US-Schuldenkrise
Washington hat einen Plan B

Für den Fall eines Scheiterns der Gespräche hat die US-Regierung einen Notfallplan. Das Misstrauen an den Märkten nimmt jedoch zu. Anleger halten sich beim Kauf von US-Staatsanleihen zurück. Die Welt hofft auf eine Rettung in letzter Minute.
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Düsseldorf/WashingtonIm US-Schuldenkrieg hat sich auch am Mittwoch keine Bewegung abgezeichnet. Der Streit drückte deutlich auf die Stimmung an der Wall Street und zog die Kurse ins Minus. US-Präsident Barack Obama glaubt nach den Worten seines Sprechers Jay Carney weiter an einen Kompromiss, das Finanzministerium arbeite aber vorsichtshalber an einem Plan für den Fall der Zahlungsunfähigkeit.

Carney betonte zugleich, es sei nicht daran zu rütteln, dass die Schuldenobergrenze bis zum 2. August erhöht werden müsse. „Das ist ein fester Stichtag, daran führt kein Weg vorbei“, sagte der Sprecher dem Sender CNN mit Blick auf jüngste Berichte, nach denen die Regierung wahrscheinlich noch bis zum 10. August ihre Rechnungen und Schuldendienste bezahlen könne.

Ohne eine Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar können die USA dann ihre Rechnungen, die Gehälter der Staatsbediensteten und die Renten nicht mehr bezahlen. Zugleich droht der größten Volkswirtschaft der Verlust der Bonitätsnote „AAA“, die sie bislang als einen der zuverlässigsten Schuldner weltweit ausweist. Dies hätte erhebliche Nachteile bei der künftigen Kreditaufnahme.

Vertreter der beiden größten US-Kreditagenturen sagten unterdessen in einer Kongressanhörung, dass sie Zahlungsausfälle für unwahrscheinlich hielten. Wie die „New York Times“ weiter berichtete, warnten sie im selben Atemzug erneut vor einer Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit, wenn es keinen angemessenen Plan zum Schuldenabbau gebe. Die Zeitung zitierte den Präsidenten der Agentur Standard & Poor's, Deven Sharma, zugleich mit den Worten, „einige“ der zurzeit im Kongress erwogenen Pläne könnten für eine Beibehaltung der US-Topbonität ausreichen.

Spitzenvertreter der Republikaner und der Demokraten sind sich grundsätzlich darin einig, dass eine Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (etwa zehn Billionen Euro) nötig ist. Die Konservativen wollen aber eine Anhebung in zwei Schritten, was Obama und seine Partei entschieden ablehnen. Gestritten wird auch über den Umfang und die Art von Maßnahmen zum Schuldenabbau, die eine Ausweitung des Kreditrahmens begleiten sollen.

Am Mittwoch wurde im Kongress an zwei getrennten Plänen für einen längerfristigen Schuldenabbau gefeilt, die der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner, und der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, ausgearbeitet hatten. Beide Entwürfe haben aber in der bisherigen Fassung keine Chance, in beiden Kammern des Kongress eine Mehrheit zu finden. Der Senat wird von den Demokraten beherrscht, das Abgeordnetenhaus von den Konservativen, die wiederum untereinander zerstritten sind. Einer Reihe gehen die von Boehner vorgeschlagenen Ausgabenkürzungen zum Schuldenabbau nicht weit genug, manche sind generell gegen eine Erhöhung des Schuldenlimits.

Boehner rief die Kritiker in den eigenen Reihen am Mittwoch dazu auf, sich nicht länger zu verweigern. „Kriegt eure Ä...hoch“, sagte er nach Medienberichten. Der Entwurf sollte nach Boehner Plänen möglichst am Donnerstag im Abgeordnetenhaus zur Abstimmung gestellt werden.

Zur Schuldenkrise kommt auch noch, dass sich die Konjunktur abschwächt. Das Wirtschaftswachstum in den USA hat in vielen Regionen zwischen Anfang Juni und Mitte Juli weiter an Kraft verloren, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht der Fed (Beige Book). Auch der Arbeitsmarkt bleibe schwach, obwohl viele Regionen Neueinstellungen verzeichnet hätten.

