„Sichere Häfen“ nach dem Kursrutsch Aktien geben nach – der Goldkurs bleibt konstant

Erst die Wall Street, dann knickt der Dax ein. Und die Anleger? Sie gehen bereits auf Schnäppchenjagd. Die Reaktion der Märkte im Überblick.
Update: 06.02.2018 - 13:17 Uhr Kommentieren

Merkel angesichts Börsensturz: „Wir leben in unruhigen Zeiten“

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Nach dem Kurssturz an der Wall Street rauschen am Dienstag auch die Börsen in Europa in die Tiefe. Der Dax sackte um bis zu 3,6 Prozent auf 12.235 Punkte ab und verzeichnete das größte Minus seit eineinhalb Jahren. Am Vormittag reduzierte sich das Minus immerhin etwas.

Der US-Leitindex Dow Jones war am Montag um 4,6 Prozent auf 24.346 Punkte eingebrochen. Zeitweise stürzte er um fast 1600 Punkte ab – so viel wie noch nie in seiner Geschichte. Der EuroStoxx50 verlor ebenfalls zeitweise mehr als drei Prozent.

Eine notwendige Kurskorrektur, meint Martin Gilbert, Chef von Aberdeen Asset Management, via Kurznachrichtendienst Twitter. Seiner Meinung nach sind die Börsen aufgrund der expansiven Geldpolitik im Verhältnis zum realen Wirtschaftswachstum über Ziel hinausgeschossen.

Auch wenn der Absturz rasant war: Börsenexperten erwarten keine gravierenden Folgen für die Märkte, denn die sinkenden Kurse rufen Schnäppchenjäger auf den Markt. Viele Anleger seien im Zuge des Aufwärtstrends bis Ende Januar untätig an der Seitenlinie gestanden, erläuterte Analyst Tobias Basse von der Nord LB. „Sie könnten nun im Rahmen des Winterschlussverkaufs an den Börsen bei deutlich reduzierten Preisen zu Käufen neigen.“

In der kurzen Frist geht es aber erst einmal kräftig bergab. Denn: An den Aktienmärkten geht die Sorge um, dass die Zeiten des billigen Geldes bald vorbei sein könnten und die Leitzinsen weltweit schneller steigen als bisher erwartet. Geld schichten Anleger deshalb nun verstärkt in Anleihen um, die künftig wieder mehr Rendite abwerfen dürften. Die Reaktion der Anlageklassen im Überblick.

Gold

Trotz der kräftigen Kursverluste bei Aktien war Gold an den Märkten nur mäßig gefragt – was dafür spricht, dass eine längerfristige Korrektur noch nicht im Anmarsch ist. Das Edelmetall verteuerte sich am Dienstag um 0,23 Prozent auf 1343 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Seit Jahresanfang gewann Gold rund 2,6 Prozent. Trotz der Aktienverluste finde keine größere Flucht in sichere Häfen wie Gold und Staatsanleihen statt, kommentiert CMC-Analyst Jochen Stanzl: „Damit sitzen jetzt offenbar viele Handelssysteme und Anleger auf großen Barbeständen, die früher oder später wieder ihren Weg zurück in Aktien finden werden.“

Anleihen

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen ist mit derzeit rund 2,8 Prozent so hoch wie zuletzt vor vier Jahren. Die zehnjährigen Bundesanleihen rentieren bei gut 0,7 Prozent. Die griechische Regierung verschiebt aufgrund der Marktturbulenzen die Emission der siebenjährigen Staatsanleihe, meldet die Financial Time unter Berufung auf mit dem Vorgang vertrauten Personen. Laut griechischem Finanzministerium soll die Anleihe aber binnen dieser Woche ausgegeben werden, heißt es weiter. Ursprünglich war die Emission bereits im vergangenen Monat geplant, musste aber wegen unvollendeter Reformen geschoben werden.

Öl

Auch die Ölpreise sind am Dienstag gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete am Morgen 66,97 US-Dollar. Das waren 65 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Lieferung im März fiel um 63 Cent auf 63,52 Dollar.

Marktbeobachter erklärten die Verluste mit einer allgemein trüben Stimmung an den internationalen Finanzmärkten. Allerdings hielt sich der Rückgang der Ölpreise im Vergleich zur Talfahrt an führenden Aktienbörsen in Grenzen.

Kryptowährungen

Die virtuelle Leitwährung Bitcoin gab laut der Website coinmarketcap.com zuletzt um 15,5 Prozent nach und kostete am Dienstagmittag 6678 US-Dollar je Coin. Erstmals seit November fiel die virtuelle Währung zeitweise unter die Marke von 6000 US-Dollar.

Seit Dezember hat Bitcoin mehr als 70 Prozent an Wert verloren, und auch andere Digitalwährungen wie Ripple oder Ether oder Litecoin stehen seit Tagen unter einem erheblichen Verkaufsdruck und gaben im zweistelligen Prozentbereich nach.

Asiatische Börsen

Der Tag an der Tokioter Börse setzte am Dienstag fort, was die Börse in New York tags zuvor vorgemacht hatte. Bereits in den ersten zehn Minuten des Handels rutschte der Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt um 1000 Yen oder umgerechnet 4,5 Prozent.

Am Nachmittag sanken die Kurse weiter, bevor sie wieder stiegen. Letztlich ging der Nikkei mit 21.610,24 Yen 4,7 Prozent leichter aus dem Handel. Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda versuchte Investoren zu beruhigen und betonte, eine baldige Zinserhöhung sei ausgeschlossen.

Auch Hongkong wurde ähnlich stark getroffen. Der Hang-Seng-Index gab zwischenzeitlich um 5,5 Prozent nach, erholte sich aber wieder leicht. Doch je weiter die Märkte finanztechnisch von der Wall Street wegrückten, desto gelassener wurde der Kurssturz in New York gesehen. Südkoreas Kospi-Index beendete den Börsentag nur 1,5 Prozent unter dem Vortagsniveau. Und der Shanghai SE Composite Index verlor bis 14 Uhr Ortszeit nur 2,6 Prozent.

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