erwartete Poker sich in noch höheren Bewertungen niederschlagen wird.“ Die US-Technologiebörse Nasdaq hat 4,2 Milliarden Dollar für die LSE geboten. Auch die weltgrößte Börse New York Stock Exchange (NYSE) hatte erkennen lassen, nach Europa expandieren zu wollen.

Auf der Verliererseite ganz oben standen mit einem Minus von 2,5 Prozent auf 70,50 Euro die Papiere des Mischkonzerns Linde. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Seit dem Übernahmeangebot für den britischen Konkurrenten BOC Anfang vergangener Woche waren die Aktien des Gase- und Gabelstaplerherstellers bei Anlegern stark gefragt.

Unter den Nebenwerten im MDax ragten die Aktien von KarstadtQuelle mit einem Plus von 6,76 Prozent auf 20,70 Euro heraus. Nach Aussage von Händlern hat Vorstandschef Thomas Middelhoff mit einem Interview in der „WirtschaftsWoche“ Spekulationen über eine vollständige Übernahme des angeschlagenen Warenhauskonzerns durch seine Großaktionäre ausgelöst. Seit Monaten kommen immer wieder Gerüchte auf, wonach die Großaktionäre um Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz eine vollständige Übernahme und damit ein Abfindungsangebot an die restlichen KarstadtQuelle-Anteilseigner erwägen. KarstadtQuelle könnte dann von der Börse genommen werden.

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