US-Geldpolitik

Bernanke überrascht die Börsen

Die Fed vertagt die Wende in der US-Geldpolitik. Vorerst bleiben die Geldschleusen geöffnet, die milliardenschweren Ankäufe werden fortgesetzt. Die Börsen reagieren mit deutlichen Kursgewinnen - und Kritik.
Update: 18.09.2013 - 20:51 Uhr 34 Kommentare

US-Notenbank: Die Anleihenkäufe gehen weiter

WashingtonDie US-Notenbank Fed hat den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes völlig überraschend wieder auf die lange Bank geschoben. Die Zentralbanker um Fed-Chef Ben Bernanke entschieden am Mittwoch, den Umfang der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilien-Papieren bei 85 Milliarden Dollar zu belassen. Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Zentralbank diese Konjunkturhilfen auf 75 Milliarden Dollar pro Monat stutzen würde. Doch die Fed hält die Wirtschaft für noch nicht robust genug, um ohne Geldspritzen in der bisherigen Dosis auskommen zu können.

„Um die Wahrheit zu sagen, ich bin wirklich erschüttert“, erklärte Chef-Marktstratege Joseph Trevisani von WorldwideMarkets. Die Aktienmärkte in New York reagierten mit deutlichen Kursgewinnen. Der Dow-Jones -Index drehte ins Plus und legte 0,8 Prozent zu. Er markierte zwischenzeitlich ein Rekordhoch bei 15.664 Punkten. Der Dollar stürzte auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten ab. Der Euro kostete 1,3470 Dollar.

Der Offenmarkt-Ausschuss der Fed erklärte, noch auf mehr „Hinweise auf nachhaltige Fortschritte“ bei der Wirtschaftserholung warten zu wollen. Mit den Bond-Käufen drückt die Notenbank die langfristigen Zinsen für Immobilien-Papiere und Staatsanleihen. Damit werden unter anderem Hauskäufe lukrativer.

Fed-Chef Ben Bernanke bleibt der lockeren Geldpolitik treu. Quelle: dpa

Fed-Chef Ben Bernanke bleibt der lockeren Geldpolitik treu.

(Foto: dpa)

Am ultra-niedrigen Leitzins von null bis 0,25 Prozent will die Notenbank aber noch mindestens solange festhalten, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent verharrt. Im August lag sie bei 7,3 Prozent.

Nach Ansicht von zwölf der 17 Fed-Notenbanker ist 2015 der richtige Zeitpunkt, um die Zinszügel wieder anzuziehen. Die Notenbank blickt mittlerweile pessimistischer auf die Wirtschaft als noch vor drei Monaten: Die Fed erwartet für 2014 ein Wachstum von durchschnittlich 3,0 Prozent. Im Juni hatte sie noch 3,25 Prozent veranschlagt.

Bernanke hatte im Mai in Aussicht gestellt, die Konjunkturhilfen zu stutzen, sollte sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholen. Mit ihren Geldspritzen hat die Notenbank in den vergangenen Jahren ihre Bilanz massiv aufgebläht - auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Allein das im September 2012 aufgelegte Ankaufprogramm dürfte bei einer Laufzeit bis Ende 2014 Experten zufolge rund 1,3 Billionen Dollar verschlingen.

Kritiker werfen der Fed vor, eine neue Preisblase - etwa am Immobilienmarkt - zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten. Bernanke ist noch bis Anfang 2014 im Amt. Seine Nachfolgerin wird vermutlich die Vize-Chefin Janet Yellen. Präsident Barack Obama will die Personalie im Herbst entscheiden. Ein Vertreter des US-Präsidialamts sagte am Mittwoch, Yellen sei die führende Kandidatin. Der frühere Finanzminister Lawrence Summers hatte zuletzt seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Yellen wäre in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Sie steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: US-Geldpolitik - Bernanke überrascht die Börsen

34 Kommentare zu "US-Geldpolitik: Bernanke überrascht die Börsen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die reine Verzweiflung!

    Europa folgt diesem Beispiel bis in der Untergang.

  • Darf ich mal Folgendes zu überlegen geben? Kennen "Sie Austin Powers", die James Bond Parodie? Es gab da so vor gut 10 Jahren eine Folge, ich glaube "Goldständer", da wollte der zuvor 30 Jahre eingefrorene Dr. Evil von den versammelten Weltführern "Eine Million Dollar in bar", sonst würde er diverse Großstädte mit seiner Neutronenwaffe zerstören. Die Reaktion war Gelächter. Nach einem Wink seiner "Nr. 2" korrigierte er sich und verlangte jetzt " 100 Milliarden Dollar". Die Reaktion war nun Entsetzen. Jemand sagte: "So viel Geld gibt es doch auf der ganzen Welt nicht."
    Heute, ca. 10 Jahre später, sind 100 Milliarden Dollar in volkswirtschaftlichen Dimensionen ein Witz. Verstehen Sie jetzt, warum manche Menschen Inflation für möglich halten?

