Stützung des Rubels
Georgien-Krise erschüttert Russlands Finanzmärkte

Obwohl die Kreml-Führung diesen Zusammenhang bestreitet: Die Georgien-Krise hat Russlands Börse fest im Griff. Seit dem Einmarsch zogen Kapitalanleger nach Angaben der Zentralbank 4,6 Mrd. Dollar aus Russland ab. Nun will die Zentralbank über eine Stützung des Rubels einen weiteren Abzug internationalen Kapitals verhindern.

MOSKAU. Zuletzt brachen die Aktienkurse kräftig ein und die Kosten zur Absicherung russischer Staatsanleihen gegen Zahlungsausfall stiegen auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Auslöser dessen sind schwächere Rohstoffpreise und Devisenmarkt-Interventionen der Zentralbank mit dem Ziel der Rubel-Stützung. Dieser war auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen. Der in US-Dollar errechnete RTS-Aktieninex brach am Freitag in der Spitze um bis zu 7,8 Prozent ein. In nur fünf Handelstagen hat er damit knapp elf Prozent verloren.

Seit dem Einmarsch der Russen in Georgien im August zogen Kapitalanleger nach Angaben der Zentralbank 4,6 Mrd. Dollar aus Russland ab. Diese Angaben werden jedoch angezweifelt: In Wirklichkeit dürfte sich die Kapitalflucht auf 10 bis 20 Mrd. Dollar belaufen. Die russische Zentralbank „musste intervenieren, da verstärkt Rubel-Investments abgestoßen wurden und Geld aus dem Land floss“, sagt Nigel Rendell von der Royal Bank of Canada der Nachrichtenagentur Bloomberg. In unsicheren Zweiten sei es vernünftig, sich aus Russland zurückzuziehen. Derzeit sehe die politische Lage nicht gut aus.

„In Zeiten drohender Sanktionen gegen Russland und erhöhter politischer Risiken ändern viele Investoren ihre Portfolios und konzentrieren sich auf andere Wachstumsmärkte“, sagt der Präsident des russischen Verbandes der Industriellen und Unternehmer, Alexander Schochin. Die russische Wirtschaft sei aber von ausländischem Kapital abhängig und hoffe deshalb auf eine baldige Rückkehr dieses Geldes.

Die Zentralbank in Moskau verkaufte Ende vergangener Woche zur Rubel-Stützung ausländische Devisen in einem „signifikanten Umfang“, sagte Alexej Uljukajew, der erste stellvertretende Vorsitzende der Bank. Russlands Währung hatte das Limit der festgesetzten Handelsspanne erreicht. Ein Eingreifen sei daher angemessen gewesen. Genaue Angaben zu der Höhe der Interventionen machte er nicht. Michail Galkin von der MDM Bank schätzt, dass die Zentralbank 4,5 Mrd. Dollar ausländischer Devisen verkauft hat.

Ministerpräsident Putin und Kremlchef Medwedjew hatten zuletzt betont, die Auseinandersetzung mit Georgien ziehe keine wirtschaftlichen Folgen nach sich. Schuldig an der Entwicklung sei allein die US-Finanzkrise. Allerdings räumte Putin kürzlich ein, dass in diesem Jahr mit 40 Mrd. Dollar nur halb soviel Kapital nach Russland strömen werde wie im Vorjahr. Dies sei nicht schlimm, weil so die Inflation gebremst werde. tom

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