US-Schuldenstreit
Moody's feuert einen Warnschuss ab

Der Schuldenkompromiss steht in den USA noch aus. Der politische Stillstand ist dramatisch genug. Nun droht die Ratingagentur Moody's, die Topbonität des Landes zu kippen. Aber US-Politiker wehren sich.
  • 10

WashingtonDer politische Streit über die Erhöhung der US-Schuldengrenze hat erneut an Dramatik zugelegt. Am Mittwoch drohte die amerikanische Ratingagentur Moody's dem Land wegen des Konfliktes mit der Aberkennung seiner Topbonität. Die Bestnote „AAA“ für die US-Staatsanleihen stehe infrage, teilte das Unternehmen in New York mit.

Die Gefahr, dass die USA zumindest kurzfristig ihre Zinsen auf aufgenommene Schulden nicht mehr zahlen könnten, sei zwar weiter gering, aber nicht mehr länger vernachlässigbar.

Die Verhandlungen zwischen US-Präsident Barack Obama und den Republikanern im Kongress über eine Anhebung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (10 Billionen Euro) wurden auch am Mittwoch im Weißen Haus fortgesetzt. Sie scheinen jedoch weiter nicht von der Stelle gekommen zu sein.

Das demokratische Obama-Lager macht von der Opposition geforderte massive Einsparungen auch im Sozialbereich von Steuererhöhungen für Reiche abhängig. Die Republikaner sperren sich aber gegen jegliche Abgabenerhöhungen.

Der politische Stillstand erhöht laut Moody's die Gefahr, dass die Schuldengrenze nicht rechtzeitig zum 2. August angehoben werden kann. Sollte es bis Mitte Juli keine Entscheidung geben, werde es daher zu einer Überprüfung des Ratings kommen. „Ein tatsächlicher Zahlungsausfall, egal von welcher Dauer, würde Moody's Beurteilung über die Pünktlichkeit künftiger Zahlungen fundamental verändern“, warnte die Agentur. Die Note „AAA“ wäre nicht länger angemessen. Auch US-Staatsunternehmen könnten von einer Aberkennung des Topratings betroffen sein, darunter etwa die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

Das Finanzministerium bezeichnete Moody's Entscheidung als wichtigen Warnschuss. „Es ist eine rechtzeitige Erinnerung für den Kongress, sich schnell zu bewegen“, sagte der zuständige Staatssekretär Jeffrey Goldstein laut einer Mitteilung.

Zuvor hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke eine Anhebung der Schuldengrenze gefordert. „Ein Kreditausfall könnte eine große Krise verursachen“, sagte Bernanke bei einer Kongressanhörung. Schockwellen für das Finanzsystem wären die Folge. Die Haushaltssituation der USA sei nicht tragbar und müsse ernsthaft angegangen werden.
Die Warnung von Moody's wurde von Politikern in den USA mit scharfen Worten zurückgewiesen. "Moody's und sein Kumpan S&P haben den Beinahekollaps der Wirtschaft der USA verursacht. Diese Branche sollte einer besseren Aufsicht, mehr Regulierung und einer grundlichen Veränderung unterworfen werden", drohte der demokratische Kongressabgeordnete Dennis Kucinich den Ratingagenturen. Niemand habe die Befugnis, der Regierung der Vereinigten Staaten zu diktieren, was sie zu tun habe.

Kommentare zu " US-Schuldenstreit: Moody's feuert einen Warnschuss ab "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer jetzt die Anhebung der Schuldengrenze sozusagen mit vorgehaltener Waffe fordert, muß verbindlich erklären, ob er in Zukunft so weitermachen möchte oder wie er derartige Ausweitungen für die Zukunft mit Sicherheit unterbinden will.

  • Das hat nichts mit neutralem Rating zu tun. Griechenland wird von der EU gestützt und ist CCC eingestuft und USA ist immer noch AAA. Ob da wohl jemand von Amerika ablenken will? Und die Anleger sind auch noch so blöd und reagieren genau so wie die Rating-Agenturen es beabsichtigen.

  • Vielleicht kann man das so sehen :
    es wird genügend Geld 'gedruckt' ,
    USA ist zahlungsfähig und bedient die Gläubiger ,
    die Inflation steigt,
    der Dollar wird abgewertet,
    Rating bleibt AAA.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%