Schuldenkrise
Märkte verlieren den Glauben in die Politik

Die Politiker Europas und Amerikas suchen einen Ausweg aus der Schuldenkrise - eine Einigkeit ist aber nicht in Sicht. An den Kapitalmärkten herrscht Krisenstimmung: Anleger fliehen in „sichere Häfen“ wie Gold.
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DüsseldorfDas unentschlossene Handeln der Euro-Staaten im Kampf gegen die Schuldenkrise hat die Märkte am Montag weiter belastet. Die Aktienmärkte bauten ihre Verluste deutlich aus: Der Dax fiel um 1,6 Prozent und ging in der Nähe seines Tagestiefs mit 7.107 Punkten aus dem Handel. Der Eurostoxx50 verlor 1,8 Prozent auf 2.627 Zähler.

Zu der lange schwelenden EU-Staatsschuldenkrise, tritt nun auch verstärkt die US-Haushaltskrise. Wegen dieser ungelösten Probleme und der damit verbundenen Unsicherheit auf den Märkten haben sich die Anleger zu Wochenbeginn massiv von Aktien getrennt.

„Wir sitzen auf einem Berg großer Unsicherheiten, das sollte weiterhin für Nervosität und vor allem Zurückhaltung am Aktienmarkt sorgen“, sagte ein Händler. Die Anleihen europäischer Krisenstaaten rutschten weiter in den Keller und auch der Euro geriet wieder unter Druck. Im Gegenzug steigt die Nachfrage nach als sicher erachteten Anlagen. Der Goldpreis stieg erstmals in der Geschichte über die Marke von 1.600 Dollar je Feinunze.

An der Wall Street herrscht Krisenstimmung: Vor allem die Verluste bei Finanztiteln wie Bank of America und Citigroup zogen die US-Börsen am Montag nach unten. In den Verhandlungen über die Anhebung der US-Schuldengrenze gibt es noch immer keine Anzeichen für eine Annäherung von Republikanern und Demokraten. In Europa suchen Politiker und Experten unterdessen weiter nach einer Lösung der Schuldenkrise.

Dass die Krisen zur selben Zeit kommen, besorge Investoren, sagte Paul Nolte von Dearborn Partners in Chicago. „Es ist schwer zu sagen, ob wir schon den Boden erreicht haben.“ Möglicherweise werden die Sorgen der Investoren in dieser Woche von Quartalszahlen etwas zerstreut. Experten gehen davon aus, dass wichtige Unternehmen vergleichsweise starke Bilanzen vorlegen werden.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor bis Mittag (Ortszeit) 1,4 Prozent auf 12.308 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab ebenfalls 1,4 Prozent auf 1297 Zähler ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 1,5 Prozent auf 2748 Stellen.

Besonders deutlich ging es mit Finanzaktien bergab. Bank of America büßten 4,4 Prozent und Citigroup 3,4 Prozent ein. Bei JPMorgan Chase betrug der Kursverlust 2,6 Prozent. Bei den Einzelwerten dürfte an diesem Montag auch International Business Machines (IBM) im Fokus stehen. Der IT-Dienstleister sollte am Abend seine Zahlen vorlegen.

Die Aktie lag am Mittag um 0,9 Prozent im Minus. Die Papiere des in Großbritannien in einen Presse- und Korruptionsskandal verwickelten Medienkonzerns News Corp lagen 4,6 Prozent im Minus. Weitere Schwergewichte wie Goldman Sachs, Bank of America, Apple, General Electric und Coca-Cola präsentieren ihre Quartalsberichte im Laufe der Woche.

Auch in Europa drückte die Sorge vor den südeuropäischen Schuldenländern einmal mehr die Aktien von Banken. Die Ergebnisse des Stresstests für den Sektor, brachten keine Entspannung. Im Gegenteil: Im Deutschen Aktienindex, der mehr als ein Prozent verlor, führten die Papiere von Deutscher Bank und Commerzbank die Verliererliste mit einem Minus von 3,4 bzw. 4,3 Prozent an. Die Ergebnisse der Bankenstresstests seien zwar etwas besser ausgefallen als erwartet, sagte Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. „Aber das wird die Märkte kaum beruhigen, solange es in Europa und den USA brennt.“

Politiker, Notenbanker und private Gläubiger streiten nach wie vor darüber, wie ein zweites Rettungspaket für Griechenland aussehen könnte. Das Land hat zurzeit 340 Milliarden Euro Schulden und kann diese am Kapitalmarkt angesichts massiv gestiegener Zinsen nicht refinanzieren. Daher braucht es Land dringend neue Finanzhilfen, um einen Zahlungsausfall zu verhindern. Im Gespräch ist ein Hilfspaket von bis zu 120 Milliarden Euro. Vor gut einem Jahr waren IWF und Euro-Staaten dem Land mit einem Notkredit in Höhe von 110 Mrd. Euro eingesprungen.

Ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten soll am Donnerstag den Weg aus der Schuldenkrise ebnen. Doch die Hoffnung der Märkte auf eine Lösung wurde am Montag umgehend gedämpft. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Gipfel zunächst als zu früh abgelehnt hatte, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert später, der Gipfel werde zwar Eckpunkte für ein zweites Griechenlandpaket bringen, der "große europäische Befreiungsschlag" werde aber nicht gelingen.

Eine Lösung, die einzig auf neue Kredite von Euro-Staaten und IWF aufbaut, wird es diesmal aller Voraussicht nach nicht geben. Die Politik drängt darauf, dass private Gläubiger an den Hilfen beteiligt werden. Das Problem: Ratingagenturen haben bereits signalisiert, dass sie jegliche Maßnahmen, bei denen die Forderungen der Gläubiger beschnitten werden, als Zahlungsausfall werten könnten. Dies könnte das Ansehen Griechenlands an den Märkten endgültig zerstören und auch andere Schuldenstaaten stark in Mitleidenschaft ziehen.

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EZB will keine Kompromisse eingehen

Kommentare zu " Schuldenkrise: Märkte verlieren den Glauben in die Politik"

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  • Nein, Spanien hat sehr viel mehr Netto Schulden gegenüber dem Ausland als Deutschland. Deutschland hat tatsächlich sogar gar keine Netto Schulden, sondern nur Netto Forderungen gegen das Ausland. Suchen Sie einfach mal in Wikipedia nach "Net International Investment Position".

  • JETZT bitte nochmal die Superexperten und Analysten vom Januar und Februar bringen....

    IHR SEIT NACKT und nicht nur lächerlich kurz sondern auch noch unheimlich dünn.

  • @Silvercoin82
    Zustimmung.
    das sollte längst gemacht werden:
    zitat:
    Dazu gehört auch ein weltweiter Schuldenschnitt und eine Enteignung der illegal erworbenen Reichtümer der Notenbanker.
    ---------
    Wer räumt in diesem Saftladen endlich auf?
    Da sind wirklich nur noch Traumtänzer am Ruder- blind- taub und fernab jeder Realität.

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