US-Notenbank
„Handel mit dem Teufel“

Erneut flutet die US-Notenbank die Finanzmärkte mit frischen Dollar. Doch die Strategie der Währungshüter ist hochriskant. Der Dollar verliert weiter an Wert, Rohstoffe werden immer teurer – und die Parteibosse in Peking sind zutiefst verärgert. Experten fürchten bereits den nächsten Crash. Ein Notenbanker spricht von einem Handel mit dem Teufel.
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FRANKFURT. Die Federal Reserve (Fed) wirft erneut die Druckerpresse an. Für 600 Milliarden Dollar kaufen die Notenbanker US-Staatsanleihen an und pumpen so erneut Liquidität in die Märkte. Fed-Chef Ben Bernanke will die schwache Konjunktur stützen - koste es, was es wolle.

Ob der Plan gelingt, ist bei Experten umstritten. Charles Plosser etwa, Fed-Präsident von Philadelphia, schätzt, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht so bald bessern werde - trotz der Milliarden aus der Notenpresse. Jan Hatzius, Chefökonom von Goldman Sachs sprach von einem "bedeutsamen", aber keinem "dramatischen" Schachzug der Fed.

Das viele Geld, das die US-Notenbanker in die Märkte pumpen, facht vor allem die Inflationssorgen der Investoren an. "Die abermalige Lockerung der US-Geldpolitik ist natürlich nicht ohne Risiken", sagt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Es bestehe die Gefahr, dass die Fed der Wirtschaft eine "Überdosis" an frischen Dollars verabreiche. "Zuletzt haben Konjunkturdaten aus den USA eher positiv überrascht, was für eine anziehende Wirtschaft spricht." Thomas Hoenig, Präsident der Fed-Filiale in Kansas City, nannte die laxe Geldpolitik einen "Handel mit dem Teufel". Hoenig hatte bei der Notenbanksitzung tags zuvor als einziger gegen den neuerlichen Ankauf von Staatsanleihen gestimmt. Er fürchtet, dass die Fed-Strategie langfristig die US-Wirtschaft destabilisieren könnte.

Nicht wenige fühlen sich an den Beginn des Jahrtausends erinnert, die Zeit, nachdem die Internetblase geplatzt war. Alan Greenspan, der damalige Fed-Chef, flutete die Märkte mit billigem Geld, wurde anfangs dafür von der Wall Street gefeiert. Doch die Party währte nicht lange, Greenspans Strategie führte geradewegs in die nächste Krise. Deren Auswirkungen versucht sein Nachfolger Ben Bernanke gerade zu bekämpfen - wieder mit billigen Dollars. "Die Parallelen zu 2003 sind sehr nah, als die Fed einen maximalen Grad an Panik wegen eines befürchteten Preisverfalls an den Tag legte, die Inflation aber tatsächlich schon wieder Fahrt aufnahm", sagte Stephen Stanley, Ex-Analyst bei der Federal Reserve, der Agentur Bloomberg.

Olivier Blanchard, Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), sieht steigende Inflationsraten nicht als Problem. „Wenn das Inflation erzeugt, dann wäre das nicht das Ende der Welt“, sagte der IWF-Chefvolkswirt dem französischen Radiosender „Europe 1“. „Denn die USA befinden sich in einer Phase sehr niedriger Inflation, und es gibt die Gefahr einer Deflation.“ Blanchard hatte zu Jahresbeginn schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte er den Notenbankern und Finanzpolitikern vorgeschlagen, die Zielmarke für die Inflationsrate von zwei auf vier Prozent zu verdoppeln.

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  • Realist du bleibst von den regeln des finanzmarktes und wie er funktioniert weit weg,die rasierklinge sitzt nicht am gesäss im gegenteil sie ist bedrohlich nahe an der Lebensader ,wenn es von einer sache viel gibt wird sie wertlos,das man nun mit den big stickkk in der hinterhand versucht sein lebensstandart von anderen bezahlen zu lassen,ist kurzlebig und der exportweltmeister wird mit frischgedruckten bezahlt eigenartiges handelsgebaren,aber wie dein name schon sagt,er ist nicht dein ding,ehr stehst du für zeudo sachen.

  • Klar, die "Welt" flucht. Ein großer Teil jedenfalls! Zu recht?

    Natürlich nicht zu recht. Wer jahrzehntelang (!) auf die exzessiven Amerikaner schimpft, zugleich aber Milliarden von USD im bestand hat, möge sich an die eigene Nase fassen, falls er heute kein Vertrauen in den USD hat. (begeistert auf der Rasierklinge reiten, aber kräftig auf "Wilkinson" schimpfen, wenn es weh tut.)
    Die Strategie der Amerikaner ist nachvollziehbar, für den "Rest" der Welt aber eben hart. Der Falke wird, entgegen der wunderlichen Prognosen, weiter fliegen.

    Man muss nicht überrascht sein, wenn die amerikanisch Strategie der Deutschen mittel und langfristig weit überlegen ist. Die Einen schmieren die Wirtschaft mittels "Geldmenge", die Anderen steigern die Sozialleistungen Jahr um Jahr mittels "Pump" auf neue Rekorde und gewöhnen weiten Teilen der bevölkerung so das Arbeiten systematisch ab.

  • Do not ask what your country can do for you, but what you can do for your country - Kennedy bevor er US-Amerikaner in einem der vielen Kriege verheizte.

    Do not ask what US can do for world economy, but what can the world economy do for the US - bernanke bevor er Werte in grossem Maßstab verheizte.

    Wo ist der Unterschied?

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