US-Börsen
Hoffnung beflügelt die Wall Street

Auch an der New Yorker Börse wächst die Hoffnung, dass die Euro-Zone die Schuldenkrise doch noch in den Griff bekommt. Das hebt die Kauflaune der Anleger. Für eine Aktie lief es allerdings gar nicht gut.
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New YorkDie Wall Street hat zum Wochenausklang den fünften Tag in Folge höher geschlossen. Gestützt wurden die New Yorker Börsen durch eine neue Welle der Zuversicht für Europa: Unter den Anlegern machte sich zunehmend Optimismus breit, dass die Euro-Zone den richtigen Weg zur Bewältigung ihrer Schuldenkrise eingeschlagen hat. Sollten allerdings reale Ergebnisse ausbleiben, drohten an den Börsen wieder Abschläge, warnte ein Investmentstratege.

Technologie-Werte wurden am Freitag durch einen Gewinneinbruch beim kanadischen Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) belastet. Die in den USA gehandelte Aktie stürzte rund 19 Prozent ab.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 11.532 und einem Tief von 11.407 Punkten. Er verabschiedete sich 0,7 Prozent höher bei 11.509 Zählern aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,6 Prozent auf 1216 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 0,6 Prozent auf 2622 Stellen. Auf Wochensicht ergibt sich für den Dow ein Gewinn von 4,7, für den S&P von 5,4 und für die Nasdaq von 6,3 Prozent. In Frankfurt schloss der Dax 1,2 Prozent im Plus bei 5573 Zählern.

Die Nachricht von der Dollar-Infusion der führenden Notenbanken weltweit habe wie ein Zündfunke gewirkt, sagte James Dailey von TEAM Asset Strategy Fund. Der Schritt vom Donnerstag gilt demnach als Beginn intensiverer Bemühungen zur Lösung der Euro-Schuldenkrise. Unter diesem Gesichtspunkt blickten die US-Anleger am Freitag verstärkt nach Polen, wo beim Treffen der Euro-Zonen-Finanzminister der Rettungsschirm EFSF Thema war. Der dort auch anwesende US-Finanzminister Timothy Geithner riet im Kampf gegen die Schuldenkrise zu einem stärkeren finanziellen Einsatz der Euro-Staaten. Doch damit blitzte er bei seinen europäischen Kollegen ab.

Vor allzu viel Europa-Euphorie warnte Mark Luschini, Chef-Investmentstratege bei Janney Montgomery Scott. „Es gibt immer noch eine Menge offener Fragen, weshalb die Entwicklung weiter ziemlich ungewiss bleibt.“ Die ganzen Gewinne der vergangenen fünf Tage könnten verloren gehen, sollten eine reale Verbesserung jenseits des Atlantiks ausbleiben, sagte Luschini.

Zu den größten Verlierern am US-Aktienmarkt gehörte RIM mit einem Minus von rund 19 Prozent. Das Unternehmen büßt auf dem Smartphone-Markt zunehmend Boden ein.

Im Vergleich zu Apples iPhone oder den Handys mit Googles Android-Betriebssystem waren die teilweise veralteten Blackberrys im zweiten Quartal Ladenhüter. In diesem fielen der Reingewinn um 47 Prozent auf 419 Millionen Dollar und der Umsatz um neun Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Apple-Titel lagen 1,9 Prozent im Plus.

Der Mischkonzern General Electric erntete auf dem Parkett Applaus für zwei neue Gemeinschaftsunternehmen in Russland. GE-Aktien verteuerten sich um 1,5 Prozent. An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,8 Milliarden Aktien den Besitzer. 1508 Werte legten zu, 1457 gaben nach und 107 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von etwa 2,8 Milliarden Aktien 1388 Titel im Plus, 1214 im Minus und 88 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Gier macht blind und dumm!

  • „Die Stimmung an der Börse bessert sich. Das zieht viele Aktien hoch“. So so.
    Die Junkies wurden wieder mit Heroin durch die Zentralbanken versorgt. Dies hat weder etwas mit einer wirtschaftlichen Erholung, noch mit Wachstumserwartungen zu tun.
    Eigentlich war dies ein (letzter?) Verzweiflungsakt der Notenbanken, um den Crash unseres Finanzsystems noch mal ein paar Wochen, vielleicht Monate rauszuschieben.
    Die berechtigte Angst in Europa, dass der große Rettungsschirm am Widerstand weitsichtiger Politiker aus der Slowakei und Österreichs, vielleicht sogar Deutschlands scheitert, zwingt die EZB dazu, entgegen allen Vereinbarungen, Verträgen und Gesetzen, für die nächsten Monate unbegrenzt Schrottanleihen der PIIG(F,F,F,F,F)S aufzukaufen. Rettung in letzter Minute für Frankreichs Banken. Sonst hätte Frankreich nächste Woche Insolvenz anmelden müssen, noch vor Griechenland.

    Und dass die Junkies jetzt unbegrenzt von der Zentralbank Steuergelder zum Zocken erhalten, weil sonst auch die Börsen im September kollabiert wären, hat das Armageddon nicht verhindert – sondern lediglich wieder für ein paar Monate hinausgeschoben. Eine sich abzeichnende Rezession trifft auf eine Hyperinflation, eine ganz neue Konstellation. Dagegen war die große Depression von 1929 Peanuts.

    Ohne einen Reset im Finanzsystem und einer Trennung von Geschäfts- und Zockerbanken, das UK hat es bereits beschlossen, wird es keinen Aufschwung in den westlichen Industrieländern geben. Auch eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Börsen wieder ihren Zweck für die Realwirtschaft erfüllen und nicht zum Spielcasino missbraucht werden, die von unfähigen Politikern gesetzeswidrig mit Steuergeldern überschüttet werden.

    Jedes Jahr, das ungenutzt verstreicht und die grundlegende Änderung unseres Finanzsystems hinausgeschoben wird, ist ein verlorenes Jahr. Das Siechtum wird durch immer höhere Schulden verlängert. Japan im Quadrat wäre die Alternative zu einem Reset, den nur die Bankster fürchten.

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