Unruhe an der Börse
Dax erleidet plötzlichen Kursrutsch

An der Börse ist die Stimmung gekippt. Innerhalb kurzer Zeit verlor der Dax deutlich an Boden. Auch die US-Börsen und der Euro gaben kräftig nach. Verantwortlich sollen Aussagen eines führenden Notenbankers sein.
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FrankfurtEs war ein ganz normaler Handelstag. Der Dax kletterte am frühen Nachmittag bis auf 9718 Punkte. Doch gegen 15.30 Uhr sollte sich die Lage schlagartig ändern. Innerhalb kurzer Zeit gab der deutsche Leitindex deutlich nach – zeitweise um 1,7 Prozent bis auf 9482 Punkte.

Auch die US-Börsen notierten mit einem deutlichen Minus. Der Dow Jones fiel um 1,2 Prozent auf 17011 Punkte.

Bei der Suche nach Erklärungen waren Anleger zunächst ratlos. Die einen verwiesen auf schwache Konjunkturdaten. In den USA brachen die Auftragseingänge für langlebige Güter im August um 18,2 Prozent ein. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1992. Im Juli gab es allerdings noch einen Anstieg um 22,5 Prozent. Doch können diese Konjunkturdaten wirklich den Kursrutsch ausgelöst haben?

Wahrscheinlicher ist, dass es die Angst vor steigenden Zinsen ist, die die Investoren zittern lässt. Derzeit wird jede Aussage der führenden Notenbanken daraufhin abgeklopft, ob sie einen Hinweis auf höhere Zinsen enthalten könnte. Und deshalb dürfte die Börse heute besonders genau zugehört haben als Mark Carney, der Chef der Bank of England, die erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise in Aussicht stellte.

Die Zinswende „rückt näher“, sagte Carney am Donnerstag auf einer Konferenz im walisischen Newport. Allerdings folge die Notenbank keinem „festgelegten Kurs“, schränkte er ein. Zeitpunkt und Tempo einer Leitzins-Erhöhung hingen von der konjunkturellen Entwicklung ab.

Die britische Notenbank dürfte als erste der großen Zentralbank die Zinswende durchführen. Danach dürfte die Federal Reserve in den USA folgen. Börsianer gehen davon aus, dass die Fed den Leitzins Mitte 2015 anheben wird.

Niedrigzinsen und billiges Geld der Notenbanken waren ein wichtiger Treiber für die Börsenrally in den vergangenen Jahren. Sollten die Notenbanken ihren Kurs nun ändern, könnte den Börsen der Treibstoff ausgehen.

In der Euro-Zone dürften die Zinsen allerdings noch länger auf einem homöopathischen Niveau bleiben. Darauf deuten zum einen die schwachen Konjunkturdaten, zum anderen die niedrige Inflation hin. Einige Experten vertreten die Meinung, dass die Zentralbank außerdem weitere Finanzspritzen zur Verfügung stellen könnte.

Gestützt wurden die Gerüchte durch Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi. Auf der heutigen Konferenz zur Euro-Einführung in Litauen machte er nochmals deutlich, dass die Notenbanker bereit seien, „weitere unkonventionelle Instrumente“ einzusetzen.

Dem Euro taten die neuen Spekulationen weniger gut. Die Gemeinschaftswährung setzte den Sinkflug fort: Zwischenzeitlich rutschte der Euro sogar unter 1,26 Dollar. Zuletzt lag die Währung 0,3 Prozent im Minus bei 1,2737 Dollar.

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  • "Auch sonst: nicht Neues."

    Ist wahrscheinlich die richtige Beobachtung. Es gibt keinen echten Grund dafür. Da sind ein paar losgerannt und alle anderen hinterher. Vor dem Hintergrund der Zinsängste, Konjunktursorgen und sonst. Krisen ist die Nervositätslevel erhöht. Da wird sich so mancher fragen "Geht der große Abstieg morgen schon los?" *g*

    Wird Zeit, dass mal wieder ein paar Unternehmen was von ihren Ergebnissen berichten.

  • Mehr als 7000 Punkte ist doch der Dax eh nicht wert. Der jetzige Kurs ist total aufgelasen und dem lockeren Geld der Notenbanken zu schulden. Der große Absturz kommt noch so sicher wie das Amen in der Kirche.

  • Gegen 14.00 Uhr änderte sich die Richtung des DAX in Frankfurt gen Süden, erst langsam, dann immer schneller ging es ab gen Süden ins tiefe Rot.
    Aus USA lag noch kaum etwas interessantes vor.
    Auch sonst: nicht Neues.

    Allenfalls Carney von der BoE könnte sein Redeskript verlegt haben. Das ist denn auch die wahrscheinliche Erklärung für die Reise nach Süden.
    Immerhin wurde vor Monaten schon einmal die Zinserhöhung von der BoE angekündigt, dann von Carney zurück genommen, nun also erneut: bald steigen die Zinsen, vielleicht noch 2014.

    Dann folgt die Fed, will sie nicht zusehen, daß all die schönen Dollar gen Engelland fliegen. EZB-Draghi hat das gleiche Problem, wird daher wohl kaum lange ZIRP halten können, PIIGS-Mehrheiten hin oder her.

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