US-Börsen
Nvidia-Aktie bricht nach Gewinnwarnung ein

Hat die Wirtschaftskrise jetzt tatsächlich den High-Tech-Sektor erreicht? Der Kurs des kalifornischen Chipspezialisten Nvida kollabierte nach einer massiven Gewinnwarnung. Nvidia-Grafikchips und Grafikkarten sind in vielen Computern in Privathaushalten und Unternehmen verbaut. Die Nachricht schlug an Wall Street ein wie eine Bombe.

NEW YORK. Nvidia erwartet für das am 27. Juli 2008 endende zweite Quartal seines Geschäftsjahres 2008/2009 jetzt einen Umsatzenbruch und weniger Gewinn als im ersten Quartal. Das teilte das Unternehmen gegenüber der Börsenaufsicht mit. Der Umsatz sackt von damals 1,15 Mrd. Dollar auf voraussichtlich rund 850 bis 950 Mill. Dollar ab.

Bisher war von Analysten mit einer Abschwächung auf schlimmstenfalls 1,1 Mrd. Dollar gerechnet worden. Begründet wird der Einbruch mit einer Abschwächung in den Endkundenmärkten, dem verzögerte Start eines neuen Media- und Kommunikationsprozessors (MCP) sowie Preissenkungen bei Grafikchips aufgrund eines stärkeren Wettbewerbs. Die kompletten Quartalszahlen sollen am 12. August vorgelegt werden, so Nvidia.

Der Schock trifft die Wall Street zu einem sensiblen Zeitpunkt; jetzt beginnt die Quartalssaison und Firmen wie der Chiphersteller AMD gaben im Gleichklang mit der Nvidia-Aktie schon einmal nach.

Mehrere Analysten korrigierten ihre Kursziele für Nvidia bereits deutlich nach unten, Citibank etwa auf 19 Dollar (nach 25 Dollar), Piper Jaffray von 24 auf 16 Dollar. Die Nvidia-Aktie selber musste den schlimmsten Kurssturz seit gut vier Jahren verkraften, zeitweilig um bis zu 30 Prozent.

Zusätzlich muss Nvidia auch noch im Quartal 150 bis 200 Mill. Dollar in Garantiefälle, Rückgaben und Ersatzlieferungen für defekte Prozessoren investieren. Es war zu zahlreichen Defekten bei bestimmten Baumustern gekommen. Mit den maximal 200 Mill. Dollar geht Nvidia davon aus, alle Schäden abdecken zu können.

Fatalerweise treten die Defekte ausschließlich bei Notebooks auf. Anders als bei PCs können defekte Grafikkarten hier in der Regel nicht einfach gegen neue ausgetauscht werden, da die Chips oft fest verlötet sind. Derzeit führe Nvidia Gespräche mit seinen Lieferanten und prüfe, ob diese Schäden durch Versicherungen abgedeckt sein könnten.

Der Preiskampf bei Grafikchips hat sich verschärft, seit der Chiphersteller AMD Ende 2006 den Nvidia-Konkurrenten ATI übernommen hat. Erst jüngst hat AMD die erste komplett neue Laptop-Plattform ("Puma") seit der Übernahme vorgestellt. Puma bietet den PC- und Laptop-Herstellern optimal aufeinander abgestimmte AMD-Prozessoren und ATI-Grafikchips.

Bei dem Produktverzögerungen gehen Brancheninsider davon aus, dass es sich um eine neue Generation von Grafikchips handelt, die den Marktführer Intel bei so genannten integrierten Grafikchips für Centrino-Notebooks angreifen sollen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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