Talfahrt in Tokio:
Nikkei fällt auf 26-Jahres-Tief

An den asiatischen Börsen dominieren auch zu Beginn der neuen Handelswoche hohe Kursverluste das Bild. In Japan zeigen sich die Anleger unbeeindruckt vom Rettungspaket der Regierung. Stattdessen drücken Sorgen um den starken Yen den Nikkei auf den tiefsten Stand seit 1982.

HB TOKIO. Wachsende Sorgen über einen hohen Kapitalbedarf japanischer Finanzhäuser haben die Börse in Tokio am Montag tief ins Minus gedrückt. Nach einem positiven Auftakt vollzog der Nikkei-Index eine Kehrtwende und baute die Verluste bis zum Handelsschluss auf 6,4 Prozent aus. Er schloss mit 7 162 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit 26 Jahren nicht mehr. Der breiter gefasste Topix-Index weitete seine Verluste auf zeitweise mehr als sieben Prozent auf 749 Zähler aus.

Auch an anderen asiatischen Handelsplätzen setzte sich der Abschwung zu Wochenbeginn fort. In Hongkong gab der Hang Seng Index gut vier Prozent nach, ebensoviel wie der Taiex-Index in Taiwan. Der CSI Index für in Schanghai und Shenzhen notierte chinesische Festlandaktien verlor mehr als fünf Prozent, der koreanische Kospi-Index sank um mehr als drei Prozent. Am härtesten traf es die Anleger auf den Philippinen: An der Börse in Manila gingen die Kurse zeitweise um rund 12 Prozent in die Knie.

In Tokio lasteten neben der Finanzkrise schwindende Wachstumsaussichten großer Export-Konzerne wie Canon auf dem Markt. Da der japanische Yen sich gegenüber dem Dollar verteuerte, rechneten die Händler mit schlechten Geschäften der Börsenschwergewichte. Canon-Anteile verbilligten sich um knapp sieben Prozent.

Die Aktien großer japanischer Banken verloren bis zu 15 Prozent. Anleger fürchteten, dass die Institute Milliarden Dollar brauchen, um die Folgen der Krise abzufedern. Allein der größte Kreditgeber des Landes, die Mitsubishi UFJ-Finanzgruppe, erwägt nach Angaben aus Finanzkreisen eine Kapitalerhöhung um umgerechnet knapp neun Milliarden Euro. Die Nummern zwei und drei am japanischen Bankenmarkt, Mizuho und Sumitomo Mitsui benötigen Medienberichten zufolge jeweils rund 4,3 Milliarden Euro.

Angesichts der Kurseinbrüche an der Börse hatte der japanische Regierungschef Taro Aso seine Regierung mit der unverzüglichen Ausarbeitung von Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes beauftragt. Aktienkurse beeinflussten stark die Realwirtschaft, begründete Aso seine Anordnung von Gegenmaßnahmen. Dazu gehören höher als zunächst geplante staatliche Mittel zur Rekapitalisierung von Banken. Statt zwei Billionen Yen soll die Obergrenze für solche staatlichen Finanzspritzen für angeschlagene Banken laut Medien nun zehn Billionen Yen (84 Mrd Euro) betragen.

Die japanische Regierung hatte zuvor dem Parlament einen Gesetzesentwurf zur Wiederaufnahme öffentlicher Finanzspritzen für Banken vorgelegt. Ein entsprechendes Rekapitalisierungsgesetz war erst im März ausgelaufen und soll nun angesichts der Finanzturbulenzen wieder aufgelegt werden. Dieses ermöglicht es dem Staat, den Regionalbanken bei der Stärkung ihrer Kapitalbasis zu helfen, um kleineren und mittleren Unternehmen die Finanzierung zu erleichtern. In jüngster Zeit war es zu einer Serie an Pleiten im Immobiliensektor gekommen. Dies trifft vor allem Regionalbanken.

Zu den weiteren erwogenen Maßnahmen gehören verschärfte Vorschriften für sogenannte Leerverkäufe von Aktien. Dabei handelt es sich um Verkäufe von Wertpapieren, die der Verkäufer zum Zeitpunkt der Veräußerung noch nicht besitzt. Er profitiert dann von dem Leerverkauf, wenn der verkaufte Wert im Preis sinkt. Solche Geschäfte werden als ein Faktor hinter den jüngsten Kursrückgängen gesehen. Premier Aso hat laut Medien ferner angeregt, die Anforderungen für das Eigenkapital der in Japan operierenden Banken zu lockern.

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