An den Märkten sorgte die US-Krise für Verunsicherung. „Eigentlich wäre der Markt drauf und dran fester zu laufen, wenn man sich die gerade veröffentlichten Zwischenbilanzen der Unternehmen ansieht, aber die Anleger werden von den immer neuen Schlagzeilen aus Washington ausgebremst“, sagte ein Börsianer. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 1,6 Prozent schwächer bei 12.303 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 sank um zwei Prozent auf 1305 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq schloss 2,7 Prozent schwächer auf 2764 Stellen.

Besorgte Anleger flüchteten ins Gold und in den Schweizer Franken, die beide neue Höchststände erreichten. Auch die Kreditversicherungen gegen US-Zahlungsausfälle waren so teuer wie nie. Der Dollar markierte mit 0,7989 Franken den dritten Tag in Folge ein Rekordtief. Zur japanischen Währung rutschte er auf ein neues Viereinhalb-Monats-Tief von 77,54 Yen.

Wegen der Hängepartie über die Anhebung der US-Schuldengrenze zögerten Anleger allerdings beim Kauf von US-Staatsanleihen. Die Emission fünfjähriger Schuldtitel stieß auf geringes Interesse. Die Rendite zehnjähriger Bonds stieg auf 2,98 Prozent. Das dreißigjährige Papier lag bei 4,29 Prozent.

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  • Beeindruckend wie die Masse reagiert. Insbesondere die ungebildete Masse.

    Ich habe die letzten Wochen ausgiebig verfolgt wie die meisten auf Nachrichten zur EU und USA reagierten.
    Als es hieß, dass Griechenland damit "pleite" ist bzw. runtergestuft wird, kommt es zu Verwerfungen am Finanzmarkt. Alle waren einer Meinung. Es wird zum Crash kommen. Alle kamen aus der Deckung und prognostizierten den Untergang der Eurozone.
    Was ist passiert? Nichts! Zumindest noch nicht.

    Nun das gleiche Bild bei dem drohenden Zahlungsausfall der USA. Dieses Mal aber hat sich was geändert in der Berichterstattung. In der Vergangenheit hat sich die Presse die Frechheit erlaubt wilde Spekulationen als Tatsachen zu publizieren. Aber nun erlebe ich einen der selten Berichte, wo der Konjunktiv genutzt wird, die Berichterstattung ernst aber nicht dramatisch formuliert wird. Jeder Artikel hält eine Lösung bzw. eine Alternative bereit. Überall liest man, dass niemand das Schreckensszenarion zulassen wird. Und auch die Kommentare der Masse sind da eindeutig: "Rettung in letzter Minute". Schon erstaunlich, denn in den letzten "Schreckensverhandlungen" der letzten Jahrzehnte gab es dazu nichts zu lesen.

    All das lässt meiner Ansicht nach nur ein Schluss zu. Es wird zum Zahlungsausfall kommen und zu Verwerfungen am Finanzmarkt.
    Bei Lehman dachten auch alle, dass man sie retten wird, doch da lag die Masse falsch. Ich denke, auch hier liegt die Masse falsch.

    Kritisiert mich, wenn bis Ende August tatsächlich nichts passiert ist, aber ansonsten ist Vorsicht geboten.

  • Klassische Medienpanik. Mal wieder Weltuntergang und kreischende Journaille mit wilden Schlagzeilen. Mindestens das Universum bricht zusammen. Ab Dienstag wieder Normalgepupse. Doch noch 200, 300 Milliarden aufgetaucht :-)

  • Wer weis, vielleicht ist es doch nur der Auftakt um sich auf den Rücken der Gläubiger zu entschulden. Das Momentum paßt, Europa hat Probleme, Japan hat Probleme..na dann wollen wir doch mal den chinesischen Drachen zur Ader lassen und das Spiel noch einmal beginnen aber mit dem Versuch weiter im Driver-seat zu bleiben, denn sonst sind in 5 Jahren die Chinesen No. 1 in der Welt. Wer glaubt, dass die Amis keine Zukunftsszenarien spielen für 5 oder 10 Jahre ist naiv. Seit der Zeit des kalten Krieges beherrschen Sie das excellent und haben Übung darin. Was derzeit läuft ist Teil eines Planes. Wir erleben derzeit nur das taktische Geplänkel im Felde. Interessant wäre es die Blaupause zu kennen. Menschenverachtend die Politik ob links, mitte oder rechts. Wa wirklich zählt ist leider die Macht und die wollen die USA nicht abgeben!

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