Übernahmepoker
Anleger strafen Postbank ab

Gelbe Karte für die Einstiegspläne der Deutschen Bank: Die Börse reagiert verhalten auf den geplanten Einstieg bei der Postbank. Während der bisherige Eigner Deutsche Post zulegt, strafen Anleger die Postbank kräftig ab.

HB DÜSSELDORF. Die Postbank ist der große Verlierer an der Börse. Gleich nach Handelseröffnung ging die Postbankaktie auf Talfahrt und verharrt auf niedrigem Niveau. Die Postbank-Papiere büßten mehr als vier Prozent ein. Die Ankündigung über den bevorstehenden Kauf der Postbank durch die Deutsche Bank hat Kursverlust ausgelöst. Beide Institute bestätigten gestern Abend, dass man bereits fortgeschrittene Gespräche über eine Beteiligung der größten deutschen Bank an der Finanztochter der Deutschen Post führe. Handelsblatt.com hatte bereits am Wochenende über den bevorstehenden Einstieg berichtet.

Nach dem Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank zeichnet sich damit die nächste Übernahme in der der hiesigen Finanzbranche ab. Damit nicht genug: Auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" gab DZ-Chef Wolfgang Kirsch gestern erstmals konkrete Termine bekannt und stellte als neue Struktur des dann drittgrößten Kreditinstitutes eine Steuerungs- und Strategieholding in Aussicht. Über deren Ausgestaltung solle allerdings erst nach erfolgter Fusion binnen der nächsten zwei Jahre entschieden werden.

Ob die Gespräche zwischen der Deutschen Bank und der Postbank zu einem Abschluss führen, sei jedoch offen, hieß es - wobei Finanz-Insider es für wahrscheinlich halten, dass sich die Parteien vor Freitag einigen. Schon bei einer Sitzung des Post-Aufsichtsrates Ende der Woche dürfte ihnen zufolge eine Entscheidung über den seit Monaten diskutierten Verkauf des Instituts fallen.

Den Kurssturz begründen Marktteilnehmer mit Gewinnmitnahmen. Die Aktien hatten an den Vortagen von Übernahmegerüchten profitiert. Hingegen gewinnt die Aktie der Deutschen Post zu sein. Die Aktien des Logistikers liegen gegen Mittag mit 1,2 Prozent im Plus. Post-Chef Frank Appel hatte im Juni den Startschuss für die Trennung von der Finanztochter gegeben.

Im Zuge von Finanzmarktkrise und rasch sinkender Aktienkurse und schrumpfte die Bewertung der Postbank von rund zehn Milliarden Euro im Frühjahr auf zuletzt rund sieben Milliarden Euro. Appel musste um seine angepeilten Verkaufserlöse fürchten. Die Gespräche mit der Deutschen Bank waren vor einigen Wochen denn auch zum Erliegen gekommen, da die Preisvorstellungen zu weit auseinanderklafften.

„Der Preis ist hoch - die Deutsche Bank zahlt eine Prämie dafür, dass sie die Postbank zunächst nicht vollständig übernimmt“, glaubt ein Händler an der Frankfurter Börse. Die Postbank-Aktie dürfte nach der Transaktion weiter verlieren und die Deutsche Bank erst zu niedrigeren Preisen die restlichen Stücke kaufen, denn „sonst hätte sie gleich alles nehmen können“.

UBS-Analyst Philipp Zieschang hält eine Übernahme durch die Deutsche Bank zwar immer noch für sinnvoll. Mögliches Aufwärtspotenzial für den Postbank-Kurs hänge aber sehr vom Kleingedruckten einer möglichen Transaktion ab. Das Kursziel für die Postbank senkte er von 62 auf 49 Euro.

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