Trotz Milliardenverlust Toshiba wendet Börsenrauswurf vorerst ab

Ein Bilanzskandal und die Insolvenz von Westinghouse Electric hatten Toshiba in eine schwere Krise gestürzt. Kurzzeitig drohte sogar ein Delisting von der Börse Tokio. Das konnte der Konzern aber vorerst verhindern.
Update: 10.08.2017 - 12:35 Uhr Kommentieren
Der japanische Technologiekonzern befindet sich in einer schweren Krise. Quelle: AP
Toshiba

Der japanische Technologiekonzern befindet sich in einer schweren Krise.

(Foto: AP)

TokioNach monatelangem Ringen haben die Buchprüfer doch noch grünes Licht für die Bilanz von Toshiba gegeben und damit wohl den Rauswurf des japanischen Konzerns von der Börse zunächst abgewendet. Die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers (PwC) versahen das Ergebnis für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr sowie für das erste Quartal mit einem eingeschränkten Bestätigungsvermerk, wie das Unternehmen mitteilte. Zugleich rügten die Prüfer aber die internen Kontrollen der Firma und hängten eine selten ausgestellte „negative Stellungnahme“ an. Die Verluste der mittlerweile insolventen US-Kraftwerkstochter Westinghouse hätten PwC zufolge früher verbucht werden müssen.

Ob das Konglomerat langfristig seine Börsennotierung behält, bleibt trotz des nun erteilten Prüfsiegels aber unsicher. Mit einem Delisting von der Tokioter Börse würde die 140 Jahre alte Firma eine wichtige Finanzierungsquelle verlieren. An der Börse läuft zurzeit ein Prüfverfahren zur Unternehmensführung, um über den Verbleib am Aktienmarkt zu entscheiden. Analysten hielten jedoch die Aufhebung der Börsenzulassung für unwahrscheinlich, solange die Prüfer die Bilanz absegneten.

Unabhängig von der Börsennotierung sind die Aussichten für den Konzern ungewiss. Toshiba will seine Chipsparte verkaufen und damit mindestens zwei Billionen Yen (umgerechnet gut 16 Milliarden Euro) einnehmen. Die Japaner brauchen das Geld dringend, um sich nach der Insolvenz der US-Kraftwerkstochter und damit verbundenen Verbindlichkeiten von 6,3 Milliarden Dollar neu aufzustellen. Ein Streit mit seinem Joint-Venture-Partner Western Digital hat den Verkaufsprozess aber ausgebremst.

Gleichwohl betonte Toshiba-Chef Satoshi Tsunakawa am Donnerstag, die Chipsparte noch in diesem Geschäftsjahr verkaufen zu wollen. Analysten zufolge müsste der Deal dann innerhalb der nächsten Wochen abgeschlossen werden, um den Verkauf angesichts der erwarteten monatelangen Überprüfung der Aufseher bis März unter Dach und Fach zu bringen. Als bevorzugte Bieter hatte Toshiba ein Konsortium des südkoreanischen Chipherstellers SK Hynix, der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital und zwei staatlich unterstützten japanischen Investmentfonds ausgewählt.

  • rtr
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