  • gell???
    Mit Monsterblase bin ich einverstanden. Aber, was passiert mit der?
    Woiss i no et...

  • Nun wird man sich wohl ernsthaft mit dem neuesten Produkt(Geld im weitesten Sinne) auseinandersetzen müssen: brauchen wir es? wer wird es erwerben? wozu ist es nütze? was bewirkt es?
    Letzteres ist am einfachsten zu beantworten: es bewirkt die Bilanzsanierung von Finanzinstituten. Und was hilft das?

  • Wenn ich Bernake wäre, würde ich ganz langsam reduzieren: jeden Monat 1 Mrd. weniger Anleihenkauf. Dann langsam steigern, also 1 Mrd. 1,1 Mrd, 1,2 Mrd usw. Wenn die Wirtschaft zu heftig reagiert, die Reduktionsmenge wieder etwas reduzieren. So könnten sich alle daran gewöhnen.

  • @Angelika

    Die alten Daddys und die Neoliberalen auf der Veranstaltung haben doch nur angst um Ihr vermögen und hetzen gegen Europa.

    Hankel bekommt nicht einmal mit, dass die Neoliberalen CSozialdarwinisten!) ihn benutzen und steuern!!

    Darauf kann jeder verzichten. Denn auch diese Altherrenriege einschl. der AfD geht es NUR ums EIGENE VERMÖGEN!! Denen sind die Armen Würstchen, die jetzt in Griechenland hungern und verlenden scheissegal. Die Verlogenheit der Menschen ist wirklich unglaublich!

    Und die Neoliberalen sind für mich reine Faschisten!! Denen es NUR UM DIE PRIVATISIERUNG UND SOMIT LEZTENDLICH UM DIE EIGENE BEREICHERUNG GEHT. Während die Masse verarmt! Nichts anderes hatten die Nazi damals in Deutschland selber getan!

    Es gibt im Netz genug IDEOLOGIEFREIES zum Thema Euro, Kapitalismuskrise! Die Eurokrise ist das größte LÜGENMÄRCHEN DER POLITIKER!! Wir haben KEINE Eurokrise, sondern Kapitalismuskrise, wie immer im Endspiel dieses Schneeballsystems!

    Da ist Krysmanski seine Studie zum Superreichtum, seine auf Fakten basierten Analysen doch ehrlicher und vorallem treffender!!

    Die Reichen wollen ihr Geld vermehren, bekämpfen sich gegenseitig mit Zocken an den Börsen. Während die Masse somit weiter verarmt.

    Das SPIEL HIEß SCHON IMMER FRESSEN UND GEFRESSEN WERDEN!!

    Lesen Sie Krysmanski...vorausgesetzt Sie sind ideologiefrei und intelligent :)





    Hankel, Sinn u.a. sollen doch mal ihre Rente in Ruhe geniessen.

  • @TimoE ihre geschönten Zahlen spiegeln nicht die Wirklichkeit in den USA und das wissen Sie, sowie jeder der sich mit den USA auskennt.

  • Langfristig in Unternehmen investieren ist nicht Zockerei und jeder ist dazu berechtigt. Ich habe schon als Zivildienstleistender kleine Beträge in große Unternehmen investiert und bin damit sehr gut gefahren, man braucht dafür keinen 100.000 Euro Job. Wenn man gutes Risikomanagement betreibt, dann ist das durchaus als Altersvorsorge geeignet.

  • Das P/e vom s&p 500 liegt völlig im normalen Rahmen bei knapp 20.
    70% aller Amerikaner haben nichts mit Blasen zu tun, dazu ist auch noch die Zahl falsch. 4/5 Quantilen haben in den USA eine höhere Kaufkraft als in Deutschland und die durchschnittlichen Wochenstunden liegen über 30. Ka, was sie da für Zahlen erfinden.

    Inflation wird hedonisch berechnet und das ist hier genauso und international Standard.
    mfg

  • @budekins. bist du auch ein fipsi. scheint so und dass es auch dich trifft hast du wohl noch nicht begriffen, oder reichen schon die bonis. kuck dich mal bei den Realisten um, schatzi


    (...)


    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%