Steigende Inflationsrisiken
Zinsangst lässt Chinas Börsen einbrechen

Nachdem die Inflation in China über fünf Prozent zu steigen droht, wird Peking jetzt voraussichtlich das verknappen. Das dürfte auf die Firmengewinne schlagen - weshalb die Anleger in Fernost jetzt massenhaft verkaufen.
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PEKING. Die Anleger in China ziehen aus Angst vor künftigen Zinserhöhungen ihr Kapital aus Aktien ab. Nachdem der Markt seit dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise kontinuierlich von billigem Konjunkturgeld getrieben war, stehen nun offenbar Zinserhöhungen durch die Zentralbank in Peking bevor. „Steigende Inflationsrisiken machen eine rechtzeitige Reaktion in der Geldpolitik nötig“, schreibt Helen Qiao von Goldman Sachs in Hongkong. Für die nahe Zukunft sei mit einer deutlichen Verknappung des Geldes für die Wirtschaft zu rechnen.

Im Oktober war die Inflation in China auf ein Zweijahreshoch von 4,4 Prozent gestiegen, wie das Statistikamt gestern mitteilte. Das läuft in der Konsequenz auf steigende Zinsen und eine geringere Kreditvergabe durch Chinas staatliche Banken hinaus – und wird so die Investitionen der Unternehmen belasten. Darunter wiederum würden in den kommenden Quartalen fast sicher die Gewinne leiden.

Deshalb trennen die Anleger sich von ihren Papieren: Kurz vor Handelsschluss stand der maßgebliche Börsenindex Shanghai Composite knapp fünf Prozent unter dem Vortageswert bei 2998 Zählern.

Auch an anderen Asien-Börsen gaben die Kurse nach. In Hongkong wurden Bankaktien billiger, sobald sich auf dem G20-Gipfel im südkoreanischen Seoul eine Einigung auf höhere Eigenkapitalregeln für Geldinstitute abzeichnete. In Tokio schloss der Nikkei-Index 1,4 Prozent schwächer. Der asienübergreifende MSCI Asia Pacific sank 1,5 Prozent. Keine Branche und kein Börsensegment blieben von dem Kursrutsch ausgenommen. „Die Angst vor strafferer Geldpolitik in China steht hinter dem Rückgang“, sagt Tim Leung von IG Investment in Hongkong der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die Leute werden nervös.“

In Peking verdichteten sich derweil die Gerüchte, dass schon am kommenden Wochenende ein Zinsschritt bevorstehe. Die People’s Bank of China gibt solche Nachrichten oft auch an Wochenende oder nachts bekannt. Angesicht der hohen Inflation, des überschießenden Wachstums, einer Blase am Immobilienmarkt und ansonsten niedriger Arbeitslosigkiet erscheint ein Zinsschritt sehr wahrscheinlich.

Goldman Sachs erwartet kurzfristig eine Erhöhung des Mindesreservesatzes für die Banken, was ebenfalls das Geld verknappt. „Wir sind aber der Ansicht, dass der Staatsrat bei Zinserhöhungen weiter vorsichtig bleiben wird“, schreibt Qiao. Die Investmentbank rechnet mit drei Zinsschritten von 0,25 Prozentpunkten im kommenden Jahr.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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