Schuldenkrise
Standard & Poor's straft Italien ab

Neuer Nackenschlag in der Schuldenkrise: Standard & Poor's zweifelt an Italiens Sparbemühungen. Die Ratingagentur stuft die Bonität des Landes herab. Die Reaktion an den Märkten folgt prompt.
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Washington/London/New York Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) verpasst Italien eine schlechtere Bonitätsnote. Mitten in der Zitterpartie um neue Finanzhilfen für das von der Pleite bedrohte Griechenland nährt die Herabstufung die Angst vor einem Übergreifen der Krise auf andere Staaten. An den asiatischen Devisenmärkten gab der Euro am Dienstag um über einen halben US-Cent nach auf 1,3610 Dollar . Die Tokioter Börse fiel im frühen Handel um 1,4 Prozent.

Die S&P-Experten begründeten ihren Schritt mit den schwachen Wachstumsaussichten des Landes. Diese würden auch durch das Reformprogramm der italienischen Regierung nicht entscheidend verbessert. S&P verwies auf die fragile Regierungskoalition in Rom und die politischen Differenzen im Parlament. „Wir glauben, dass das reduzierte Tempo von Italiens wirtschaftlicher Aktivität die revidierten Finanzziele der Regierung schwer erreichbar macht“, konstatierten die Experten. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird Regierungskreisen zufolge ihre Konjunkturprognosen für dieses und das kommende Jahr senken. Ein Sparpaket im Volumen von knapp 60 Milliarden Euro soll dazu beitragen, dass Italien bis 2013 einen ausgeglichenen Haushalt erreicht.

Die Agentur hat aber Zweifel, ob das Programm wirklich umgesetzt wird. „Wir glauben, dass die bisher reduzierte Geschwindigkeit von Italiens wirtschaftlicher Aktivität es schwer machen wird, die überarbeiteten Haushaltsziele der Regierung zu erreichen“, teilte Standard & Poor's mit. Die Agentur nannte dabei eine niedrige Beschäftigungsquote, einen ineffizienten öffentlicher Sektor und geringe Investitionen aus dem Ausland. „Aus unserer Sicht scheut sich die Regierung davor, diese Fragen anzugehen“, erklärte die Agentur mit Blick auf fehlende Strukturreformen.

Im schlimmsten Szenario geht Standard & Poor's davon aus aus, dass Italien 2012 in eine Rezession gerät. Die Wirtschaftsleistung würde dabei um 0,6 Prozent sinken, gefolgt von einer „bescheidenen Erholung“ in den Jahren 2013 und 2014.

Die langfristige Kreditwürdigkeit des Landes wird von S&P nun nur noch mit der Note „A“ bewertet, das ist eine Stufe niedriger als die bisherige Note „A+“. Der Ausblick für die weitere Bewertung bleibe negativ, teilte die Agentur mit.

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Kommentare zu " Schuldenkrise: Standard & Poor's straft Italien ab"

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  • @Wahlkampffinanzierung

    Eine gute Firma investiert in jedes als zukunftsfähig erscheinende Projekt.
    Und es ist ja nicht so, daß Flick damals eine ihm als wichtig erscheinende Partei bei der Finanzierung unterschlagen hätte.
    Die Präferenzen wurden damals mit der Höhe der Beträge ausgedrückt, sollte man sich nicht vollkommen täuschen.

  • Hat Obama kein Geld von Wallstreet bekommen für seinen Wahlkampf? Goldman und Sachs haben jedenfalls mitfinanziert und andere auch.

  • @B. Giertz
    auch der deutsche Staat lebt massiv über seine Verhältnisse. Nur der schwache Euro hat die Exporte unterstützt. Die Staatsverschuldung wird bei einer längeren Rezession und gleichzeitiger Fälligkeit der Bürgschaft gegenüber Griechenland explodieren und Deutschland ruinieren. Denn die Tilgung deutscher Verbindlichkeiten wird durch Ratingabstufungen teurer werden. Die CDS steigen doch jetzt schon je näher der Tag X(Pleite Griechenlands ) kommt.
    Im übrigen schauen Sie sich doch mal den deutschen Verwaltungsapparat an: Ueberversorgt und ineffizient nicht mehr zu finanzieren durch eine überalternde deutsche Gesellschaft. Wer wird dann bloss für Beamtenversorgung aufkommen? Schauen Sie nach Griechenland dann sehen was mit unproduktiven Beamten passiert? Wenn die Krise zu etwas gut ist, dann dafür die europaweiten Ueberhänge an Bürokraten abzubauen.

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