Sorgen macht auch wieder die Püntklichtkeit
Bahn will unprofitable Linien ausdünnen

Trotz einer Besserung des Geschäfts im Fernverkehr der Bahn wird die Sparte die Erwartungen für das Gesamtjahr nach derzeitigem Stand weit verfehlen. Konzernkreisen zufolge sollen daher mit dem Fahrplanwechsel im Dezember unprofitable Linien ausgedünnt und der ICE zu Lasten des IC gestärkt werden. Auch Preiserhöhungen werden weiter erwogen.

HB BERLIN. 2004 rechnet die Deutsche Bahn in der Sparte mit einem Betriebsverlust nach Zinsen von rund 260 Mill. Euro, wie aus Unterlagen der Unternehmens hervorgeht, die Reuters am Mittwoch vorlagen. Damit würden die ursprünglichen Planungen um gut 120 Mill. Euro verfehlt. Auch der Personenverkehr insgesamt - also Fern- und Regio-Züge sowie S-Bahnen und Busse - werden die Planzahlen um knapp 120 Millionen Euro verfehlen. Um vor allem den Fernverkehr wieder profitabel zu machen, sollen ab Dezember eine Reihe von Verbindungen aufgegeben werden. „Alle unprofitablen Linien stehen zur Disposition“, hieß es in den Kreisen nach einer Vorstandssitzung vom Dienstag. Sorgen macht im Fernverkehr auch wieder die Pünktlichkeit: Nach einer Besserung zu Beginn 2004 ließ die Zuverlässigkeit wieder nach. Ein Bahn-Sprecher sagte, es gebe noch keine Entscheidung über Preiserhöhungen.

Den Angaben zufolge will die Bahn verstärkt auf den ICE setzen und dafür den IC und den EC zurückdrängen. Dies würde eine versteckte Preiserhöhung bedeuten, da ICE-Fahrkarten teurer sind. Eine ähnliche Strategie hatte der Konzern schon früher mit der Aufgabe des Interregios verfolgt. Die von Bahnchef Hartmut Mehdorn bereits wegen der gestiegenen Energiepreise erwogenen Preiserhöhungen sind bei der Bahn weiter eine Option. Möglicherweise würde sie aber nicht flächendeckend im Fernverkehr umgesetzt, sondern würden sich nur auf einzelne Bereiche wie etwa die erste Klasse beziehen, hieß es in vorstandsnahen Kreisen.

Die Bahn will 2006 an die Börse. Für 2004 peilt der Konzern einen Betriebsgewinn von 310 Millionen Euro an. Wichtigste Größe ist dabei der Regio-Verkehr, der voraussichtlich die Planungen erfüllen wird. Der Personenverkehr insgesamt wird daher trotz der Verfehlung der Planzahlen den Unterlagen zufolge einen Betriebsgewinn von knapp 300 Mill. Euro in diesem Jahr erzielen. Die Umsätze des Bereichs Personenverkehr werden den Angaben zufolge um etwa 310 Mill. Euro unter den Erwartungen bleiben. Personen- und Güterverkehr sind bei der Bahn etwa je zur Hälfte für den Gesamtumsatz verantwortlich.

Im Juli blieb der Fernverkehr den Bahn-Unterlagen zufolge erneut hinter den Planungen zurück, der Betriebsverlust konnte aber auf knapp sechs Millionen Euro begrenzt werden. Unter Plan blieben aber auch Passagierzahlen und die Verkehrsleistung, also die Passagier-Zahl kombiniert mit gefahrenen Kilometern.Um die Verluste zu begrenzen, hat die Bahn zudem erneut bei den Investitionen gespart. Diese waren bereits im vergangenen Jahr drastisch zusammengestrichen worden. In der Sparte wurden bis Ende Juli rund 60 Millionen Euro weniger eingesetzt als der Plan vorsah.

Die Bahn wollte die Juli-Zahlen zum Fernverkehr nicht kommentieren. Die Pünktlichkeit hat im Fernverkehr den Kreisen zufolge zuletzt wieder nachgelassen. Nachdem Mehdorn für die erste Hälfte 2004 noch von einer Zuverlässigkeit von gut 90 Prozent gesprochen hatte, lag sie danach im August nur noch bei 82 Prozent. Erklärtes Ziel der Bahn war eine Quote von 95 Prozent.

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