Spanien
Börse nach Einheitsdemo im Aufwind

Eine Großdemonstration gegen die Unabhängigkeit Kataloniens beruhigt die Anleger in Spanien. Leit- und Bankenindex stiegen am Montag an. Vor der Übernahme der Amtsgeschäfte durch Madrid ist es ruhig in Katalonien.
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Frankfurt/Barcelona/MadridDie nachlassende Furcht vor einem Zerfall Spaniens gibt der dortigen Börse Auftrieb. Der spanische Leitindex stieg am Montag um 1,5 Prozent und der Bankenindex gewann sogar 2,2 Prozent. Spanische Anleihen waren ebenfalls gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,505 von 1,583 Prozent.

„Die Kontrahenten bleiben in der Sache zwar hart, bemühen sich aber augenscheinlich um Deeskalation”, urteilte Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank. „Zudem verschaffen sich die Gegner einer Abspaltung Kataloniens Gehör. Nichtsdestotrotz bleibt das ein Unruheherd.”

Am Wochenende hatten Hunderttausende in Barcelona gegen eine Unabhängigkeit Kataloniens demonstriert. Außerdem liegen die Separatisten in Umfragen leicht hinter den Unionisten. Am Freitag hatte sich Katalonien für unabhängig erklärt. Die Zentralregierung in Madrid stellte die Region daraufhin unter Zwangsverwaltung und kündigte Neuwahlen an.

Zwei Tage nach der Entmachtung der Separatisten in Katalonien herrschte im Regierungspalast in Barcelona weitestgehend Ruhe. Im Palau de la Generalitat gab es am Montagvormittag zunächst kaum Aktivität. Nur einige Beamte gingen ins Gebäude. Der Aufenthaltsort des abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont, der das Wochenende in seiner Heimatstadt Girona verbracht hatte, blieb zunächst unbekannt.

Die Staatsanwaltschaft wird nach Medienberichten schon am Montag oder spätestens am Dienstag Anklage gegen Puigdemont und weitere Angehörige der abgesetzten Regierung erheben. Auch die frühere Parlamentspräsidentin Carme Forcadell, die nach Inkrafttreten der Zwangsmaßnahmen und bis zur Neuwahl am 21. Dezember Vorsitzende des ständigen Ausschusses des Parlaments ist, soll demnach angeklagt werden. Untersuchungshaft werde die Justiz entgegen früheren Absichten aber wohl nicht beantragen, berichteten Medien unter Berufung auf Justizsprecher. Sollten sie wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt oder gar Rebellion verurteilt werden, drohen Puigdemont und Forcadell bis zu 30 Jahre Haft.

Puigdemont hüllte sich am Montag zunächst in Schweigen. Aber einige Angehörige des Separatistenlagers meldeten sich auf Twitter zu Wort. „Wir arbeiten weiter“, schrieb etwa Forcadell über einem Video, das sie beim Eintreffen im Parlamentsgebäude zeigte.

Der spanische Außenminister Alfonso Dastis geht davon aus, dass Katalonien nach der Wahl im Dezember Teil Spaniens bleibt. Mit Hilfe dieser vorgezogenen Wahl werde die Rechtsstaatlichkeit in Katalonien wiederhergestellt, sagte Dastis am Montag während eines Besuchs in der Ukraine. „Wir hoffen und gehen davon aus, dass Katalonien nach dieser Wahl wieder die gleiche Gesellschaft wie zuvor sein wird: offen und integriert.“

Wegen der Katalonien-Krise senkte die spanische Regierung ihre Wachstumsprognose für 2018 auf 2,3 von 2,6 Prozent. Im abgelaufenen Quartal kühlte sich die Konjunktur zwar etwas ab, mit einem Plus von 0,8 Prozent ist Spanien aber immer noch eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Euro-Zone.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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