US-Geldpolitik
Bernanke überrascht die Börsen

Die Fed vertagt die Wende in der US-Geldpolitik. Vorerst bleiben die Geldschleusen geöffnet, die milliardenschweren Ankäufe werden fortgesetzt. Die Börsen reagieren mit deutlichen Kursgewinnen - und Kritik.
  • 34

WashingtonDie US-Notenbank Fed hat den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes völlig überraschend wieder auf die lange Bank geschoben. Die Zentralbanker um Fed-Chef Ben Bernanke entschieden am Mittwoch, den Umfang der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilien-Papieren bei 85 Milliarden Dollar zu belassen. Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Zentralbank diese Konjunkturhilfen auf 75 Milliarden Dollar pro Monat stutzen würde. Doch die Fed hält die Wirtschaft für noch nicht robust genug, um ohne Geldspritzen in der bisherigen Dosis auskommen zu können.

„Um die Wahrheit zu sagen, ich bin wirklich erschüttert“, erklärte Chef-Marktstratege Joseph Trevisani von WorldwideMarkets. Die Aktienmärkte in New York reagierten mit deutlichen Kursgewinnen. Der Dow-Jones -Index drehte ins Plus und legte 0,8 Prozent zu. Er markierte zwischenzeitlich ein Rekordhoch bei 15.664 Punkten. Der Dollar stürzte auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten ab. Der Euro kostete 1,3470 Dollar.

Der Offenmarkt-Ausschuss der Fed erklärte, noch auf mehr „Hinweise auf nachhaltige Fortschritte“ bei der Wirtschaftserholung warten zu wollen. Mit den Bond-Käufen drückt die Notenbank die langfristigen Zinsen für Immobilien-Papiere und Staatsanleihen. Damit werden unter anderem Hauskäufe lukrativer.

Am ultra-niedrigen Leitzins von null bis 0,25 Prozent will die Notenbank aber noch mindestens solange festhalten, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent verharrt. Im August lag sie bei 7,3 Prozent.

Nach Ansicht von zwölf der 17 Fed-Notenbanker ist 2015 der richtige Zeitpunkt, um die Zinszügel wieder anzuziehen. Die Notenbank blickt mittlerweile pessimistischer auf die Wirtschaft als noch vor drei Monaten: Die Fed erwartet für 2014 ein Wachstum von durchschnittlich 3,0 Prozent. Im Juni hatte sie noch 3,25 Prozent veranschlagt.

Bernanke hatte im Mai in Aussicht gestellt, die Konjunkturhilfen zu stutzen, sollte sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholen. Mit ihren Geldspritzen hat die Notenbank in den vergangenen Jahren ihre Bilanz massiv aufgebläht - auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Allein das im September 2012 aufgelegte Ankaufprogramm dürfte bei einer Laufzeit bis Ende 2014 Experten zufolge rund 1,3 Billionen Dollar verschlingen.

Kritiker werfen der Fed vor, eine neue Preisblase - etwa am Immobilienmarkt - zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten. Bernanke ist noch bis Anfang 2014 im Amt. Seine Nachfolgerin wird vermutlich die Vize-Chefin Janet Yellen. Präsident Barack Obama will die Personalie im Herbst entscheiden. Ein Vertreter des US-Präsidialamts sagte am Mittwoch, Yellen sei die führende Kandidatin. Der frühere Finanzminister Lawrence Summers hatte zuletzt seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Yellen wäre in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Sie steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Geldpolitik: Bernanke überrascht die Börsen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die reine Verzweiflung!

    Europa folgt diesem Beispiel bis in der Untergang.

  • Darf ich mal Folgendes zu überlegen geben? Kennen "Sie Austin Powers", die James Bond Parodie? Es gab da so vor gut 10 Jahren eine Folge, ich glaube "Goldständer", da wollte der zuvor 30 Jahre eingefrorene Dr. Evil von den versammelten Weltführern "Eine Million Dollar in bar", sonst würde er diverse Großstädte mit seiner Neutronenwaffe zerstören. Die Reaktion war Gelächter. Nach einem Wink seiner "Nr. 2" korrigierte er sich und verlangte jetzt " 100 Milliarden Dollar". Die Reaktion war nun Entsetzen. Jemand sagte: "So viel Geld gibt es doch auf der ganzen Welt nicht."
    Heute, ca. 10 Jahre später, sind 100 Milliarden Dollar in volkswirtschaftlichen Dimensionen ein Witz. Verstehen Sie jetzt, warum manche Menschen Inflation für möglich halten?

  • gell???
    Mit Monsterblase bin ich einverstanden. Aber, was passiert mit der?
    Woiss i no et...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%