Terminbörse Chicago
Das Gebrüll an der Börse hat ein Ende

Lange wurde an der Terminbörse in Chicago gebrüllt und geschubst, um die besten Deals zu machen. Doch damit ist nun Schluss. Nach 160 Jahren schließt die CME Group den Parketthandel. Computer übernehmen den Job.
  • 0

New York/ChicagoDie älteste und weltgrößte Terminbörse in Chicago schafft den Parketthandel ab. Damit endet eine so langjährige wie originelle Tradition. Der technische Fortschritt macht das Gedränge und Gebrüll der Händler überflüssig. Aber nicht alles können Computer ersetzen.
Die vorderste Front des Finanzkapitalismus ist nichts für schwache Nerven: Das Gebrüll auf dem Börsenparkett ist so laut, dass viele Händler Handzeichen benutzen, um sich zu verständigen. Geraten die Zocker an der Chicagoer Terminbörse in Wallung, so wird der Parketthandel zum ungeschminkten Gesicht der Kasino-Finanzwelt in ihrer ruppigsten Form. Schweiß, Hektik, ohrenbetäubender Lärm, Nervenkitzel - ein Alltag zwischen Jackpot und Totalverlust. So geht es dort seit über 160 Jahren zu. Doch am heutigen Donnerstag ist Schluss.

Dann stellt die Börsenbetreiberin CME Group den physischen Futures-Handel in Chicago und auch in New York nahezu komplett ein. Futures sind Wetten auf die Kursentwicklung von Rohstoffen oder Wertpapieren, die der Spekulation oder der Absicherung gegen Preisrisiken dienen. Der elektronische Handel dominiert längst das Geschehen und lässt die Auftragseingabe per Zuruf und Zettel wie aus der Zeit gefallene Folklore erscheinen. Weniger als ein Prozent steuert der Parketthandel der CME zufolge nur noch zum Marktvolumen bei.

Damit geht auch eine lange und originelle Tradition zu Ende. „Es ist kein normaler Job“, sagt Händler Rob Prosniewski im Dokumentarfilm „Floored“, der tiefe Einblicke in die Szene bietet. Im „Pit“, so heißen die achteckigen Handelsplattformen, wird das hochriskante Geldgeschäft mit körperlicher Verausgabung kombiniert. Der Aufregungsfaktor ist hoch. „Alleine der Adrenalinschub - es ist Wahnsinn“, sagt Prosniewski. Kollegen sprechen von physischer Schwerstarbeit. Ellbogengesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes.

Kommentare zu " Terminbörse Chicago: Das Gebrüll an der Börse hat ein Ende"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%