Schwäche der Landeswährung stützt Rohstoffaktien
Südafrikas Börse steigt auf Rekordhoch

Angetrieben von einem schwächeren Rand hat die Johannesburger Börse spürbar an Fahrt gewonnen und ist zu Wochenbeginn mit über 14 000 Punkten auf ein neues Allzeithoch geschnellt.

wd JOHANNESBURG. Die einheimische Währung war in der letzten Woche zeitweise auf sieben Rand je Dollar gefallen – und damit auf ihren tiefsten Stand in den vergangenen zwölf Monaten. Nachdem die südafrikanische Valuta noch im Vorjahr zu den weltweit stärksten Währungen gegenüber dem Dollar gezählt hatte, gehört der Rand in diesem Jahr zu den schwächsten und hat seit Anfang Januar rund 15 Prozent an Wert eingebüßt.

Nutznießer der Währungsschwäche sind erwartungsgemäß die großen Rohstoffhäuser am Kap, deren Aktien im vergangenen Monat um 15 Prozent zulegten. Die Konzerne profitieren zum einen, weil sie ihre Erlöse in Dollar erhalten; zum anderen, weil ihre Explorations- und Lohnkosten in Rand anfallen. Die jüngsten Zugewinne im Goldsektor sind umso bemerkenswerter, als der Preis des Metalls seit Wochen in einer engen Preisspanne von 415 bis 430 Dollar verharrt. Allerdings sind die Erlöse der südafrikanischen Goldproduzenten zuletzt stark gestiegen. Erhielten die Konzerne noch Anfang Mai für ein Kilo Gold nur 82 000 Rand (10 084 Euro), sind es nun fast 90000 Rand je Kilo.

Einen Rückschlag erlitt zuletzt Gold Fields: Die Aktie des weltweit viertgrößten Goldproduzenten verlor am Wochenende über sieben Prozent, nachdem der Erzrivale Harmony Gold rund die Hälfte seines Anteils an Gold Fields (11,5 Prozent) für 2,1 Mrd. Rand an institutionelle Anleger in den USA veräußerte. Harmony war vor drei Wochen mit der versuchten Übernahme von Gold Fields kläglich gescheitert. Dem Unternehmen war es in einer sieben Monate langen Übernahmeschlacht nicht gelungen, die angestrebte Mehrheit der Gold-Fields-Aktien zu übernehmen.

Zu den Triebfedern des Aufschwungs an der JSE zählt seit Wochen der Petrochemiekonzern Sasol, weltweit Marktführer bei der Umwandlung von Kohle und Gas in Treibstoff. Analysten haben errechnet, dass jeder Anstieg des Ölpreises um zehn Prozent die Profite des größten Industrieunternehmens am Kap um den gleichen Prozentsatz in die Höhe schraubt. In den vergangenen zwölf Monaten hat das der Aktie ein Plus von 60 Prozent beschert.

Weniger stark als die Rohstoffwerte sind in diesem Jahr die Titel von Banken und Einzelhändlern gestiegen, die 2004 wegen der vergleichsweise niedrigen Zinsen einen Zuwachs von rund 60 Prozent verzeichnet hatten. Wegen der anhaltend hohen Profitmargen hält Analyst John Biccard von Investec die Titel aber weiter für interessant. Skeptischer ist Goolam Ballim, Chefökonom bei Standard Bank. Er erwartet eine Konsolidierung des südafrikanischen Marktes. Vor allem bei den Bankwerten und im Einzelhandel sei Vorsicht geboten, weil die Bewertung ein äußerst hohes Niveau erreicht hätten, warnt er.

Statt dessen sollten Anleger nach Ansicht von Prieur du Plessis von Plexus Asset Management fortan die südafrikanischen Minenwerte wieder stärker in Betracht ziehen. So hat allein der Goldindex in den vergangenen drei Jahren wegen des starken Rands mehr als 50 Prozent an Wert verloren. Dies sei umso erstaunlicher, als der Goldpreis im gleichen Zeitraum um 35 Prozent zulegen konnte. Sollte sich die jüngste Abwertung des Rands zum Dollar fortsetzen, dürften die Bergbaukonzerne, allen voran die Goldproduzenten, laut du Plessis zu den größten Nutznießern dieser Entwicklung zählen.

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