Shutdown
Verrückte Börse! USA vor der Pleite, Kurse steigen

Der US-Haushaltsnotstand lässt die weltweiten Märkte kalt. Doch so entspannt, wie es scheint, ist die Lage nicht. Es drohen neue Gefahren. Erste Anzeichen für Turbulenzen gibt es bereits.
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DüsseldorfDer Haushaltsnotstand in den USA weckt Erinnerungen: Vor fast 18 Jahren lieferte sich der damalige Präsident Bill Clinton erbitterte Budgetschlachten mit einer republikanischen Parlamentsmehrheit. Damals stand die öffentliche Verwaltung vom 16. Dezember 1995 bis zum 6. Januar 1996 still. Wie heute blieben die Märkte auch damals gelassen. Von Panik keine Spur. Im Gegenteil: Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breitere S&P 500 legten sogar kräftig zu. Für den Dow Jones ging es von Anfang November bis Mitte Dezember um fast neun Prozent aufwärts, der S&P 500 legte sechs Prozent zu. Während des Notstands 1995 bewegten sich die Märkte fast gar nicht, legten aber in den Wochen nach der Einigung wieder zu.

Nun also die Neuauflage des Stillstands im öffentlichen Leben? Eine Neuauflage an der Börse? In den vergangenen Wochen, während Republikaner und Demokraten schon hitzig über den Haushalt stritten, legten Dow Jones und S&P leicht zu. Zwar konnte die Wall Street am Montagabend auf den sogenannten Government Shutdown noch nicht reagieren, doch zu Handelsschluss hatte sich bereits abgezeichnet, dass es keine Einigung gibt. Das Minus an den US-Börsen hielt sich aber in Grenzen. Der Dow Jones gab um 0,9 Prozent nach, der S&P 500 um 0,6 Prozent. Am Dienstag ging es aber dann auch an der Wall Street wieder aufwärts, von Untergangsstimmung keine Spur.

Auch an den Börsen in Asien und Europa hielt sich die Reaktion in Grenzen. Der Deutsche Aktienindex legte gut ein Prozent zu. Am Montag hatte er unter dem Eindruck des Haushaltsstreit noch 0,77 Prozent verloren. Der Euro Stoxx 50 rückte sogar um 1,2 Prozent vor. Die Börse in Tokio schloss mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent. „Die Reaktion der Märkte verwundert mich ein wenig“, sagt Bestseller-Autor und Professor Max Otte. „Aber irgendwo muss die Liquidität ja hin, nun fließt sie von den USA nach Europa.“

Nachdem die Aktienmärkte zuletzt wegen des Konflikts erheblich unter Druck standen, haben sich Händler und Investoren offenbar darauf eingestellt, dass es diesmal nicht mehr zu einer Einigung vor Ende der Frist kommen würde. „Die Börsen reagieren noch gelassen auf die partielle Schließung der US-Regierung“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank zu Handelsblatt Online. Das liege daran, dass dieses Verfahren nicht grundsätzlich neu sei. „Die konjunkturellen Auswirkungen haben sich in der Vergangenheit immer in Grenzen gehalten“, ergänzt er. „Das wird auch so bleiben, solange es „nur“ beim Shutdown bleibt.“

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Neue Gefahr droht Mitte Oktober

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Die Nervosität bleibt

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  • die Börse ist wie berlusconi.

  • Scheinbar ist vielen Kassandra-Rufern der alte Spruch „buy on bad news“ nicht mehr geläufig. Bewahrheitet sich aber immer wieder, trotz der heute veränderten Grundfunktion der Börse hin zur kasinohaften Zockerbude.
    Ich find es immer wieder lustig zu lesen, wie ein und dieselbe Aussage einmal vor fallenden Kursen und einmal vor steigenden Kursen warnt. Und vor allen Dingen hinterher immer wieder die gleichen Begründungen angeführt werden, warum ein Kursverlauf gerade so eingetreten ist, obgleich die identische Begründung ein paar Börsentage vorher für die entgegengesetzte Entwicklung herhalten musste.
    Warum sind eigentlich die hochherrschaftlichen Rating-Agenturen heute nicht genau so schnell dabei die USA im Rating neu einzustufen, wie sie es mit den europäischen Staaten gemacht haben. Langsam muss doch den USA mal das Papier für die Notenpresse ausgehen !

  • Ja, als nicht-dumm + Logical können Sie sich ja die Draghi-Schäuble Bonds kaufen, direkt aus der Druckerpresse. Vorsicht! die färben noch ab.

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